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Chaosbude oder Oase der Erholung? Mit Feng-Shui ein WG-Zimmer umkrempeln

Chaos herrscht in München nicht nur auf dem Wohnungsmarkt, oft auch in den eigenen vier Wänden. Mit wenigen Handgriffen kann man aus einer Chaosbude eine „Oase der Erholung“ gestalten – die Feng-Shui-Meisterin Danijela Šaponjić hat für Mucbook ein WG-Zimmer umgekrempelt.

Die Stadt platzt aus allen Nähten!

Jedes Jahr kommen um die 20.000 Menschen neu dazu, strömen auf den völlig überforderten Wohnungsmarkt in München. Sie suchen, finden jedoch immer seltener bezahlbaren Wohnraum. Daran ändern auch die neuen Wohnparks und Wohntürme nichts, die überall entstehen. Ein bekanntes und altes Problem! München wächst, nur leider wachsen nicht genügend Wohnungen nach. Erst im Oktober wurde nochmal genau nachgezählt: 1.539.298 Menschen quetschen sich in den urbanen Lebensraum der Alpenmetropole. Und es werden immer mehr.

Doch wir wollen das Ganze mal aus einer etwas anderen Perspektive betrachten.

Uns geht es nicht um freien Wohnraum auf dem Münchner Wohnungsmarkt, sondern in den eigenen vier Wänden. Denn auch dort zeichnet sich oft ein chaotisches Bild ab, quetschen sich Möbel, Bücher, Lebensmittel, Menschen, Haustiere und digitaler Ramsch wie Computer, Laptops oder Flachbildschirme in die viel zu kleinen Zimmer. Sie lassen den überdachten Lebensraum der aufrechten Zweibeiner schrumpfen und verkümmern.

Abhilfe könnte noch der Keller schaffen? Der ist jedoch schon so voll, wie ein Besucher auf dem Oktoberfest, der es sich auf dem „Kotzhügel“ bequem gemacht hat und laut schnarcht.Wie kann man also für Ernüchterung beziehungsweise Entrümpelung in seiner Wohnung sorgen? Und nicht nur das: Wie kann man aus seinen eigenen vier Wänden eine Wohlfühloase machen, in der sich alles am rechten Ort befindet? Ist doch schön, wenn man nach Hause kommt und nicht das Gefühl bekommt: Ich muss aufräumen und irgendwie das Chaos um mich herum beseitigen.

Danijela Šaponjić

Danijela Šaponjić weiß Antworten auf die Fragen.

Sie ist Fēng-Shuǐ-Meisterin, kennt sich mit Wohn- und Lebensraum bestens aus. „Feng Shui bedeutet Wind und Wasser“, sagt sie, „und möchte den Menschen zurück zur Natur bringen, ihn mit der Natur verbinden.“ In den Bergen, in Wäldern oder an Seen fühle sich fast jeder Mensch wohl. Denn dort herrsche Ruhe, könne man Kraft und Energie tanken und gewinnen. „Genau das möchte Feng Shui in die Häuser, in die Wohnungen bringen – eine Oase der Erholung entstehen lassen.“

Die 5.000 Jahre alte, daoistische Harmonielehre aus China will sich nach der mystischen Vorstellung „die Geister der Luft und des Wassers geneigt machen“. Im Klartext: Dem oft gestressten, gehetzten und getriebenen Großstadtmenschen einen Raum geben, in dem er tief Durchatmen kann. Ein Raum, in dem nicht überall etwas herumsteht, sondern eine gewisse Ordnung und Struktur sichtbar wird. Das strahle laut Šaponjić ungemein viel Ruhe und Kraft aus. In einem WG-Zimmer (siehe Bild) im Münchner Westend treffen wir uns mit Danijela Šaponjić.

Die Feng-Shui-Meisterin braucht nur ein paar Augenblicke, dann legt sie los:
Ein volles Zimmer
Das WG-Zimmer vorher.

Kisten und Bilder:

Der Raum ist schön groß und hell, allerdings sehr unruhig. Die Blätter an der Wand, die Fähnchen, die Palme mit ihren spitzen Blättern oder links das offene und vollgestellte Regal – das sorgt nicht gerade für Ruhe und Entspannung. Mit kleinen Kisten aus Holz oder Pappe, die man in das Regal stellt, bringt man Ordnung in das Chaos, kann all die Gegenstände sauber verstauen und aufräumen. Dazu noch eine kleine Lampe auf das Regal stellen, damit dort am Abend kein dunkles Loch entsteht. Außerdem sollten die Fähnchen undie alten, vertrockneten Blätter raus. Diese haben kein Leben mehr, strahlen etwas Vergangenes aus, an dem man sich nicht festhalten sollte. Dafür könnte man zwischen den beiden Fenstern und rechts an der Wand jeweils zwei gerahmte Bilder hängen – mit schönen Landschaften oder wohltuenden Farben. Das strahlt Ruhe und Klarheit aus, belebt sogar die Kreativität.

