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Bierplautzenenthusiasmus-selbsthilfegruppenvorsitzender: Slam-Poet Quichotte im Vereinsheim

Johanna Rollenmiller

Ganz große Liebe für fabelhafte und oder außerordentliche Adjektive.
Johanna Rollenmiller

Wenn da oben auf der Bühne langsam die Lichter gedimmt werden, ein letztes Bier ausgeschenkt wird und das Murmeln im Saal verstummt, dann ist es wieder Zeit für große Wort-Manifeste. Am 10.1. wurden die besagten Wort-Manifeste von Quichotte geliefert, einem Kölner Comedian und Slam Poeten. Das Spektakel ereignet sich im Vereinsheim, mit im Gepäck ist die Soloshow Quichottes „Optimum für’s Volk“.

Wir haben uns das live angeschaut und hatten danach ein paar Fragen an Quichotte:

MUCBOOK: Was sagst du, kann man anhand der Besucher erkennen, in welcher Stadt man sich befindet?

Quichotte: Eigentlich merke ich kaum Unterschiede, ich scheine einen guten Querschnitt erwischt zu haben. Was schon auffällt, ist dass hier in München kaum jemand ausfallend geworden ist beim Freestyle-Rap. Normalerweise ist immer ein anzügliches Wort dabei, Penis etwa, oder anderes derartiges. Das krasseste heute war der „Schließmuskelkater“, da merkt man ein bisschen die Zurückhaltung.

Bei Quichottes Freestyle-Rap darf das Publikum sich Wörter ausdenken, auf Zettel schreiben und er verwurstelt diese dann zu einem Rap. Wahnsinnig eindrücklich, ihn dabei zu beobachten, wie er Wörter aneinanderreiht, reimt und schlussendlich doch immer im vorgegebenen Thema bleibt. Heute waren ganz besonders vorfreudige Zuschauer am Werk, sie haben daheim vorbereitete Wörter auf große Zettel gedruckt, etwa: „Bierplautzenenthusiasmusselbsthilfegruppenvorsitzender“, das Publikum explodiert förmlich während der Show.

Quichotte sagt es und nimmt einen tiefen Schluck aus seinem Bierglas – Löwenbräu. Was sonst noch toll in München sei? Na, vor allem das Bier. Augustiner, Löwenbräu, beides sehr schmackhaft.

Nächste Frage: Deine Texte spiegeln so viele Variationen wieder, decken so viele Genres ab. Songs, Rap oder Kurzgeschichten. Woher nimmst du deine Inspirationen?

Vieles fällt mir einfach so ein. Meine Figur „Kommissar Spürhoden“ etwa, das passiert einfach so, da habe ich selbst auch richtig viel Spaß daran, das auszuarbeiten. Anderes, wie beispielsweise mein Gedicht über den Zusammenhalt in Deutschland, da arbeite ich intensiv dran und brauche auch Zeit.

Ein, zwei Songs haben es mir heute Abend ganz besonders angetan. Einer handelt von der Klimaveränderung, der andere widmet sich der Perspektivlosigkeit von manchen Jugendlichen, mit denen du zusammengearbeitet hast. Wie viel Message möchtest du denn rüberbringen?

Klar versuche ich, in mancherlei Hinsicht eine Message an die Zuhörer zu übermitteln, wie in dem Song über den immer länger werdenden Sommer. Der Klamauk, die Comedy liegt mir aber auch sehr am Herzen, ich will das eigentlich miteinander ausbalancieren.

Während wir zusammensitzen, Bier trinken und Fragen klären, kommen zwei ältere Damen an den Tisch, klopfen Quichotte auf die Schulter, bedanken sich für „die fabelhafte Show„. Fachsimpeln dann noch etwas mit ihm über die Unterschiede zwischen Marburg und Kassel, erzählen, dass sie große Fans sind: „Ich habe meinem Bruder deine Show in Kassel geschenkt!Nachdem sie versicherten, dass sie sich auf jeden Fall auch bei seiner nächsten Show in München treffen werden, ziehen die beiden glücklichen Ladies ab.

Abschließende Frage: wann können wir dich das nächste Mal live in München sehen?

Mein nächster Solotermin ist am 12. Dezember 2019 im Vereinsheim. Dann meine neue Show: „Die unerträgliche Leichtigkeit des Neins.“ Das wird definitiv ein Highlight und ich freue mich immens darauf.


Beitragsbild: © Johanna Rollenmiller

Portrait: © Fabian Stürtz

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