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Banksy in München: In der Hotterstraße steht das erste deutsche „Urban Art“-Museum

Julius Zimmer

Julius Zimmer

Mich fasziniert das Absurde im Alltag. Das ist einer der Gründe, warum ich mich in meiner Wahlheimat München so wohl fühle: Hier erwachen Widersprüche zum Leben. "Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Herz auszufüllen. Wir müssen uns den Münchner als einen glücklichen Menschen vorstellen."
Julius Zimmer

In dem ehemaligen Umspannwerk in der Hotterstraße 12 ist es verdammt kalt. Menschen in dicken Wintermänteln drücken sich durch die massive Eingangstür in die Innenräume. Die große Halle im Inneren erinnert mich an einen Rohbau, irgendwie halbfertig, allerdings mit weiß verputzten Wänden und Fenstern in vier Metern Höhe.

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Ich stehe in Deutschlands erstem Museum für Urban und Contemporary Art. Diese Begriffe sind für den Durchschnittsdeutschen vielleicht etwas schwer zu verstehen, daher haben die Gründer des „MUCA“ (kurz für „Museum of Urban and Contemporary Art“) einen Kunsthistoriker von der Uni Heidelberg eingeladen: Dr. Ulrich Blanché.

Er erklärt: „Unter Urban Art versteht man Kunst, die normalerweise auf der Straße passiert. Also Graffiti oder Street Art.“

„Banksy! – Aaaah!“

Ein Stichwort reicht um dem Leser das zu verdeutlichen: Banksy. „Aaaaah, der mit dem Mädchen und dem Luftballon“. Ja, genau der. Das nennt man Street Art.

Zur Eröffnung finden sich mehr als 25 Werke der renommiertesten Urban Art-Künstler der Welt im MUCA: Shepard Fairey, Zeus, David Choe und ja, sogar Banksy stellen hier aus.

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Man könnte sich jetzt fragen wieso man Kunst in einem Museum ausstellt, die für den öffentlichen Raum kreiert wurde? Christian Utz, Mitbegründer des MUCA, erklärt, dass es in Zukunft nicht nur um die Werke selbst, sondern vor allem um die Künstler gehen soll.

Platz für Nachwuchs

Das Team möchte Nachwuchstalenten die Chance geben, in einem straffreien Raum ihre Techniken weiterzuentwickeln. Auch in Deutschland soll so endlich ein Dialograum für diese noch junge Kunstbewegung geschaffen werden – ohne den Druck, der auf der Straße herrscht.

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Ob genau darin nicht auch der Reiz von Urban Art liegt, sei jetzt mal dahin gestellt. Zumindest unterscheidet sich das MUCA wesentlich von anderen Galerien, denn die Architektur vermittelt eine sehr authentische Atmosphäre, fernab von knarzenden Holzböden, „Keine Fotos“- Aufklebern und aufdringlichen Securities.

Auf der Straße

Ein bisschen fühlt man sich wirklich wie draußen auf der Straße. Die niedrige Temperatur, der Steinboden, die Eisenträger… Das alles wirkt, als ob man sich in einem alten Gebäude verlaufen hätte, das Graffiti-Künstler zu ihrem Rückzugsort umfunktioniert haben.

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Und das findet sogar die Stadt München gut. Neben dem vielleicht prominentesten Besuch in Form eines Banksy-Kunstwerks, schaute sogar Vize-Bürgermeister Josef Schmid noch kurz vorbei.

CSU will wilder sein

Für mich etwas überraschend erklärte der CSU-Politiker, die Stadt wolle „mehr wilde Ideen“ wagen. München sei deutschlandweit verschrien, zu snobby, zu gelackt: „Etwas Extrovertiertheit tut der Stadt sehr sehr gut. Mit dem MUCA bringen wir ein Stück New York an die Isar“.

Schön zu sehen, dass Josef Schmid scheinbar seinen zweiten Frühling feiert. Vielleicht trifft man ihn ja auch bald mal im MMA. Aber Spaß beiseite, der Mann hat recht: Das MUCA hat das Potential, eine gelungene Institution in München zu werden.

Was mir besonders gut gefällt, ist die Tatsache, dass es bis Ende Januar für jeden Besucher gratis ist. Die Öffnungszeiten sind von Montag bis Freitag von 10:00 bis 19:00 Uhr. Es gibt also eine Reihe von Gründen, dem Museum so schnell wie möglich einen Besuch abzustatten.


Fotos: (c) Julius Zimmer

2 Comments
  • Julia Konietzko
    Posted at 04:11h, 20 April

    Anstatt die CSU immer wieder aufs Korn zu nehmen, würde einem Julius Zimmer ein wenig mehr kritischer Journalismus wirklich gut tun.
    Das zeigt unter anderem der Verweis auf das MMA für das er öffentlich immer wieder als Werbetexter tätig ist.

  • Julius Zimmer
    Julius Zimmer
    Posted at 10:54h, 20 April

    Liebe Julia, ich war eigentlich vom Auftreten des Oberbürgermeisters sehr positiv überrascht. Die kleine Polemik ist eher als ein humoristischer Nebeneffekt im Text gedacht. Für das MMA habe ich noch nie irgendwelche Werbetexte geschrieben, ich mag den Club nicht mal besonders. An kritischem Journalismus bin ich immer interessiert, vielleicht kannst du mir da mal etwas Nachhilfe geben? Grüße!

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