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„Wir lehnen Staat und Herrschaft in jeder Form ab.“ – Die Schnitzelhaus-Besetzer im Interview

Emanuel Weitmann

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Praktikant bei Mucbook
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Mucbook: Wie geht’s euch denn so nach der Besetzung?

Für-Lau-Haus: Wir sind begeistert über die Resonanz der Anwohner_innen, ebenso wie die in den Medien, damit hatten wir so nicht gerechnet. Dementsprechend geht es uns sehr gut.

Mucbook: Wer seid ihr denn eigentlich? Wer steht hinter dem Namen: „Für-Lau-Haus“?

Für-Lau-Haus: Wir sind eine Hand voll Anarchist_innen. Wir lehnen Staat und Herrschaft in jeder Form ab. Dazu gehört auch Eigentum und der kapitalistische Tauschgedanke. Mit dem „Für LⒶu Haus“ sehen wir die Möglichkeit, unsere Kritik im kleinen Rahmen praktisch umzusetzen oder zumindest einen Schritt in die richtige Richtung zu gehen.

Mucbook: Sind für die Zukunft weitere Aktionen geplant?

Für-Lau-Haus: Auf jeden Fall! Wir hoffen einerseits, dass auch andere Personen Lust haben, dem Für LⒶu Haus ein neues Zuhause einzurichten, andererseits planen wir aber auch selbst weitere Aktionen. Das Für LⒶu Haus wird also auf jeden Fall wieder auftauchen.

Mucbook: Rechnet ihr mit einer Konfrontation mit der Polizei?

Für-Lau-Haus: Grundsätzlich versuchen wir der Konfrontation mit der Polizei aus dem Weg zu gehen. Das erspart uns Repression und wir bleiben handlungsfähig. Wir können aber nicht für die Zukunft sprechen. Sollte es sich nicht vermeiden lassen, werden wir auch der Konfrontation mit der Polizei begegnen können.

Mucbook: Meint ihr, dass ihr mit eurer Besetzung einen Stein ins Rollen gebracht habt und andere zum aktiven Protest gegen die Wohnsituation in München motiviert habt?

Für-Lau-Haus: Ob das so ist, wird die Zukunft zeigen. Momentan stellen wir fest, dass die Medienresonanz größer ausfällt als bei Aktionen zu Leerstand in den letzten Jahren. Auch von Privatpersonen haben wir sehr positive Rückmeldungen erhalten. Wir haben uns auch sehr über das Massen-Cornern gefreut und begrüßen weitere Aktionen in diese und andere Richtungen.

Mucbook: Was wollt ihr mit euren Besetzungen generell erreichen?

Für-Lau-Haus: Wir halten es für eine der vielen Absurditäten des Kapitalismus und des Eigentumsgedankens, dass ein Haus mehrere Jahre ungenutzt leerstehen kann, weil es ein_e Eigentümer_in so will, während viele Menschen händeringend nach einer Wohnung suchen und unkommerzielle öffentliche Räume Mangelware sind. Das gilt grundsätzlich nicht nur für Häuser, sondern auch für alle Gegenstände, die eine Person nicht benötigt, einer anderen Person aber nicht zugänglich gemacht werden. Dem wollen wir im Kleinen etwas entgegensetzen, indem wir leerstehende Häuser den Menschen zugänglich machen. Dabei bietet sich natürlich die Einrichtung eines Umsonstladens in diesen Häusern an.

Uns ist klar, dass wir momentan mit unseren Besetzungen nur einen symbolischen Akt vollbringen können. Wir hoffen jedoch, mithilfe vieler solcher Aktionen irgendwann eine Dynamik herzustellen, die längerfristige Besetzungen und damit die Schaffung von Freiräumen ermöglicht. Freiräume sind Räume, in denen weder kapitalistische, noch staatliche, noch sonstige Herrschaftsverhältnisse Gültigkeit haben sollen. Das bedeutet auch, dass dort überhaupt erst daran gearbeitet werden kann, Diskriminierungen effektiv abzubauen und Herrschaftsverhältnisse anzugreifen. In München gibt es derzeit nur wenige solcher Freiräume. Das wollen wir ändern!

Das Interview wurde schriftlich geführt.


Beitragsbild: © Joshua Wilking

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