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„Eine Schande für diese Stadt“: So kommentieren Nutzer das Versagen der Münchner Ämter

Julius Zimmer

Mich fasziniert das Absurde im Alltag. Das ist einer der Gründe, warum ich mich in meiner Wahlheimat München so wohl fühle: Hier erwachen Widersprüche zum Leben. "Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Herz auszufüllen. Wir müssen uns den Münchner als einen glücklichen Menschen vorstellen."
Julius Zimmer

Jede Nation der Welt hat ihre ganz eigenen Klischees. Amerikaner essen ausschließlich Fast Food und halten sich für die Größten, alle Franzosen sind unfreundlich und laufen den ganzen Tag mit Baguette und Baskenmütze herum und Italiener sind Gigolos mit einer unheimlichen Vorliebe für bitteren Kaffee und wilde Gesten.

Und wir Deutschen? Klar: Wir trinken jeden Tag Bier, fahren die besten Autos und sind akribisch genau, stets pünktlich und perfekt organisiert. Kurzum, die Könige der Bürokratie.

Chaos, Warteschlangen, Unfreundlichkeit

Am deutlichsten sollten sich diese Eigenschaften auf den örtlichen Behörden bemerkbar machen. Doch gerade in der Hauptstadt mit Herz zeichnet sich dort ein ganz anderes Bild ab: Chaos, meterlange Warteschlangen und unfreundliches Personal. Deutsche Präzision sieht anders aus.

Das Internetportal netzsieger.de wollte es genauer wissen und hat die Münchner Behörden mit denen anderer deutscher Großstädte verglichen – und ist zu einem erschreckenden Ergebnis gekommen: Unsere Ämter sind die schlechtesten im ganzen Land.

Um das zu verstehen, genügt ein Blick auf Google. Dort kann man nämlich inzwischen nicht nur Restaurants und Hotels mit einem von fünf Sternen bewerten, sondern auch Ämter und andere staatliche Einrichtungen.

Die Redaktion von netzsieger.de hat die Anzahl der Sterne für Bürgerbüros und KfZ-Zulassungsbehörden zusammengezählt und den Durchschnitt errechnet. Im Vergleich mit den zwanzig einwohnerreichsten Städten steht München mit 2,2 Sternen am bitteren Ende der Liste.

Grund genug für uns, einen etwas genaueren Blick auf die Google-Rezensionen zu werfen. Denn was steht da eigentlich? Welche Ämter sind die schrecklichsten? Und was haben die Bürger zu erzählen?

Amt für Wohnen und Migration – 1,6 Sterne

Jaja, Wohnen ist in München ein sehr emotional aufgeladenes Thema. Verständlich, dass die Stimmung auf dem Amt nicht die Beste ist. Aber 1,6 Sterne von 5? Bei 51 Bewertungen? Autsch. Glückliche Bürger sehen anders aus:

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„Hier werden sie geholfen?“ – eher weniger. Der Freund dieses Nutzers bemühte sich um eine Wohnung auf dem Amt und bekam eine unschlagbare Empfehlung: Das Obdachlosenheim in der Pilgersheimerstraße. 


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Kreisverwaltungsreferat – 2,6 Sterne

Ah, der absolute Klassiker unter den Behörden: Das Kreisverwaltungsamt in der Ruppertstraße. Es ranken sich viele Mythen und Horrorgeschichte um das Amt an der U-Bahnhaltestelle Poccistraße. Doch was schreiben die Nutzer?

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Der Nutzer „Don Phamvu“ hat mit einem Mitarbeiter der Behörde noch ein Hühnchen zu rupfen:

don dinKfZ-Zulassungsbehörde – 2,2 Sterne

Rund 850.000 Autos gibt es im Großraum München. Eine Menge Gründe, ständig aufs Amt zu rennen. Doch dort erwartet den passionierten Autofahrer das selbe wie auf der A3 kurz vor Würzburg: Ein Stau.

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Die Frau dieses Nutzers kommt eigentlich aus Irland. Nach ihrem Besuch in der Münchner Kfz-Behörde kann sie es kaum erwarten, aus Deutschland wieder wegzuziehen.

immanuelKassen und Steueramt – 2,1 Sterne

Okay, wenn es um Geld, dann hört die Freundschaft auf. Aber das Kassen und Steueramt in der Herzog-Wilhelm-Straße scheint gar keine Freunde mehr zu haben. Ist aber auch kein Wunder, wenn da nie jemand ans Telefon geht.

kassen und steueramtkjjjAusländerbehörde – 1,7 Sterne

Zuletzt sollten wir noch sehen, was Zugereiste so über die örtlichen Behörden denken. Auch hier scheint die Meinung eindeutig:

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Kein Meister der Herzen

München ist in vielerlei Hinsicht deutscher Meister: Im Herrenfußball, in Punkto Lebensqualität, Sicherheit und Wirtschaftskraft. Ist klar, dass wir irgendwo auch mal versagen. 

Es hat den Anschein, als ob die Münchner Beamten die bayrischen Gmiatlichkeit am intensivsten ausleben. Doch vielleicht sind die desaströsen Verhältnisse auch dem chronischen Personalmangel und zahlreichen Computerpannen geschuldet. An beiden Punkte würde man arbeiten, erklärte der KVR-Sprecher Johannes Mayer der Münchner „tz“.

Wann und wie das genau passiert, bleibt (natürlich) abzuwarten. Also Nummer ziehen und Schnauze halten.


Beitragsbild: © Jan Rauschning-Vits

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