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Einlass mit Tracht? Diese Tür-Policy haben Münchner Clubs und Bars

Rein oder nicht rein? Das ist zur Wiesnzeit auch vor Discos die Frage. Mancher Club ist nicht gut auf Gäste in Lederhosen zu sprechen. Andere werben offensiv mit Afterwiesn-Parties und aufgemotzter Trachtenästhetik auf ihren Webseiten. Wo kommt man in Bierzelt-Kluft easy rein? Wo ist man vor Lederhosen und Dirndln garantiert sicher? Wir haben nachgefragt bei Münchner Clubs und Bars.

Wiesn? Nein Danke! Hier erscheinst du besser ohne Trachten

Einige Antworten sind wenig überraschend. Das Café Kosmos zum Beispiel gilt seit Jahren als erklärte Wiesn-freie Zone zur Oktoberfestzeit. So bleibt das auch dieses Jahr. Kein Gejodel im Kultladen am Hauptbahnhof, sondern gewohntes Programm. „Trachtfrei für immer“ lautet das Motto. Auch die Szenebar Cucurucu in unmittelbarer Nähe setzt auf den Einlassstopp für Wiesngäste in voller Montur. Ebenso handhabt das die studentische Bar Komitee in der Maxvorstadt.

Unter den Nachtclubs gibt es eine ganze Reihe von Clubs mit No-Trachten-Policy. Im Bahnwärter Thiel etwa hat man schlechte Karten. Auch Strom Club, Charlie, Harry Klein und Goldener Reiter kündigen an, Gäste in Trachtn abzuweisen.

Vor allem im Harry Klein hat man sich intensiv und differenziert mit dem Thema auseinandergesetzt. Im alten Harry Klein am Ostbahnhof war das Trachttragen etwa immer ausgeschlossen, erfahren wir. Seit dem Umzug an die Sonnenstraße vor zwölf Jahren aber hatte man sich angefreundet mit der traditionellen bayerischen Kleidung. Nicht zuletzt, weil es immer mehr en vogue wurde und auch Mitarbeitende teils in Tracht arbeiten wollten. Nach intensiven Gesprächen mit den eigenen Türsteher*innen kam das Team aber zum Schluss, „dass Menschen in Tracht zu 90% abgewiesen wurden und dass es während der Oktoberfestzeit leider überwiegend mit Trachtenträger*innen zu Problemen im Club kam.“ So gilt dieses Jahr die Devise „Bitte lass’ die Tracht zuhaus’, die sieht im Club nicht sexy aus.”

Noch einen Schritt weiter gehen die Goldene Bar und das Kilombo, die den Betrieb während der Wiesnzeit sogar ganz einstellen. Vor dem Unter Deck will man sich zwar etwaige Ausnahmen vorbehalten, aber in der Regel ist mit Tracht auch hier vor der Tür Schluss. Entschieden gegen die Wiesn ist die Gruam. „Keine Trachten und stark alkoholisierte Gäste“, lautet die Devise, die über Facebook verkündet wird.

Wer gar keinen Bock auf das Oktoberfestspektakel hat, ist in den genannten Lokalen also gut aufgehoben. Wer trotz Wiesnbesuch unbedingt in einen der Clubs möchte, sollte sich besser nochmal umziehen und kurz überlegen, ob er*sie noch in adäquater Verfassung ist.

Richtig wenig Lust auf das Oktoberfest hat auch das Kollektiv Isarbass und veranstaltet am 17.09. einen Rave against Wiesn.

Gemischte Gefühle: hier hast du nur Chancen, wenn du dich anständig benimmst

Im Pimpernel entscheidet man nach Zustand und Gesamtauftreten. So sei Tracht okay, wenn sie einem gewissen Niveau entspricht. Wer dagegen aussieht wie ein „wie ein Hobbit oder Gartenzwerg in einem Plastikanzug aus dem Kostümverleih“, der bleibt draußen, heißt es.

Im Nachtclub Palais gibt es ebenso keine ganz strenge Policy, aber aggressives oder volltrunkenes Auftreten sind klare rote Karten. Vom Blitz Club heißt es „Come as you are“ – es gilt also kein Generalverbot.

Tendenziell wenig Lust auf die Wiesn hat man im Corleone. Zwar will man Stammgäste nicht per se vor der Tür stehen lassen, aber Gruppen in Trachtn sind No-Gos und es ist generell ratsam ohne zu erscheinen.

Oana geht no: Hier kann die Party weiter gehen

Nicht alle Clubs sind kritisch oder unentschlossen gegenüber Trachtenmoden. Manche werben richtig mit Oktoberfest-Flair und After-Wiesn. Von Münchens berüchtigter Edeldisco, dem P1, etwa heißt es: „Der perfekte Wiesn Tag beginnt auf der Theresienwiese und endet am Morgen im P1!“. Man kann sich jetzt schon Tickets reservieren. Fast so wie fürs Wiesnzelt. Auch Milchbar, Hemmungslos, 089 Bar, Call Me Drella und Pacha fahren zum Oktoberfest ein dezidiertes Wiesnprogramm mit Bajuwaro-Flair.

Die kunterbunte HAPPY Bar wirbt mit Afterwiesn Programm. Vielleicht ist das eine gute Gelegenheit den beeindruckend knallig eingerichteten Laden einmal kennen zu lernen. Er hat dort eröffnet, wo früher das 8 Below war – zwischen Hauptbahnhof und Stachus – und ist somit sehr praktisch gelegen für einen kleinen Abstecher.

Das Substanz dagegen ist als alternative Bar mit Indiesounds geschätzt und schlägt eine Schneise für alle Leute, denen nach Volksmusik und Wiesnhits wieder ein wenig nach anderen Klängen ist. An 16 Tagen gibt es den „substanziellen Wiesn-Wahnsinn“ für Oktoberfest-Besucher*innen, der aber ohne Blasmusik auskommt, sondern vielmehr auf amtliche Gitarren und Indie-Favourites setzt.

Nicht nach Kleidung diskriminieren will auch die Geyerwally. Dort soll einfach jede*r nach ihrer Facon glücklich werden. „Ob das Fasching oder Trachtenfasching ist“, spiele dabei keine Rolle, heißt es etwas verschmitzt. Auch das Import Export bleibt bei Trachten locker, solange ihr locker bleibt. Ebenso ist es im Schwarzen Dackel und der Milla.

Ihr seht: Das Thema Wiesn polarisiert die Stadt seit eh und je. Auch unter den Clubs und Bars ist das so. Vielleicht kann dieser Artikel manch unnötigen Weg und manche Diskussion vor der Tür verhindern. Wir wünschen euch jedenfalls eine friedliche und feuchtfröhliche Wiesnzeit! Egal ob es euch ins Zelt zieht oder möglichst weit weg davon.


Disclaimer: Keine Antwort auf unsere Anfragen kam bisher von Rote Sonne, KAUZ, Rodman und aahhh.

Hinweis. d. Red.(15.09.): In einer früheren Version des Artikels wurde dargestellt, das Harry Klein würde Gäste in Lederhosen in Ausnahmefällen in den Club lassen. Dies ist nicht so und beruhte auf einem Missverständnis und wurde korrigiert.

Florian Kraus
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