Coffee Brewery ©Rosalie Röhr
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Das große Comeback des Filterkaffees

Rosalie Röhr

Besonders leidenschaftlich, wenn es um Genderequality, Hiphop-Kultur oder Ramen-Nudeln geht.
Rosalie Röhr

Die Hochzeiten von Vanilla Latte oder Karamell Macchiato sind vorbei. Mit dem Minimalismus-Trend kam auch die Rückkehr des einfachen, ehrlichen Filterkaffees, der sich inzwischen zum Hip-Getränk gemausert hat. In München gibt es jetzt sogar die erste Brew-Bar, die Filterkaffe in Perfektion anbietet.

Vor einigen Jahren galt es noch als weltgewandte und kosmopolitische Geste sich lässig eine Latte To Go zu ordern. Wer etwas auf sich gehalten hat, probierte sich einmal durch die Karte der amerikanischen Kaffe-Kette mit der grünen Lady auf den Bechern. Der einfache Filterkaffee schien damals im Vergleich zu den kreativen Kaffeekreationen profan und provinziell. Doch dann veränderte sich etwas. Einweg-Becher gerieten in Verruf (zu viel Plastik) und das Image von Milchprodukten wurde schlechter (zu viel Tierleid und zu fetthaltig). Der Minimalismus entwickelte sich besonders bei den Millenials zum neuen Trend, auch als Gegenbewegung zu der Wirtschaftswunder-Konsumkultur der Babyboomer-Elterngeneration. Und plötzlich war einfacher Kaffee, am besten durch den Handfilter, wieder total kompatibel mit den Wertvorstellungen junger hipper Generationen in den Großstädten. Das Comeback des Filterkaffees war eingeläutet.

Münchens erste Brew-Bar

In München gibt es jetzt sogar die erste Brew-Bar, und zwar in der Bar Garçon, nahe des Gärtnerplatzes. Dieses Etablissement gibt es als reguläre Bar schon seit 2016.

Abends werden hier immer noch Drinks serviert, aber seit neustem auch ab 10 Uhr morgens Filterkaffee-Spezialitäten – ganz kompromisslos ausschließlich das. Das bedeutet kein Espresso, kein Cappuccino, kein Latte Macchiato, sondern nur „Handbrew Filter Coffee“. Der ähnelt von der Farbe zwar eher einem starkem Rooibos-Tee, schmeckt aber wie milder, aromatischer und nuancenreicher Kaffee.

Mario Messig, Inhaber der Bar Garçon, ist ein absoluter Überzeugungstäter. Im Garçon wirkt nichts beliebig oder austauschbar. Die Keramiktassen und das kleine Holztablett, auf dem der Kaffee serviert wird, sind handgemacht, die Kaffee-Mengen werden nach Rezept exakt abgewogen. Als ich nach dem Koffeingehalt dieses Kaffees frage, erfahre ich, dass er gleich stark wie bei gewöhnlichem Kaffee ist. Aber darüber redet man bei hochqualitativen Kaffee nicht, wird mir erklärt. Das sei wie beim Wein, da geht es auch ab einer gewissen Preisklasse nicht um den Alkoholgehalt.

Beim Haus-Kaffee kann man sich zwischen zwei Bohnensorten entscheiden, die beide sehr hell geröstet wurden. Eine Tasse kostet 4,50 Euro. Mario Messig glaubt an die Entschleunigung des Konsums, bei ihm soll ganz bewusst genossen werden. Für besondere Kaffee-Conaisseure gibt es deshalb das Archiv. Ausgewählte Bohnen bewahrt er eingefroren in kleinen Mengen auf. Da kostet das Kilo auch schon mal bis zu 300 Euro. Wer einen Kaffee aus dem Archiv testen will, zahlt ab acht Euro pro Tasse. Neben dem warmen Kaffee wird auch sogennter „Cold Brew“ serviert.

Dieser Kaffe schmeckt noch leichter und fruchtig-frisch. Der Kaffee wird frisch aufgebrüht und läuft dann direkt über Eiswürfel. Diese Cold Brew Methode kommt ursprünglich aus Japan. Dort ist sie seit Jahrhunderten eine traditionelle Zubereitungsmethode. 

Coffee Lemonade: das neue Mate?

Im Sommer genauso erfrischend wie der Cold Brew Coffee ist die Coffee Lemonade mit Ingwer. Ich kann mir zuerst überhaupt nichts darunter vorstellen, doch dieses Getränk schmeckt köstlich, wenn man Ingwer mag.

Experimentierfreudige Kaffee-Nerds werden ihre Freude in der Bar Garçon haben. „Durch das spezielle Angebot richten wir uns nicht an das Massenpublikum, sondern an diejenigen, die etwas besonderes suchen“, sagt der Inhaber Mario Messig. Und so wurde aus der einfachen, bitteren Filterkaffee-Brühe irgendwie eine kultige Kaffeespezialität.


In aller Kürze:
Bar Garçon:
Utzschneiderstraße 4, München

Fotos: Malina Wiethaus


Wir wurden in der Bar Garçon eingeladen, das beeinflusst jedoch in keiner Weise die Meinung unserer Autorin, die in diesem Bericht wiedergegeben wird.

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