Tisch und Palme

Ein Wohnzimmer

Statt einer Palme mit spitzen Blättern ist ein Gummibaum mit runden Blättern perfekt als Zimmerpflanze. Der Plattenspieler mit den Schalplatten darunter wirkt aufgeräumt und klar. Das ist gut. Nur der Stuhl vor dem kleinen Tisch sollte weg. Sonst sitzt man mit seinem Rücken zum Raum, und das erzeugt in einem selbst Unruhe.

Warum? Weil man nicht sieht, was hinter einem läuft und geschieht. Zwei Stühle, rechts und links vom Tisch reichen aus. Sofabett und Schreibtisch: Das ausklappbare Sofa rechts an der Wand steht gut. Zumal es ja auch als Bett fungiert – und als solches sollte es niemals direkt vor einem Fenster stehen. Besonders in einer Großstadt wie München weiß man nicht, was sich hinter so einem Fenster alles verbirgt. Was draußen in dem Asphaltdschungel gerade so läuft. Da kommen ganz schnell Urinstinkte im Menschen hoch, die ihm Gefahr suggerieren. Eine Gefahr im Rücken, die plötzlich von hinten durchs Fenster kommen könnte. Die Folge sind oft: schlaflose und unruhige Nächte. Das gilt auch für den Schreibtisch, der nicht an der Wand stehen sollte, da man so mit dem Rücken zum Raum sitzt und nicht sieht und weiß, was sich hinter einem abspielt.

Internet und Störquellen

Von vielen wird unterschätzt, wie stark das Internet mit all seinen WLAN- Verbindungen und digitalem Spielzeug wirkt. Ob nun Laptops, Computer, Tablets und vor allem Smartphones, aber auch schnurlose Telefone – all diese Geräte sollten nachts nicht neben einem stehen oder liegen und schon gar nicht aufgeladen werden. Denn es handelt sich dabei um Störquellen, die den Schlaf unglaublich stark beeinflussen. Am besten das WLAN in der Nacht ausschalten. Und wer sein Handy aufladen möchte, sollte das beispielsweise in der Küche tun. In einem Raum, in dem man nicht schläft.

Licht und Schatten

Zwei Fenster

>Helle Räume erzeugen eine positive Energie – am Tage durch das Sonnenlicht. Am Abend durch gut abgestimmte Lichtquellen. Diese sollten eine gewisse Wärme und Geborgenheit ausstrahlen. Grelle Neonröhren oder Energiesparlampen erzeugen Büroatmosphäre, sind gar nicht gut. Mehrere kleine Lampen sorgen für ein angenehmes Licht und sollten den Raum so ausleuchten, dass keine dunklen und damit unruhigen Löcher entstehen. Gut für die Stimmung und Raumatmosphäre sind auch Kerzen – nicht nur bei einem Candle-Light-Dinner. Das natürliche Licht verwandelt einen Raum ganz schnell in eine Wohlfühl-Oase.

Springbrunnen und Wasserfall

Viele werden jetzt wahrscheinlich genervt mit dem Kopf schütteln. Aber ein Springbrunnen fürs Zimmer ist nicht nur etwas für Omas und Opas. Er zieht den Staub aus der Luft und sorgt für ein gutes Raumklima. Er steht für Wasser und Wind, bringt positive Lebensenergie in den Raum – wie ein Wasserfall draußen in der Natur. Eines sollte man jedoch beachten: Einen Zimmer- Springbrunnen nicht im Süden aufstellen. Der Süden steht bei Feng Shui für Feuer. Und wie jeder weiß: Feuer und Wasser passen nicht so gut zusammen.

Wasser und Wind

Um sein Zimmer nach Feng Shui in eine „Oase der Erholung“ zu verwandeln, braucht es nicht viel. Man muss sich nicht neue Möbel oder irgendwelchen Schnickschnack kaufen, der den Raum verschönern könnte. Man kann aus allem etwas machen. Oft reicht es, einfach etwas aufzuräumen, Möbel umzustellen und ein paar Kleinigkeiten auszumisten. Dann entsteht Raum zum Gestalten. Raum, der Ruhe ausstrahlt und Kraft schenkt. Der einen näher zur Natur bringt.


Mucbook11

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Das Heft über „Wohnen trotz München“

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