Kultur, Was machen wir heute?

Bob Ross der Techno Musik

Veronika Draexler

Medien/Kunst, Herausgeberin Selbstdarstellungssucht.de

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Der DJ Alle Farben heißt eigentlich Frans Zimmer. In Berlin steht er zur Zeit dort, wo man stehen muss, wenn man es als DJ richtig gemacht hat: Zum Beispiel hinter den Plattentellern des Ritter Butzke. Am Freitag kommt er mit seinem unkonventionellen Mix in die Kongress Bar im Westend. Veronika Dräxler hat sich mit Frans Zimmer über den Erfolg seiner kunterbunten Mischkultur unterhalten.

Alle Farben – 32 (Deep Sea Blue) by Alle Farben

Es ist ein kühler, ruhiger Morgen, kurz vor Sonnenaufgang. Vielleicht auf einem Pariser Markt. Langsam legt sich ein sanfter Beat über ein französisches Chanson. Das neueste Alle Farben Set „Deep Sea Blue“ fängt an sich luftig und leicht zu drehen, wie ein rustikales Kinderkarussell mit buntbemalten, handgeschnitzten Holzpferdchen, dass eben die Fahrt aufnimmt. Grazile Glöckchen lösen das französische Stimmgewirr auf und bereiten vor für pulsierenden, melodischen Deep Techno.

Hinter dem Pseudonym Alle Farben steht der gefeierte Berliner DJ Frans Zimmer (26) der die besten Adressen Berlins wie das Weekend, das Ritter Butzke oder der ehemaligen Bar25 zu seinen Referenzen zählt. In die Clubs hat Frans über Umwege gefunden: „Meine wichtigste Plattform war und ist Soundcloud. Ich habe im Internet sehr viel Präsens gezeigt und mir eine große Fan-Base aufbauen können. In Clubs habe ich anfangs kaum gespielt.“ Die Alle Farben Sets werden auf Soundcloud sehnlichst erwartet, in wenigen Tagen wird ein neues Set über 10.000 Mal angehört. Seine 32. Folge zählt nach 28 Tagen fast 20.000 Hörer.

„In der Techno-Szene war ich anfangs überhaupt nicht anerkannt. Ich glaube, weil ich zum einen zu Poppig bin und zum anderen einfach Musik mache die man schwer einordnen kann.“, erzählt Frans. Frans hat sich in sechs Jahren eine immense Sammlung und ein beeindruckendes Wissen an Tanzmusik angeeignet. Er mischt was er für tanzbar erachtet. Von Tschaikowski über einen The XX Remix zu Maxence Cyrin.

Bei Alle Farben kann man einzelne Lieder tatsächlich wie Farben auf einer Palette verstehen, die in Überlagerungen und in der Gesamtkomposition eine ganz neue Wirkung entfalten. Der Berliner Blog Musikkompott bezeichnet Alle Farben daher passend als Bob Ross des Technos. Der gekonnte Umgang mit Farben ist Frans wohl in die Wiege gelegt – er wurde nach einem holländischen Maler benannt. Bevor er sich dem Auflegen verschrieben hatte, wollte Frans Kunst studieren, wurde aber abgelehnt. Seine Kreativität hat er dann eben in Richtung Musik kanalisiert. „Mir war recht früh klar, dass meine Sachen anders sind, als dass was ich bis dahin unter dem Label Techno gehört hatte. Aber es hat wirklich sehr lange gedauert bis mich vor allem Booker anerkannt haben, ich mache ja keine Standart-Clubmusik.“, erinnert sich Frans.

Seit sieben Jahren legt er inzwischen auf. Auf den Techno Geschmack ist er nicht über Clubs und Feiern gekommen: „Ich habe da mit 19 Mal eine Trance-Platte im Hausflur gefunden, mir von meinen Eltern einen Plattenspieler schenken lassen und dann immer wieder in Läden Sachen angehört und gekauft. Im Endeffekt habe ich mich über Hiphop und House zu Techno rangetastet. Das erste Mal habe ich in einem Café aufgelegt.“ Während der Anfangszeit hat Frans viel gejobbt, sich unter anderem als Konditor ausprobiert: „Ich habe in einem Café im Service gearbeitet, ich stand in der Küche als der Konditor gefeuert wurde. Da hat dann der Küchenchef zu mir gesagt, ich solle doch einen Kuchen machen. Das habe ich wohl ziemlich gut gemacht, denn ich habe dann drei Cafés mit meinen Kreationen regelmäßig beliefert, neben dem Auflegen. Ich habe echt egal in welchem Zustand gebacken.“

Mit dem Backen hat Frans aber dann aufgehört und stattdessen bis zu vier Mal die Woche Berlins Clubs aufgemischt. „Auch wenn ich privat nicht unbedingt so oft feiern gehen muss, ist Feiern ja schon mein Leben, also auf einer gewissen Art und Weise.“, bemerkt er. Frans lebt von seiner Leidenschaft zur Tanzmusik. Er managet sich selbst, hat viele Vorlesungen über Marketing besucht: „Was Selbstvermarktung angeht habe ich inzwischen bestimmt mehr Ahnung als Agentur-Leute. Ich könnte das auch für andere machen, aber das geht zeitmässig nicht.“ Inzwischen hat er sich aber ein wenig zu Gunsten der Exklusivität und Eigenproduktion zurückgenommen. „Gerade investiere ich viel Zeit in Electro-Swing und mache selber Sachen. Ich arbeite da gerade mit einer Opernsängerin zusammen. Außerdem bin ich hin und weg von Hildegard Knef“, gibt Frans Einblick.

Am Freitag den 26.08 ist Alle Farben beim Swing Autonomica in der Münchner Kongress Bar zu Gast. „Mein Set wird sehr melodisch, schnell und vorallem tanzbar sein“, verspricht Frans. Zwei Gästelisteplätze gibt es übrigens bei der Selbstdarstellungssucht.de zu gewinnen.

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