Aktuell, Kultur, Kunst

Corona, Klima, Konsum: Die neue Ausstellung „Free Radicals #2“ widmet sich aktuellen Themen

Leila Herrmann

Bilder von Rettungswesten oder handgemalten Plakaten von Klimaprotesten wurden in den letzten Monaten immer mehr durch Bilder von Schutzmasken im öffentlichen Raum und in den Medien ersetzt.
Klappe, die Zweite: Die aktuelle Ausstellung „Free Radicals #2“ (Der Nachfolger von „Free Radicals #1“), die für einen Monat lang zwischen 17. September und dem 17. Oktober 2020 im temporary Art(space) am Marienplatz zu sehen ist, beschäftigt sich daher mit den zu kurz gekommenen Themen der letzten Monate. Dort sind bis dato unveröffentlichte Original-Kunstwerke von ESCIF, Eugenio Merino, Mark Jenkins, NoName und Shepard Fairey zu finden, die sich in der von ihnen gewohnt radikalen und reflektierten Manier den aktuellen Herausforderungen unserer Gesellschaft stellen und in ihren Kunstwerken zum Ausdruck bringen.

Positive Propaganda bringt Street Art nach München

Positive Propaganda ist ein gemeinnütziger Kunstverein mit Sitz in München. Dieser will zur Vermittlung von gesellschaftsrelevanten Themen im öffentlichen Raum beitragen, zum öffentlichen Diskurs animieren und Menschen aller Altersgruppen und jeglicher sozialer Herkunft für Kunst und Kultur sensibilisieren. Sebastian Pohl, der künstlerische Leiter von Positive Propaganda, realisiert dafür unter anderem in Zusammenarbeit mit renommierten Künstler*innen großformatige Murals sowie Installationen im urbanen Raum, hält Vorträge und veröffentlicht Publikationen dokumentarischer Art.

Jenkins, NoName und ESCIF – Drei nennenswerte Künstler

In der aktuellen Ausstellung „Free Radicals #2“ finden sich zwei Skulpturen des US-amerikanischen Street-Art-Künstler Mark Jenkins. 2006 begann Jenkins die Skulpturen so einzukleiden, dass aus ihnen lebensechte realistische Körper wurden (Embed Series), und sie in der Öffentlichkeit auf irritierende Art und Weise zu platzieren. Eine der Skulpturen in der Ausstellung kehrt mit einem Besen Demonstrationsplakate von Fridays for Future auf, die auf globale Erwärmung aufmerksam machen. Damit kritisiert er, dass die Berichterstattung in den Medien über Corona allübergreifend war und andere politische Themen wie die Klimakrise komplett überschattet wurden.

NoName will, wie sein Pseudonym schon sagt, den Fokus auf seine Kunstwerke, anstatt seinen Namen richten. Er widmet seine Werke jenen Menschen, die zunehmend verdrängt und gesellschaftlich ausgegrenzt werden. Auf dem Bild „Welcome to Paradise“, das zwei lächelnde wohlhabende Menschen zeigt und auf den ersten Blick nach Freude und Reichtum aussieht, steht unten kleingedruckt „*entrance limited due to high demand“ und im Hintergrund sind Rettungswesten zu sehen. Die Hauptaussage: Wohlstand funktioniert nur, wenn andere ausgebeutet werden. Auf einem anderen Werk stehen die Worte „Social Distancing“ und lehnt mit den beiden sich fast berührenden Händen an Michelangelo’s Fresko „Die Erschaffung Adams“ an. Die unterschiedliche Kleidung repräsentiert Arm und Reich und macht aufmerksam darauf, dass die Schere immer größer wird. Weshalb reden wir von Social Distancing, wo die Distanz doch eigentlich nicht auf sozialer und politischer, sondern auf physischer Ebene entstehen sollte?

Der spanische Kunstaktivist ESCIF stellt gerade im temporary Art(space) eine Vase mit Blumen aus, die den Titel „Durch die Blume gesagt“, trägt. Das gleiche Motiv hat er als Wandgemälde im Bahnhofsviertel an einer Fassade platziert. Was der Spanier in seinen Murals festhält, ist immer auch Reflexion über den jeweiligen Ort. Bei einer Stadtführung durch München seien ESCIF zunächst vor allem die vielen Blumen aufgefallen, die das Stadtbild zieren. Im Laufe seines Besuchs erfuhr der Künstler dann, dass gleichzeitig zwei führende deutsche Rüstungshersteller ihren Hauptsitz in München haben – hier, in der scheinbaren Idylle, wo gleichzeitig Millionen an Geflüchteten angekommen sind, werden Waffen produziert, die dann genau in deren Heimat zum Einsatz kommen. Beide Beobachtungen hat er in sein Kunstwerk einfließen lassen: Schöne Lilien sowie Maschinengewehre und Panzer, die die Vase schmücken – als handele es sich nur um ein harmloses dekoratives Muster auf Porzellan.

Die Ausstellung „Free Radicals #2“ versucht kritische Kunst in den öffentlichen Raum zu bringen und schafft einen Ort für Inspiration, Interpretation und Diskussion. Die Kunstwerke liefern die Grundlage, sich mit inhaltlich relevanten politikkritischen Themen auseinanderzusetzen – etwas, das wir alle häufiger tun sollten.

In aller Kürze:
Was? Gesellschaftskritische Kunstausstellung
Wann? 17. September – 17. Oktober 2020, Mo-Sa 14-20 Uhr
Wo? temporary Art(Space), Marienplatz 8/Dienerstraße
Der Eintritt ist frei 


Beitragsbild und Fotos: Leila Herrmann

1Comment
  • Temporary Art
    Posted at 21:01h, 28 September

    Öffnungszeiten!
    Montag – Samstag | 14:00 – 20:00

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