Münchenschau, Stadt

„Scheiß-Aktion der Nazis gegen Münchner Initiativen

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Seit Beginn des NSU-Prozesses verüben Unbekannte Anschläge auf Neonazi-Gegner. Fenster werden eingeworfen und mit Fäkalien, Farben und Eiern beschmiert. Die Betroffenen fühlen sich von der Polizei im Stich gelassen und rufen Münchens Bürger zu Solidarität auf.



Sie hätte es fast ahnen können. Gestern Nacht fand der nächste Anschlag auf eine Münchner Initiative statt. Wie bereits die vorherigen Ziele des nächtlichen Nazi-Zorns war das Wohnprojekt „Ligsalz 8“ in einem rechtsradikalen Onlineportal als Versammlungsort von Nazigegnern genannt worden.

Mit Eiern und Farbe bewarfen die unbekannten Täter das Haus der politisch aktiven Wohngemeinschaft im Westend. Es ist das Viertel, in dem vor acht Jahren einer der NSU-Morde begangen wurde.

Artikel-Serie auf einer Internetseite kennzeichnet politische Gegner

Seit Beginn des NSU-Prozesses hat es eine Serie von Anschlägen auf Neo-Nazi-Gegner im Münchner Stadtgebiet gegeben. So wurde am Montag die Kanzlei Angelika Lex, einer Anwältin der Opfer, mit Fäkalien und Urin beschmiert. Ein Bewohner der des Projekts Ligsalz8 sagte gegenüber mucbook.de, alle bisherigen Anschlagsopfer  seien zuvor in dem Internetportal blu-news.eu genannt worden. Die dort veröffentlichte Artikelserie habe die Neo-Nazis vermutlich zu den Anschlagsopfern geführt, vermutet der Anwohner.

Generell seien momentan verstärkt Sympathisanten der rechten Szene in der Stadt zu beobachten, berichtet der besorgte Bewohner der WG weiter. Als Ursache vermutet er die Suche nach Öffentlichkeit: Die Nazis erhielten durch das internationale Medienaufgebot in München jetzt größere Aufmerksamkeit, so dass ganze Gruppen aus anderen Städten angereist seien, um die lokale Szene zu unterstützen.

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Gemeinsam gegen rechte Einschüchterung

Vernetzen wollen sich jetzt auch die Nazigegner. Als Reaktion auf die Angriffe will man sich zusammentun. „Der Rechtsradikalismus hat mit dieser Anschlagsserie eine neue Dimension eingenommen. Wir fühlen uns bedroht, aber wir werden uns von den Neo-Nazis nicht einschränken lassen, sondern weiter an die Öffentlichkeit gehen, denn das wäre ja genau, was sie wollen“, erzählt Peter Matthias Weinzierl, Geschäftsführer des Bayerischen Flüchtlingsrats, der mit seiner Organisation auch Anschlagsziel war.

Momentan bestünden noch keine konkreten Pläne für Aktionen. Doch die Bewohner der Ligsalzstraße könnten sich beispielsweise die Organisation eines Straßenfestes gegen Neonazis vorstellen. Man werde sich auf jeden Fall in den nächsten Wochen mit Münchner Vereinen zusammensetzen und Konzepte überlegen. “Wir werden uns sicher nicht in unserem Haus verkriechen und keine Plakate mehr aufhängen, damit uns die Neo-Nazis in Ruhe lassen!“, unterstreicht ein WG-Bewohner, der anonym bleiben will.

„Die Polizei lässt die Neo-Nazis gewähren“

Großen Unmut rief die Pressemitteilung der Polizei bei den Betroffenen hervor. „Zu behaupten, es wären alles Einzeltäter gewesen, ist ja wohl so was von gelogen!“, empört sich ein  Bewohner der Ligsalzstraße. Sein Mitbewohner fordert: „Der Polizeipressesprecher muss seine Aussagen zurücknehmen.“ Die Betroffenen sind sich einig: Demnach sind in der Stadt derzeit gut organisierte rechtsradikale Gruppen und Strukturen am Werk.

„Es gibt richtige Neo-Nazi WGs in München und die Polizei lässt sie einfach gewähren“, lautet ein Vorwurf in der Ligsalzstraße.  Nicht einmal die Spurensicherung sei gekommen, um den Tatort genauer zu untersuchen und möglicherweise Hinweise zu erlangen. Und auch bei den länger zurückliegenden Vorfällen am Gebäude des Flüchtlingsrats, sei die Polizei erst viel zu spät aktiv geworden, berichtet Weinzierl. Zu dem Zeitpunkt sei  die zerstörte Scheibe schon längst ersetzt  gewesen.

Die Nazi-Gegner wollen sich  nicht unterkriegen lassen. In den nächsten Wochen ist eine Pressekonferenz geplant, in der sie über ihr weiteres Vorgehen informieren möchten.

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