Kinogucken, Kurios

Achtung Schamhaare!

Peter Teschke
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Dass auf dem DOK.Festival nach einer Filmvorstellung nicht applaudiert wird, ist ungewöhnlich. Bei der Vorführung im Atelier der amerikanischen Burlesque-Doku „Exposed“ von Beth B., war das erstaunlicherweise der Fall.
Lag es daran, dass die Vorstellungen von Burlesque in Deutschland sich deutlich von dem unterscheiden, was diese Doku zeigte? Die Filmbeschreibung lies zwar darauf schließen, dass es hier nicht ganz so handzahm zugeht wie gewohnt, doch wie ungewöhnlich und streckenweise bizarr die New Yorker Neo-Burlesque-Tänzer ihr Handwerk präsentieren, überraschte dann doch. Ein Grund dem Film den Applaus zu verweigern, war es mit Sicherheit nicht. Mat Fraser, Dirty Martini oder Bunny Love wie sich die Tänzer mit ihren Künstlernamen nennen, bauen ihre Bühnenshows auf dem klassischen Burlesque auf, doch damit enden die Gemeinsamkeiten schon. Während der klassische Stil eben kunstvoll verpackten Striptease zeigt, der auch bei der älteren Generation für wohlige Schauer sorgen kann, legen die New Yorker Protagonisten in „Exposed“ ihren Focus eindeutig auf „Schockeffekte“ und Grenzüberschreitung.
Nicht der wohlgeformte Körper, nicht das erotische Ideal steht hier im Mittelpunkt, sondern das aussergewöhnliche. So hat Matt Fraser – als Thaliamid(Contergan)-Geschädigter mit missgebildeten Armen geboren – kein Problem damit, trotzdem auf der Bühne Blank zu ziehen. Und blank heisst bei den Darstellern der Lower East Side, ganz blank. Wenn es sein muss, auch mit erigiertem Penis oder Einblicken in Körperöffnungen. Den Schönheitsbegriff gestalten die Darsteller nach ihren eigenen Vorstellungen. Im Mittelpunkt ihrer Darbietungen stehen daher oft Provokation und Rücksichtslosigkeit gegenüber dem Publikum, aber auch sich selbst.
Da wird in einer Nummer schon mal langsam und genüsslich die amerikanische Flagge aus der Vagina gezogen, oder mit viel Theaterblut eine „Zuschauerin“ in einer Badwanne auf der Bühne von dem transsexuellen Darsteller „Rose Wood“ regelrecht geschlachtet.
Nein, es war nicht immer appetitlich was dort gezeigt wurde und für allzu zart besaitete Seelen ist „Exposed“ nicht zu empfehlen. Aber die körperliche Freiheit und das Selbstbewusstsein, das die Performer in den Clubs auf der Bühne mit Lust zelebrieren, ist unbedingt sehenswert und zeigt schmerzlich, wie eng unsere gewohnten und sicheren moralischen Grenzen sind, die unser Leben bestimmen.
Während einer ihrer Bühnenshows sagte Julie Atlas Muz, Bühnen- und Lebenspartnerin von Mat Frazer, sie würde etwas besitzen, wovor sich die meisten Menschen der westlichen Welt fürchten -Schambehaarung!
Exposed, USA, 77 Min. Kamera: Dan Karlock, Beth B. im Vertrieb von: WIDE HOUSE.
DOKFEST_EXPOSED_3

„Exposed“ DOK.fest München

Dass auf dem DOK.Festival nach einer Filmvorstellung nicht applaudiert wird, ist ungewöhnlich. Bei der Vorführung im Atelier der amerikanischen Burlesque-Doku „Exposed“ von Beth B., war das erstaunlicherweise der Fall.

Lag es daran, dass die Vorstellungen von Burlesque in Deutschland sich deutlich von dem unterscheiden, was diese Doku zeigte? Die Filmbeschreibung ließ zwar darauf schließen, dass es hier nicht ganz so brav und „verrucht“ zugeht wie gewohnt, doch wie ungewöhnlich und streckenweise bizarr die New Yorker Neo-Burlesque-Tänzer ihr Handwerk präsentieren, überraschte dann doch.

Ein Grund dem Film den Applaus zu verweigern, war es mit Sicherheit nicht. Mat Fraser, Dirty Martini oder Bunny Love wie sich die Tänzer mit ihren Künstlernamen nennen, bauen ihre Bühnenshows auf dem klassischen Burlesque auf, doch damit enden die Gemeinsamkeiten schon. Während der klassische Stil eben kunstvoll verpackten Striptease zeigt, der auch bei der älteren Generation für wohlige Schauer sorgen kann, legen die New Yorker Protagonisten in „Exposed“ ihren Focus eindeutig auf „Schockeffekte“ und Grenzüberschreitung.

Nicht der wohlgeformte Körper, nicht das erotische Ideal steht hier im Mittelpunkt, sondern das aussergewöhnliche. So hat Matt Fraser – als Thalidomid(Contergan)-Geschädigter mit missgebildeten Armen geboren – kein Problem damit, trotzdem auf der Bühne blank zu ziehen. Und blank heisst bei den Darstellern der Lower East Side, ganz blank. Wenn es sein muss, auch mit erigiertem Penis oder Einblicken in Körperöffnungen. Den Schönheitsbegriff gestalten die Darsteller nach ihren eigenen Vorstellungen. Im Mittelpunkt ihrer Darbietungen stehen daher oft Provokation und Rücksichtslosigkeit gegenüber dem Publikum, aber auch sich selbst.

Da wird in einer Nummer schon mal langsam und genüsslich die amerikanische Flagge aus der Vagina gezogen, oder mit viel Theaterblut eine „Zuschauerin“ in einer Badwanne auf der Bühne von dem transsexuellen Darsteller „Rose Wood“ regelrecht geschlachtet.

Nein, es war nicht immer appetitlich was dort gezeigt wurde und für allzu zart besaitete Seelen ist „Exposed“ nicht zu empfehlen. Aber die körperliche Freiheit und das Selbstbewusstsein, das die Performer in den Clubs auf der Bühne mit Lust und Gefallen zelebrieren, ist unbedingt sehenswert und zeigt schmerzlich auf, wie eng unsere gewohnten und sicheren moralischen Grenzen sind, die unser Leben bestimmen.

Während einer ihrer Bühnenshows sagte Julie Atlas Muz, Bühnen- und Lebenspartnerin von Mat Frazer, sie würde etwas besitzen, wovor sich die meisten Menschen der westlichen Welt fürchten – Schambehaarung!

Das Münchner Publikum damit in Angststarre zu versetzen, ist ihr zumindest an diesem Abend gelungen.

Foto mit freundlicher Genehmigung von  DOK.fest München

Exposed, USA, 77 Min. Kamera: Dan Karlock, Beth B. im Vertrieb von: WIDE HOUSE.
Peter Gardill-Vaassen

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