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Betörend: The XX im Zenith

Stefanie Witterauf

Stefanie Witterauf

Stefi ist eine junge Journalistin aus München. Sie liebt Neologismen, Dadaismus und Kaffee. Den trinkt sie am liebsten auf Reisen. Bevor sie dreißig Jahre alt wird, möchte sie alle europäischen Hauptstädte gesehen haben.

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Text: Friederike Krüger und Stefanie Witterauf, Fotos: Christin Büttner

Bisher stand der minimalistische, melancholische Indie-Britpop der Band für verträumte Abende, Ruhe und Gefühl. Der Freitagabend in München indes war anders, kraftvoll und äußerst tanzbar.

Das Konzert am Freitagabend war perfekt für The XX-Fans der ersten Stunde, es umfasste viele Songs ihrer ersten zwei Alben The xx, 2009; Coexist, 2012, sowie einige des neuesten Albums I see you.

Weil sie stilsicher alte und neue Lieder miteinander vermischten, alte Fans abholten und neue Fans einluden, war der Abend eine Mischung aus Wohnzimmerkonzert und Elektrofestival. Die Kontroverse der Band spiegelte sich in diesem Abend, wie die Band in den Deckenspiegeln: Mit einer Abwechslung aus melodisch eingängigen und unerwarteten, aufputschenden Melodien und Bässen schufen die drei Briten ein Paralleluniversum, dem sich Gäste aller Genres nur schwer widersagen konnten.

Erst wippte man nur leicht zur Musik, doch am Ende des fast zweistündigen Konzerts tanzten und sangen eine Vielzahl der Fans. Die Band zog einen in ihren Bann und nahm die Fans mit auf eine Reise. Vom ruhigen Anfang, über singbare Songs wie „Crystalized“, eine fantastische Lichtshow, wie das rote Lichtermeer bei „I Dare You“, bis zur Elektroparty-Stimmung am Ende, als Jamie Smith seine Künste unter Beweis stellte. The xx ließen einen in der Masse einsam fühlen und wenige Minuten später Trost in wuchtigen und durchdringenden Elektrobeats finden.

So abwechslungsreich das Set war, so unterschiedlich waren auch die Gäste, die an diesem magischen Abend das Zenith im Münchner Norden aufgesucht hatten, um – ja, es wäre falsch zu sagen, sie kommen, um die Band zu sehen. Denn The XX sieht man nicht. Wie es sich für die noch junge Tradition der Band gehört, verstecken sie ihre Personen hinter fantastischen Klängen und legen ihre Schüchternheit nur in der Nacht ab, wenn sie mit der Musik verschmelzen, das Scheinwerferlicht dimmen, sich im Rhythmus von Beats und Lichtshow bewegen. Dann sieht man Romy Croft und Oliver Sim auf der Bühne. Wie sie sich für den Bruchteil einer Sekunde nahe kommen, sich in die Augen blickend gemeinsam Gitarre spielen. Aber das ist einer der wenigen Momente an diesem Abend.

Deshalb stehen die Zuhörer auch überall in der ausverkauften Halle, weitläufig verstreut, aufgelockert und entspannt. Gedränge gibt es nur ganz vorn. Der sonst häufig zu recht kritisierte blecherne Sound im Zenith kam dieser Band entgegen, sodass das Zenith tatsächlich wider Erwarten nicht der schlechteste Ort für diesen Auftritt war.

Es ist eine wahre Freude zu hören, dass eine Band, die ein Hammer-Album vorgelegt hat, sich immer wieder neu erfinden kann, mit weiteren Alben neue Akzente setzt und neue musikalische Wege geht und auch nach etlichen Auftritten noch immer kein kommerzielles Album runterspielt, sondern pur, betörend, eindringlich und leidenschaftlich ist.

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