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3 große Bauprojekte in München, die du auf dem Schirm haben solltest

Sandra Langmann

Wo einst die Hälfte vom Hauptbahnhof stand, prangt jetzt ein großes Loch. Rund um die Paketposthalle ist es ganz schön ruhig geworden. Und was war noch gleich das „Elementum“? Wir waren beim Stadtspaziergang im Zuge der Jahresausstellung #mitmünchner – Jetzt ist Zukunft des Münchner Planungsreferats dabei und haben uns das mal genauer angeschaut.

Hauptbahnhof

Ein kurzer Blick zurück: Im zweiten Weltkrieg wurde der Hauptbahnhof zerbombt, wodurch die Empfangshalle abgerissen und mit begrenzten Mitteln neu aufgebaut wurde. Stetig wurden Modernisierungen durchgeführt. „Doch der Bahnbetrieb ist nicht mehr zeitgemäß“, sagt Cornelia Gottschalk, Stadtplanerin im Planungsreferat.

Empfangshalle von der Schützenstraße aus gesehen

Rund 1/2 Mio. Menschen sind täglich am Hauptbahnhof unterwegs – und anstatt weniger werden es ganz klar immer mehr Pendler*innen und Reisende. Die 2. Stammstrecke soll Abhilfe schaffen. Kernpunkt bzw. „Nukleus“ der neuen Stammstrecke ist ein sieben Kilometer langer Tunnel, der den Hauptbahnhof und den Ostbahnhof miteinander verbindet.

Dieser Nukleus befindet sich also am Hauptbahnhof. Genauer gesagt 40 Meter unter der Empfangshalle, die nun abgerissen wurde und an deren Stelle nur ein großes Loch prangt. Außerdem ist mit der U9 eine weitere U-Bahn Strecke geplant, deren Linienführung gerade noch geprüft wird. Man nutzt somit gleich diese Gelegenheit und gestaltet den gesamten Hauptbahnhof neu.

Die Gleishalle ist aber denkmalgeschützt und bleibt stehen. Am Bahnhofsplatz, wo sich die große Baustelle befindet, soll das Tor zur Stadt entstehen. Wenn man jetzt dort als Auswärtiger ankommt, wird man eher zwischen Autoverkehr und Tramschienen verirrt zurück gelassen. Das Ziel erklärte Ziel ist es, unkompliziert zum Stachus und gemütlich weiter zum Marienplatz zu gelangen. Ein drittes Gleis soll für die Taktverdichtung der Trambahnen sorgen und der Autoverkehr soll weg vom Vorplatz geleitet werden.

Schaut man sich die Simulationen der Architekten von Auer Weber an, soll sich auch im Inneren einiges tun. Es soll bessere Einkaufsmöglichkeiten, gutgeschnittene Ladenflächen, Event-Bereiche, aber auch Ruhezonen geben.

Das klingt nicht nur aufwendig, sondern ist es auch. Es dauert auch noch seine Zeit, bis da etwas voran geht. Abhängig ist das von Genehmigungen und Baufortschritten der zweiten Stammstrecke. Die Bauzeit liegt dann etwa bei fünf Jahren.

Den dazugehörigen Starnberger Flügelbahnhof am nördlichen Rand hat man gar nicht so wirklich auf dem Schirm. Außer, dass dort einige Züge verkehren, passiert dort nicht gerade viel. Doch auch der soll wieder an Bedeutung gewinnen. Geplant sind neben Serviceeinrichtungen auch Büro- und Gewerbeflächen, Räume für Gastronomiebetriebe und Parkflächen für Autos und Fahrräder. Auch das Kinder- und Jugendmuseum kann wieder dort Platz finden.
Wann der Bau beginnt, ist von Genehmigungen abhängig, geplant ist frühestens 2023.

Elementum

Quasi vis-à-vis ist ein weiteres Bauprojekt im Gange. Anfänglich bekannt unter dem Begriff „Correo-Quartier“, wird fleißig am „Elementum“ geplant. Ein sehr nachhaltiges Projekt, wie die Münchner Stadtplanung mit Stolz geschwellter Brust betont.

