Aktuell, Stadt, Wohnen trotz München

Voll Gegen Leerstand – weil Eigentum verpflichtet

Wohnungssuche in München – jeder, der das schon hinter sich hat, weiß, dass dieser Kampf nur mit starken Nerven und einer ordentlichen Portion Geduld zu ertragen ist. Ein neues Heim, das einigermaßen zentral liegt, aber dennoch bezahlbar ist? Fast ein Ding der Unmöglichkeit. München wächst und wächst. Am freien Markt gibt es kaum Wohnungen für Menschen mit wenig Geld, bezahlbarer Wohnraum ist rar. Umso mehr verwundert es, dass immer mehr Häuser über lange Zeit leerstehen. Eines davon ist das „Schnitzelhaus“ in der Schwanthalerhöhe, das bereits seit mehreren Jahren nicht mehr genutzt wird. Gegen diesen Leerstand soll am Samstag, den 10. September mit der Initiative „Voll Gegen Leerstand“ vorgegangen werden. MUCBOOK hat für euch mit Kerem Schamberger (Aktionsgruppe Untergiesing) und York Runte (Ligsalz8), die Teil des Organisatoren-Teams sind, gesprochen.
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Was hat euch dazu bewegt, so eine Aktion ins Leben zu rufen?

YR: Wir betrachten schon seit Jahren die Entwicklung bezüglich der leerstehenden Gebäude in der Schwanthalerhöhe und sind darüber erstaunt, dass nichts passiert, obwohl die Mieten explosionsartig steigen. Die Eigentümer scheinen die Häuser einfach leerstehen lassen zu können.

KS: Es war an der Zeit, dass sich die einzelnen mietpolitischen Gruppen zusammentun und gemeinsam eine Aktion machen. Geeinigt haben wir uns auf die Aktion „Voll Gegen Leerstand“. Mit dieser wollen wir gegen Leerstand protestieren und aktiv werden.

Wie läuft die Aktion am Samstag ab?

YR: Wir haben vor einigen Tagen in vielen Haushalten in München Flyer eingeworfen. Auf einer Karte kann man Vorschläge anbringen, was man aus dem Schnitzelhaus machen könnte. Diese Karte kann man dann Herrn Reiter zukommen lassen. Am Samstag würden wir gerne einige Vorschläge vorstellen und eine öffentliche Diskussionen mit allen Menschen, die sich für das Thema interessieren, starten.

Was versucht ihr mit der Aktion zu bewirken?

KS: Der Schnitzelwirt ist nur ein Kristallisationspunkt von einem Trend in München, der überall zu spüren ist und dazu führt, dass die Leute keinen Wohnraum haben. Wohnraum ist nichts mit dem man spekulieren oder Geld machen kann, sondern Wohnen ist ein Grundrecht, das gedeckt werden muss. Primär müssen alle Menschen eine Wohnung haben, die sie sich leisten können. Die Situation dahingehend wird in München immer schlimmer.

Es geht bei der Aktion auch ein bisschen um Skandalisierung und darum, Druck auf die Eigentümer des Schnitzelhauses auszuüben. Wir wollen, dass die Eigentümer durch den öffentlichen Druck merken, dass sich Protest gegen den Leerstand regt. Und hoffen, dass sie dadurch aktiv werden. Es wäre natürlich nicht in unserem Sinne, dass dort zum Beispiel Luxuslofts entstünden. Wir fordern eine spezifische Nutzung, die den Menschen nutzt. Bezahlbarer Wohnraum. Wohnen jenseits von Profit machen.

Steht ihr in Kontakt zu den Eigentümern?

YR: Eigentlich können wir gar nicht mit den Eigentümern in Kontakt sein. Aus datenschutzrechtlichen Gründen haben wir nicht das Recht zu erfahren, wem die Häuser gehören.

KS: Bei ganz viel Leerstand ist es so, dass sich Eigentümer hinter dem Datenschutz verstecken. Es dauert Wochen oder Monate alleine herauszufinden, wem das Haus gehört. Das man nicht mit einem Klick herausfinden kann, wer Eigentümer ist, finde ich eine Unverschämtheit.

Gab es bereits Reaktionen auf den Protest gegen Leerstand?

YR: Mir ist zu Ohren gekommen, dass ein Bußgeldverfahren wegen Fehlnutzung gegen das Schnitzelhaus läuft. Eigentum verpflichtet eben auch zur Nutzung. Ich kann ein Haus nicht einfach leerstehen lassen, nur weil es meines ist. Das Problem ist, dass die Bußgeldsumme bei solchen Verfahren dann zum Beispiel 5000 Euro ist. Bei so einer Immobilie wie dem Schnitzelhaus steigt schon der Wert alleine im Monat um 5000 Euro. Solche Beträge können einfach aus der Portokasse bezahlt werden. Da müsste man Summen einführen, die auch wehtun.

KS: Oder man muss über zeitgebundene Enteignung sprechen. Solange es noch keine konkreten Pläne gibt, wird an Studenten, Geflüchtete oder Alleinerziehende untervermietet.

Plant ihr noch weitere Aktionen?

KS: Auf jeden Fall. Mit der Aktion am Samstag wird die Mietenfrage nicht geklärt werden, aber es wird ein Statement gesetzt. Münchner protestieren und die Idee wird weitergetragen.

Wer ist am Samstag beim Schnitzelhaus willkommen?

KS: Alle sind willkommen, niemand wird ausgeschlossen. Und jeder, der eine Idee zur künftigen Nutzung des Schnitzelhauses hat, ist eingeladen, diese vorzustellen.

Hier gibt es den Flyer für die Vorschläge an Herrn Reiter.


In aller Kürze:

Was? Voll Gegen Leerstand

Wo? Ecke Schwanthaler-/Schießstättstraße

Wann? Samstag, 10. September, 11:00 – 17:00 Uhr

Wie viel? Kostenlos

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