Felix Hafner
Aktuell, Kultur

Ein Treffen am Volkstheater mit Nachwuchs-Regiestar Felix Hafner

Sandra Langmann

Sandra Langmann

Auslandsösterreicherin mit einer Vorliebe für München, Schreiben, Kaffee und Me(he)r.
Sandra Langmann

Felix Hafner ist 26 Jahre alt und Regisseur – aber nicht nur ein x-beliebiger: vergangenes Jahr hat der gebürtige Steirer den Nestroy-Preis als bester Nachwuchsregisseur erhalten. Seitdem inszeniert er fleißig in Wien und mittlerweile auch am Münchner Volkstheater.

Höchste Zeit also, ihn mal vorzustellen.

Junger Steirer

Um es gleich vorweg zu nehmen: Felix Hafner kenne ich bereits aus der Schule. Wir waren im selben Schulgebäude in der Steiermark – ziemlich ländlich. Felix, ein schmaler, fast unscheinbarer Typ, der nicht wirklich auf Anhieb aufgefallen ist – aber etwas an sich hatte. Ein kreativer Kopf. Auf der Bühne im Theaterzentrum, da ist er aufgetaut. Da wurde er laut. Da stach er heraus.

Heute sitze ich Felix im Meschugge gegenüber, dem Restaurant am Volkstheater  in der Maxvorstadt. Er sieht so aus, wie man sich meiner Meinung nach einen Regisseur vorstellt: Dreitagebart, an dem er gerne herumzupft, wenn er nachdenkt – und immer diesen überlegenden Blick, der herumschweift. Als ob er überall nach etwas suchen würde, die Menschen genau beobachtet, ihre Bewegungen studiert.

Mit den Gedanken scheint er noch bei den Proben zu „Dämonen“ von Fjodor Dostojewski zu sein, das am 25. Oktober im Münchner Volkstheater Premiere feierte.

Felix bestellt sich ein Thai Chicken Curry und fängt an, von sich zu erzählen. Ganz entspannt und unaufgeregt überlegt er genau, bevor er antwortet. Über das Schultheater kam er damals zum Schauspiel, dann zum Theaterzentrum in Deutschlandsberg (Steiermark). Dort konnte er sich ausprobieren und bemerkte, dass Theaterregie auch was für ihn wäre: „Ich wollte auch mal Filme machen, aber das hab‘ ich fürs Theater dann liegen lassen.“

Lustig, denke ich, ganz Wienerisch klingt er mittlerweile. Den Slang hat er sich wohl angeeignet, als er in der österreichischen Hauptstadt am Max Reinhardt-Seminar Regie studiert hat. Noch heute ist er in Wien verwurzelt.

Faszination Theater

In der Kindheit fängt man damit an, doch viele Menschen hören irgendwann damit auf. „Das Spielen ist das Schöne am Theater. Das kann man hier weiter betreiben.“ Doch das ist noch nicht alles: Was Felix am Theater schon immer so fasziniert hat, ist die Qualität, die es auf die Bühne bringt. Nichts ist gefaked. „Es können immer Fehler passieren und man ist direkt dabei.“ Jede Vorstellung ist anders und hat ein anderes Publikum. „Ich glaube, in Zeiten, in denen wir permanent dabei sind, vorgefertigte Inhalte geliefert zu bekommen, ist das Theater immer noch so eine Möglichkeit, in der wir uns mit Neuem auseinandersetzen.“

Es ist also nichts fix und als Regisseur kann er Szenen immer wieder umgestalten – auch kurz vor der nächsten Aufführung, wenn er wollte. Eigentlich müsste man sich Stücke öfters als einmal anschauen – denke ich mir dabei.

Seine Aufgabe als Regisseur sieht Felix nicht darin, die Leute zu belehren. Beim Wort „Bildungsauftrag“ stellt es ihm fast die Haare auf, so schüttelt es ihn. Aber er möchte die Menschen schon auf das aktuelle Weltgeschehen aufmerksam machen. Im besten Fall könne man den Zuschauer darauf ansprechen, was gerade passiert. Wenn es wie jetzt schlimme Entwicklungen in Europa und auch in Österreich gibt.

