MUCBOOK:Foto: Marvin Endres/folks! club ©Rosalie Röhr
Aktuell, Kultur, Live

Verschwinden bald die Clubs in München? Der folks! Club steht schon kurz vor dem Aus.

Rosalie Röhr

Marvin Endres ist Mitbetreiber des folks! Clubs nahe der Müllerstraße. Er denkt darüber nach Insolvenz anzumelden. Für viele Clubs bedeutet die Corona-Pandemie immer noch absolute Per­s­pek­tiv­lo­sig­keit.

Blaue Samtsofas, preiswerte Drinks und musikalisch bunt gemischte Live-Konzerte haben den folks! Club am Sendlinger Tor ausgemacht. 2018 haben sie eröffnet, seit März herrscht hier Stille, Leere und Frust, wie in allen Clubs der Stadt. Dort wo München bis früh morgens getanzt und getrunken hat, passiert immer noch so gut wie nichts. Das wird voraussichtlich auch noch lange so bleiben.

Der folks! Club Betreiber Marvin Endres überlegt sich, ob es das jetzt war.

Auf einen Schlag sind alle Einnahmen weggefallen, trotzdem stehen monatliche Kosten über mehrere tausend Euro an, wie Miete und Versicherung. „Wir müssen gerade nur 50% der Miete bezahlen, aber trotzdem ist ab Juli Sense, dann haben wir unsere Reserven aufgebraucht“, erklärt Marvin Endres.

„Der Berg wird langsam einfach so hoch, dass du dich fragst, ob es überhaupt noch Sinn macht, nochmal aufzumachen oder ob man nicht einfach sagt: Schlussstrich.“

Ein Stück weit scheint er sich mit der Situation schon arrangiert zu haben. Schließlich ginge es ja allen in der Szene so.

„Es war schon scheiße, es fing gerade an immer besser zu laufen, es kam geradeso richtig Leben rein. Die ganze Arbeit und die Kraft die wir reingesteckt haben wurde zum ersten Mal belohnt und wir haben gemerkt, dass uns Leute richtig gut finden. Da war das natürlich ein Schlag ins Gesicht“, erzählt er traurig und resigniert.

Kann das bayerische Kulturförderprogramm den Club retten?

Ein kleiner Lichtblick könnte ein Förderprogramm über 50.000 Euro sein. Aber auch das hilft nur bedingt, da der Club wieder öffnen müsste, um das Geld zu bekommen. Wegen den aktuellen Hygienemaßnahmen wären kleine Live-Konzerte mit 30-40 Leuten möglich. Die müssten aber nach Konzertende direkt wieder gehen. „Allein das Aufsperren kostet uns 500 bis 600 Euro pro Abend. Das lohnt sich einfach nicht und das Fördergeld würde wahrscheinlich einfach nur nach und nach versickern.“

Ein geplantes Open-Air Programm ist durch die Anwohner*innen gescheitert

Eigentlich hatte der folks! Club gemeinsam mit dem Strom geplant sich an der Aktion „Sommer in der Stadt“ beteiligen, um wenigsten ein bisschen was machen zu können über den Sommer.

„Die Stadt München hat eigentlich viel gemacht, meiner Meinung nach. Es gibt so viele Projekte, da war ich wieder beeindruckt wie gut München funktioniert.“

„Wir hätten auch gerne was am Stephansplatz gemacht, dort wo Pink Christmas normalerweise stattfindet, nur eben mit Biergarten und Kulturprogramm. Es gab auch schon eine Brauerei als Förderer und der Bezirksauschuss war am Anfang aufgeschlossen.“
Dann haben Anwohner*innen Unterschriften gesammelt, um das Event zu verhindern. „Eigentlich war alles schon ziemlich sicher und dann kam diese Unterschriftenaktion“ , schildert Endres frustriert.

„Das waren Leute, die überhaupt nicht verstanden haben, warum man das braucht, was ich echt krass finde. „

Das habe ihn viel Kraft gekostet in den letzten Wochen. Für ihn soll das der letzte Rückschlag sein. Er wird noch bei ein, zwei Abenden im Olympiastadion involviert sein, aber mit weiteren Open-Air Projekten wars das jetzt erstmal für ihn.

Marvin Endres ist auch in Kontakt mit anderen Club-Betreiber*innen. „Viele Clubs werden sich wahrscheinlich nicht bis kommendes Jahr halten können“, meint er. „Es könnte sein, dass, wenn es wieder losgeht, wir hauptsächlich große Mainstream-Großraumdiskotheken haben, die von Unternehmen oder Millionären gegründet wurden. Ich glaub, die Club-Kultur wird dann sehr monoton.“

In den nächsten Wochen wird Marvin entscheiden, ob er für das Überleben des folks! Club weiterkämpft und mit dem Fördergeld ein Live-Programm wagt. Wenn nicht, dann wird er es den folks! Club bald nicht mehr geben.

Foto: © Rosalie Röhr

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