Von der Bayerstraße aus gesehen

Im südlichen Bahnhofsviertel zwischen Bayerstraße und Schwanthalerstraße steht der Postbank-Komplex mit großzügigem Innenhof, der 1992 errichtet wurde. Jetzt wird modernisiert, und zwar mit Bedacht darauf, Teile des Bestands so gut es geht zu erhalten und mit dem vorhandenen Rohmaterial etwas Neues zu schaffen.
85 Prozent der Substanz sollen stehen gelassen werden und es gilt „das zu verwenden, was zu verwenden ist“, sagt Cornelia Gottschalk.

Die Jury, bestehend aus Lokalpolitikern, hat das bekannte Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron mit dem Vorzeigeprojekt beauftragt. Mit den Designs der Allianz Arena und der Fünf Höfe hatten sie bereits gepunktet. Bis 2023 soll sich nun einiges verändern und die Nutzung dahingehend verändert werden, dass im Erdgeschoß künftig Handel und Gastronomie und in den Obergeschoßen Büros Einzug finden. Sieben Geschoße sollen es schlussendlich werden. Wie hoch es tatsächlich hinauf gehen wird, wird aber noch geprüft.

Die Tiefgarage bleibt an selber Stelle erhalten, so auch der Innenhof, der wie die Dächer nur ausreichend begrünt wird. Für die Öffentlichkeit wird er außerdem zugänglich gemacht. Das wiederum ist für Unternehmen neben dem Standort ein weiterer Ansporn, sich dort nieder zu lassen und das Viertel dadurch attraktiver zu gestalten.

Paketposthalle

Lange wurde überlegt und spekuliert, was man aus der denkmalgeschützten Betonträger-Halle im Münchner Westen an der Friedenheimer Brücke machen könnte. (Wir haben das für euch hier schon mal beschrieben). Eine Konzerthalle, Wohnungen oder Bürobauten?

Im Herbst letzten Jahres hat die Stadt einen gemeinsamen Nenner gefunden: Kultur- und Bildungsbauten als Konsens zwischen Stadt und Bürgern haben sich bewährt, was sich an den Beispielen wie der Alten Pinakothek oder dem Olympia-Gelände klar herauskristallisiert. Dahin geht es auch für das 87.000 m² große Areal rund um die Paketposthalle.

Wenn das Briefverteilzentrum bis 2023 vollkommen nach Germering verlagert sein wird, kann der Bau beginnen. Auch hier haben die Architekten von Herzog & de Meuron ihre Finger im Spiel, um ein urbanes Quartier zu schaffen.

Dort, wo sich jetzt noch das Briefzentrum befindet, wird die 30 Meter hohe Halle leer geräumt und als öffentliche Fläche frei zugänglich. Ein überdachtes Monument sozusagen, das zu alles Seiten geöffnet wird. Das bietet Raum für Konzerte, Sportveranstaltungen und eventuell auch für Wochenmärkte und Stadtviertel-Feste. Unterhalb dieser städtischen Ebene entstehen weitere Räume für die Kunst- und Kulturwirtschaft.

Mit 19.000 m² ist die Halle eine Herausforderung, die aber im klassischen Sinne als Hauptplatz fungieren wird. Drum herum entsteht eine Art Siedlung mit sechsgeschossigen Hofgebäuden – als Tor sind planmäßig zwei jeweils 155 Meter hohe Türme vorgesehen, die im Bebauungsplan aber noch festgesetzt werden müssen. Damit wird sich die Stadt vermutlich erst nach der Kommunalwahl nochmals genauer befassen, vermutet Ulrich Schaaf vom Planungsreferat. Höhe und Form werden von der Geometrie des geschwungenen Hallendachs übernommen. Platz für Wohnungen (30% davon städtisch geförderter Wohnungsbau) und Flächen für Gewerbe sollten also zu Genüge vorhanden sein.

Das gesamte Quartier soll vom Autoverkehr freigehalten werden. Der soll wenn überhaupt nur unterirdisch stattfinden. Getüftelt wird außerdem an einem attraktiven Carsharing-Angebot. Eine Unterführung zur S-Bahn-Haltestelle soll zusätzlich für eine bessere Verkehrsanbindung sorgen.

Fazit

Drei große Bauprojekte, die sich teilweise noch nach abstrakter Zukunftsmusik anhören. Es ist aber eindeutig zu erkennen, dass sich die Stadt einiges vorgenommen hat. Um nicht nur moderner zu werden, sondern auch Unternehmen und Kreativschaffenden einen Platz zu bieten. Vorsichtiger Optimismus kann also schon mal durchblitzen.


Beitragsbilder: © Auer Weber, Herzog & de Meuron

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