„Ein bisserl Glück ghört auch dazu“

Seinen Durchbruch schaffte er mit dem „Menschenfeind“ von Molière. Ein Stück, das in eine andere Richtung geht und nicht politisch motiviert war. „Ich glaub‘, alle, die mal in Wien gelebt haben oder in der Kulturszene waren, wissen, dass die Heuchelei der Menschen und die Schwierigkeit, sich die Wahrheit zu sagen, dort besondere Mode hat.“ (Schön ausgedrückt, oder?)
Für dieses Stück bekam er 2017 den Nestroy-Preis als bester männlicher Nachwuchs-Regisseur verliehen – und das öffnete ihm viele Türen. Mit dem „Menschenfeind“ habe es einfach gepasst und a bisserl Glück gehört schließlich auch dazu.

Österreich vs. München

Das muss man sich, finde ich, schon einmal auf der Zunge zergehen lassen.

Der junge Felix Hafner inszeniert in Wien, München und nächstes Jahr auch in Innsbruck. Von den Theatern wird er angefragt: „Bewerben kann man sich dafür nicht.“

Immer unterwegs und in unterschiedlichen Städten zuhause. Da interessiert es mich schon, wie Felix die Häuser in München und Wien so wahrnimmt. In Österreich haben Schauspieler einen äußerst hohes Ansehen. Die Leute suchen die Stücke danach aus, in welchen ihr persönlicher Star mitspielt. Und Regisseure werden für bestimmte Stücke angefragt. Im Münchner Volkstheater ist das hingegen anders: Das Ensemble ist hier sehr jung und eigene Ideen einzubringen, ist etwas leichter.

Und natürlich hat er hier den „Ösi-Bonus“: „Man merkt schon, dass man als Österreicher in München gut ankommt. Aber das hat mit der Inszenierung nichts zu tun. Die hat ja keinen österreichischen Einfluss.“

Mit den Kritikern und Medien ist es aber in beiden Städten das Gleiche: „Die können den Untergang herbeischreiben.“ Wenn es in einem Theater eine neue Leitung gibt, ist es ganz klar, dass es am Anfang Einbußen gibt. Schauspieler gehen, neue kommen – es wird etwas Neues Ausprobiert. Doch die Medien haben nichts Besseres zu tun, als darüber zu schreiben, wie schlecht es läuft – klar bleibt da das Publikum fern.

Mit Kritik scheint Felix ganz gut umgehen zu können. Im Gegensatz zu anderen Regisseuren, die sich lieber ein Glaserl Wein genehmigen anstatt sich ihre eigene Premiere anzuschauen, sitzt Felix im Publikum und beobachtet die Zuschauer. Es sei schon wichtig zu sehen, wie sie reagieren. Und dabei lernt er auch etwas daraus. Felix sieht das ganz entspannt – anstatt sich ewig einen Kopf darum zu machen, wie sein Stück wohl ankommen mag, setzt er sich ein paar Tage später ins Flugzeug nach New York: „Ich mache acht Tage Urlaub.“

Keine Aufregung.

Ups, frag einen Schauspieler nie…

Bevor Felix sein Curry ganz aufgegessen hat und zurück zu den Proben muss, stelle ich ihm noch eine allerletzte Frage – die sich doch jeder stellen muss: Wie merkt sich ein Schauspieler bitte so viel Text? Ich kann Felix‘ Augen fast rollen hören. Jeder Schauspieler hasse nämlich diese Frage – oh, Sorry. Aber? „Ja, das ist einfach sein Job. Wie ein Arzt, der sich jede Krankheit und Symptome merkt, merkt sich der Schauspieler eben den Text. Das ist die Grundvoraussetzung. Und manche lernen eben leichter und manche schwerer. Wie in der Schule.“ Ok, hab’s kapiert.

Aus mir wird  keine Schauspielerin mehr. Muss es ja auch nicht. Dafür haben wir Felix Hafner und seine Inszenierungen.

Übrigens: Im November und Dezember kannst du dir „Die Dämonen“ und „Schöne neue Welt“ im Volkstheater München anschauen.

Dann geht’s weiter in Innsbruck mit den „Österreicherinnen“ und nach Wien. Schaut’s rein!


Beitragsbild: © Hannah Schwaiger

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