Sündiges München – Nachtszenen aus der Nachkriegszeit

18. Oktober 2009
Buchkritik, Feiern & Kultur, Leseprobe

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Als Homosexualität noch verboten war, als in der Herbertstraße gerade Frauen und Kindern der Zutritt verwehrt wurde, als die Halbstarken  in die Schule kamen – da gab es in München schon Sex, Schlägereien und Schampus. Al Herbs neuer Bilband “Sündiges München” bekämpft einen Mythos…

Der Fotograf kämpft mit seinen Bildern gegen das mythisch überladene Vorurteil vom spießigen München der Nachkriegszeit. Das Gastspiel des Pariser Lido im Deutschen Theater im Jahr 1958 ist dabei genauso ein Beweismittel wie viele Bilder von abgefeierten Münchnern, die, wie es scheint, zur Adenauerzeit in jedem Winkel der Stadt geschlafen haben. Al Herb, der 1951 seine erste Kamera kaufte, zeigt München bei Nacht zu einer Zeit, als es noch keine Sprrbezirke gab. Dabei fallen zwischen den heiteren und sündigen Szenen immer wieder traurige, ernste Fotos auf. Sie zeigen die Schattenseiten der Stadt der 50er, 60er und 70er.

Heute lebt Al Herb im Münchner Westen, fotografiert nur noch privat. Er hat aufgehört das Nachtleben an der Isar zu dokumentieren, als sich in den 70er Jahren die Szene veränderte: Als die Nachtclubs schließen mussten. Als die Stripclub-Besitzer mäßig begabte Tänzerinnen engagierten. Als die Preise stiegen. Aus seinen Archiven hat er einen wunderbaren Bildband zusammengestellt, der das Vorurteil der dunklen Nachkriegsjahre widerlegt.

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Al Herb: “Sündiges München. Nachtszenen aus der Nachkriegszeit” (Hirschkäfer Verlag)

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1954: Schlägerei in der Goethestraße

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1959: Tänzerin im “Petit Tabaris” am Stachus

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1965: Rock’n'Roll-Wettbewerb in der “Havana Bar” in der Goethestraße

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1960: Nonnen in Neuhauser Straße

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1973: Schlafender Oktoberfestbesucher am Hauptbahnhof

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1976: Magda Meyer im “Moulin Rouge” in der Herzogspitalstraße

(Alle Fotos entstammen dem Al Herb-Bildband “Sündiges München. Nachtszenen aus der Nachkriegszeit” (168 Seiten), der 2009 im Hirschkäfer Verlag erschienen ist und 28 Euro kostet.)

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Hannes Kerber    Dieser Artikel wurde von Hannes Kerber geschrieben.
Hannes arbeitet als freier Journalist in München und mag besonders die BOB und die Regionalbahn 30607, die ihn samstags in die Berge bringen.
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  • 4 Kommentare

    Ich dachte immer wir wären eine krasse generation ….hallo omi, was sehe ich hier?

    Von Steffi am 18. Oktober 2009 um 21:23 Uhr.

    Jeeehaa. I wanna be 17 in ‘54!

    Von Carl am 18. Oktober 2009 um 21:50 Uhr.

    sau stark! super tipp..muss ich mir unbedingt mal anschaun, wenn ich meine ruhe vom nachtleben brauch ;)

    Von sewastl am 19. Oktober 2009 um 00:05 Uhr.

    Mein Lieblingsbild ist der R’n'R-Tänzer. Super Körperhaltung… Wenngleich der Schläfer eine echt gute Idee hatte. Zwei Tische zusammenstellen – voila.

    Von BigBoy am 19. Oktober 2009 um 07:12 Uhr.

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