Was machen wir heute?

Aus alt mach neu – Samstag Rad im Impact HUB

Frühmorgens geht es bereits geschäftig zu in der Kaffeeküche des Impact HUBs, dem Kreativzentrum für nachhaltiges Wirtschaften und innovativen Arbeiten im Süden Münchens. Es wird Tee geholt, Kaffee aufgegossen und sich noch schnell das Frühstück zubereitet, bevor es für die Member in die angemieteten Räume geht und an ihre jeweilige Projektarbeit. Was sie alle eint:

Die Idee eines gemeinwohlorientierten Wirtschaftens. Keine unendliche Gewinnmaximierung unter stetigen Ressourcenverbrauch, keine 60 Stunden Wochen, ohne angemessene Work-Life-Balance und so weiter und so weiter.„Das sollte eigentlich längst normal sein“, meint Christopher Lewis. „Ist es leider in vielen Unternehmen immer noch nicht“, antworte ich ihm. Und so beginnt unser Gespräch über sein Startup Unternehmen Samstag Rad und den HUB.

Manufaktur Samstag Rad

Im März letzten Jahres hat Lewis noch geholfen, hier Wände einzuziehen und die einzelnen schachtelartigen Räume in der großen Halle zu gemütlichen Büros auf zu bauen. Richtige Handwerksarbeit – und das ist es auch, was der umtriebige Frankfurter in seiner Manufaktur im Impact Hub nach wie vor macht. Er bereitet in liebevoller Detailarbeit alte Fahrräder auf. Stückelt Elemente neu zusammen, legt verchromtes Metall, das matt geworden ist, wieder frei und schwärmt für gemuffte Rahmen. (Für die Nicht-Radlfreaks: Das sind oft besonders detailreich gefertigte Verbindungen an Rahmen und Gabeln, die industrielle Vorstufte vom geschweißten Rahmen heute.) Die Mission des kreativen Autodidakten: mehr Wertschätzung für das Fahrrad!

Was genau Lewis damit meint, wird klar, wenn man seine Manufaktur im HUB betritt. Dort hängen unzählige bunte Fahrradrahmen von Marken wie Peugeot, Victoria oder Dürkopp an der Wand. Das Rohmaterial findet der ehemalige Künstler und Medienmanager überall in Großstädten: vernachlässigt an Hauswänden gelehnt, in Straßengräben, in vergessenen Kellern alter Wohnhäuser und sogar auf dem Schrottplatz. „So eine handwerkliche Qualität sucht man heute oft vergeblich“, erzählt Lewis und meint damit den schnell gepressten Massenramsch, der gegen die geschmiedeten Fahrräder von 1940er bis in die -70er Jahren nicht ankommen kann. Da lohnt es sich auch immer wieder auf eBay nach diesen einen formschönen Pedalen von Lyotard zu suchen, die man so schwer bekommt. Alles kann individuell ausgewählt werden, von den Bremszügen bis hin zu den verchromten Radfelgen.

Schöne Idee, hört sich jedoch super exklusiv und teuer an? Qualitative Handarbeit hat ihren Preis, denn so kann es durchaus passieren, dass Lewis bis zu sieben verrostete Fahrräder verbaut um ein neues zu erschaffen. Samstag Rad richtet sich jedoch auch immer am Budget des neuen Besitzer oder der Besitzerin aus. „Mit den Stadträder will ich gegen die Wegwerfmentalität unserer Zeit ankämpfen“, sagt der Wahlmünchner und nennt das ganze schlicht Upcycling. Und offenbar kommt das gut an – nicht nur innerhalb der vier Wände des Impact HUBs, sondern auch im Rest von Deutschland. So gut, dass Christopher Lewis nach gut zwei Jahren eine Geschäftspartnerin oder –Partner sucht, um ihn bei Vertrieb und Marketing zu unterstützen, aber auch tatkräftig mitorganisieren kann, wenn es zum Beispiel um Workshops wie „Bau dir dein Traumrad“ geht.

Mehr Infos zu Samstag Rad und den Workshops von Christopher Lewis gibt es hier!

 

 

Ronja Lotz

Aus der Mucbook Chefetage gibt es Kunst und Kultur, aber verständlich!
Ronja Lotz
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