
Kultur, Nach(t)kritik
Aus Goldt
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Kaum ein Schriftsteller verdreht die Wirklichkeit auf so köstlich groteske Weise wie er: der große Max Goldt las gestern im Münchner Volkstheater.
Wenn sonore Sprechstimme, feinsinniger Humor und perfektionierte Artikulation aufeinander treffen stehen entweder Jochen Malmsheimer, oder Max Goldt auf der Bühne. Letzterer sticht aber durch einen weitaus eleganteren Kleidungsstil und eine größere Bewundererschar heraus – das Volkstheater ist bis zum Bersten gefüllt. Max Goldt, oder Matthias Ernst, wie sein richtiger Name lautet, bespaßt die Nation bereits seit 1984 mit seinem einzigartigen Humor. Stets der Herr im feinen Zwirn, immer mit messerscharfer Eloquenz. Und so beginnt er auch nach einigen kurzen Begrüßungsworten ohne Umschweife seine knapp zweistündige Lesung alter und neuer Texte mit dem Titel Schade um die schöne Verschwendung! Max Goldt ist der Querdenker unter den Künstlern. Seine Ausdrucksweise ist mit dem sprachlichen Wetzstein bis zur Perfektion geschliffen, er wirft mit Neologismen um sich und lenkt seine Geschichten in immer neue Bahnen. Nur ab und zu streift sein Blick das Publikum, dann widmet er sich wieder seinen bildhaften Schilderungen von Querulanten im Zug, hobbylosen Leserbriefschreibern und WGs aus Zauberern und Dirigenten.
Kurzweilig geht der Abend zu Ende – anschließend signiert Goldt im Foyer. Fans möchte er dennoch nicht haben. “Die Steigerung zu Fan ist Feind” sagt er in einem seiner Texte – obwohl man diesen Mann wirklich nur bewundern kann.
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