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Grenzen überschreiten mit Cross da Borderz & Lady D

 

Über 200 Leute hatten sich im Backstage Club versammelt und waren gespannt – Drei Jungs aus München hatten zur Release-Party ihres ersten eigenen Albums geladen – eine Eigenproduktion, ohne großes Label. Das Trio nennt sich „Cross da Borderz“ (CdBz), mischt Hip Hop, RnB und Dancehall miteinander – und will damit sein Publikum verzaubern. Statt Zauberstab halten sie Mikrofone in den Händen, hauen keine platten Zaubersprüche raus, sondern rappen zu fetten Beats und sanften Melodien. Lassen 90 Minuten lang die Bühne mit samt dem Club beben.

„Let Me Live My Dream“

Einige Hörlustige im Club meinten nach dem Konzert, dass die Baukräne in der riesigen Baustelle direkt neben dem Backstage ins Wanken geraten wären. Doch die hageren Stalmonster blieben standhaft, was man von den Leuten im Club nicht behaupten konnte.

Dafür musste Cross da Borderz noch nicht einmal leibhaftig auf der Bühne stehen. Denn bevor Jahstar, Calanamata und Bwise loslegten, waren zunächst nur ihre Umrisse auf einer weißen Leinwand zu sehen – sie nutzten die Gelegenheit und zeigten als Intro ihr neues und erstes Video zu dem Song „Let Me Live My Dream“.

Dann verschwindet die Leinwand und die drei Jungs stehen im Rampenlicht – genauer gesagt sogar vier. Zu dem Trio gesellt sich Patrick Maresch – DJ, Gitarrist und Produzent von Cross da Borderz. Er streut Beats und Hooklines ein, spielt dazu mit seiner Gitarre, rockt und wirbelt im Hintergrund, während Jahstar, Calanamata und Bwise im Vordergrund dazu reimen – in deutscher Sprache, aber auch in „broken  English“.

Jahstar (Manlafi Badjie) und Bwise (Babou Bojang) kommen aus Gambia. Und auch Calanamata (Michael Piehler), der Münchner in dem multikulturellen Musikerbund, beherrscht diesen besonderen Slang, der besonders in Jamaika und afrikanischen Ländern gesprochen wird. „Wir sind Bafrikayer“, sagt Calanamata und erklärt: „also eine gute Mischung aus afrikanischen und bayerischen Vibes. Die bewegen und beleben uns, machen unsere Musik grenzenlos.“

Mit Krücken und Barhocker

So grenzenlos, dass sich Calanamata noch nicht einmal von einem Auto aufhalten lässt. Mit einer dieser Blechkisten hatte er vor dem Konzert einen äußerst unangenehmen Zusammenstoß, bei dem er sich seinen Fuß drei Mal brach, sich Rücken und Becken schwer prellte.

Doch mit Krücken und Barhocker auf der Bühne lässt er sich den Spaß nicht verderben, vergisst offensichtlich im Rausch der Musik seine Verletzungen und Schmerzen. „Ich wollte diesen Abend auf keinen Fall verpassen“, meint er, „unser Album umfasst unsere Arbeiten aus insgesamt acht Jahren. Da bin ich sehr froh und dankbar, heute dabei sein zu können.“

„Wir sind durch die Musik gewachsen“

Vor acht Jahren trafen die drei Jungs bei Refugio zusammen, lernten sich kennen und schätzen, wurden Freunde und lebten einen gemeinsamen Traum – und zwar Musik zu machen. „Refugio unterstützt seit mehr als zwanzig Jahren Menschen, die aufgrund von Folter, politischer Verfolgung oder kriegerischen Konflikten ihr Heimatland verlassen mussten und traumatisiert sind“, erklärt Bwise, der genauso wie Jahstar aus Gambia floh und in München landete.

Kurz darauf kam Calanamata dazu. „Durch die Musiktherapie in der Kunstwerkstatt von Refugio sind wir erst so richtig auf den Geschmack gekommen. Haben dort durch die Musik wieder Kraft, Freude und Gleichgewicht gefunden.“ Ihre Songs handeln von Integration, Freiheit, Flucht, Heimat, Toleranz und Träumen – ganz persönlichen Geschichten, verpackt in lebendige und mitreißende Worte, die ohne den typischen Mainstream-Brei auskommen.

Das drückt sich besonders in Liedern wie „Namanalen“, „No War“ oder „Life we Living“ aus, verleiht ihrem Sound eine besondere Energie, die sehr viel Freude und Mut ausstrahlt. „Wir sind durch die Musik gewachsen“, sagt Jahstar. „Doris Kohlenberger, unsere Lady D, hat uns da auch extrem viel geholfen und zugetraut. Es ist der Wahnsinn, dass wir jetzt hier unser eigenes Album in den Händen halten und auftreten dürfen.“

Als sich nach 90 Minuten und elf Songs der Vorhang neigt, bebt und tobt der Backstage Club noch einmal. „Zugabe“, skandieren die Leute, immer und immer wieder. Jahstar, Bwise und Calanamata freuen sich, strahlen übers gesamte Gesicht, lassen die Scheinwerfer an der Decke fast erblassen. „Danke! Danke!“, rufen sie ins Publikum. Die Drei und ihr DJ reimen, rocken und lachen nochmal.

Dann ist die Release-Party von Cross da Borderz vorbei, das Beben vorüber. Doch es soll nur ein Vorbeben gewesen sein…

 

Wer weitere Infos zum Album, zu Konzerten und Booking braucht, schreibt an: margit.papamokos@refugio-muenchen.de


Fotos: © Sebastian Schulke

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