Kultur, Was machen wir heute?

„Das richtige Leben ist die Band.“

Laura Stecher
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Jamaram

Lionel, Murxen und Sam von Jamaram waren ganz begeistert von unseren Magazinen, die wir ihnen zum Kennenlernen mitgebracht haben. Aber essen kann man das neue Klimaherbst Magazin nicht, auch wenn das Titelthema Ernährung ist…
Hier ist jetzt der zweite Teil unseres Interviews mit der Band. Den ersten Teil des Interviews könnt ihr hier nachlesen.

Kamerakind: Wart ihr an der Uni, als ihr Jamaram gegründet habt?

Murxen: Noch in der Schule. Als wir die Band gegründet haben, war ich 17. Der Sam und der Tom haben sich im Schulbus getroffen. Sie wussten nicht, was sie nachmittags tun sollen und haben sich überlegt: Machen wir doch einfach eine Band. Dann haben sie angefangen. Ich kam dann auch ziemlich schnell dazu. So ist es entstanden.

Kamerakind: Wolltet ihr dann irgendwann doch studieren?

Murxen: Es ist tatsächlich so. Es gab damals auch viele andere Bands in unserem Alter und irgendwann so mit 20 oder 21 kommt die Zeit, in der alle sagen: Jetzt haben wir Musik gemacht. Schön. Jetzt fangen wir das echte Leben an. Wir gehen zum Studieren nach Berlin oder nach da, oder ins Ausland. Und die Bands lösen sich alle auf. Wir sind eigentlich die Einzigen aus München, die ich kenne, die gesagt haben: Das richtige Leben ist die Band. Das ist halt ein Wagnis. Man ist auch abhängig von acht anderen Leuten. Wenn fünf sagen, wir haben keinen Bock mehr, dann sitzt man plötzlich da und hat nicht studiert wie alle anderen.

Kamerakind: Würdet ihr Anderen empfehlen für die Band zu leben?

Alle drei: Ne!

Sam: Doch klar! Logo! Wenn man das will. Die Leute heutzutage machen eh, was sie wollen. Es gibt auch nicht so Viele, die wirklich eine Band machen wollen. Und die, die es wirklich machen wollen, scheißen dann halt auf´ s studieren und sind wirklich eine Band und machen es so gut wie es geht.

Murxen: Ich glaub viele Musiker haben immer noch die Idee, dass, wenn sie ihre Band professionell aufziehen wollen, dann brauchen sie ein großes Musiklabel, das ihnen den Vertrag hinlegt und sagt: So, jetzt seid ihr Stars! Und das stimmt nicht. Wenn man Musiker sein will, ne gute Band hat und das groß machen will, dann kann man das aus eigener Kraft schaffen. Man kann versuchen, sein eigenes Booking aufzuziehen, seine Konzerte selbst auszumachen und auf Reisen zu gehen.

Lionel: Es ist aber immer sauviel Arbeit. Man muss von Anfang an dranbleiben. Wie bei allen Sachen. Wenn man das nicht macht, dann wird man auch nicht weit kommen. Man muss dran glauben. Und man muss das durchziehen. Jamaram spielt seit zwölf Jahren so viele Konzerte wie es nur geht. Wir gehen immer wieder hin. Wir spielen immer wieder. Manchmal spielen wir, wenn die Promo schlecht gelaufen ist oder das Konzert zu weit weg ist und keiner uns kennt, wieder vor 30 Leuten. Oder dann kommen wir zu einem Festival, es funktioniert super und wir spielen vor 10000. Man muss immer wieder bereit sein…

Sam: …bei Null anzufangen

Lionel: Ja! Jedes Mal, wenn man auf der Bühne ist, muss man einfach alles geben. Und einfach so spielen, als wäre es das letzte Konzert, das man jemals spielen wird.

Murxen: Ich zum Beispiel laufe jetzt für unser Konzert in München, das am 19.10. ist, jetzt schon rum und fange an Aufkleber und Flyer zu verteilen. Wenn Leute die Band kennen und ich ihnen einen Flyer gebe, dann denken die sich: ,Was? Das gibt’ s doch gar nicht. Euch gibt es doch schon seit 12 Jahren, ihr seid doch voll berühmt. Warum gibst du mir einen Flyer? Das ist ja krass. Du musst doch keine Flyer mehr verteilen.` Ich sage: ,Doch, auf jeden Fall. Ins Backstage passen 1400 Leute rein, wenn die kommen sollen, dann muss ich jetzt anfangen, Flyer zu verteilen.` Wir sind nicht: Die Stars. Wir sind eine Band, die versucht zu überleben.

Kamerakind: Ihr habe ja auch schon öfters auf der Straße gespielt. Wo in München zum Beispiel?

Lionel: In München überall eigentlich. Am Marienplatz natürlich.

Murxen: In München ist es aber schon länger her. Ich würde gerne wieder anfangen in München, weil es echt spaßig ist. Aber hier wird es den Leute schwer gemacht, Straßenmusik zu machen.

Kamerakind: Wegen der Auflagen?

Murxen: Voll! Du musst halt seit neuestem jemandem vorspielen. Einem Typen irgendwo im Rathaus und der sagt dann: Ja gefällt mir, kannst mal spielen oder: Ne, keinen Bock, du darfst nicht spielen.

Sam: Aber das ist nur in der Fußgängerzone so. Sonst kann man überall in München spielen.

Murxen: Aber es muss sich ja auch lohnen. Vielleicht machen wir mal wieder Straßenmusik – wenn wir dürfen.

Sam: Die Jungs waren ja gerade auf Straßenmusiktour …

Murxen: … In Italien, Frankreich, Spanien. Da waren wir, um Straßenmusik zu machen. Wir waren im VW-Bus unterwegs zu dritt. Und haben sieben oder acht Städten besucht, sind dort jeweils zwei oder drei Tage geblieben, haben Straßenmusik gemacht und sind dann weitergefahren. Das kann ich jedem empfehlen. Das ist geil, wenn du eine Stadt richtig kennenlernen willst mit ihren Menschen. Sobald du irgendwo auf die Straße gehst und Musik machst, kommen die Leute, denen dass gefällt und fragen dich: ,Wo kommst du her? Was machst du? Und hey, deine Musik ist super! Wo schläfst du heute Nacht?` Dann Sagst du: ,Im Bus.` Und dann sagen die: ,Nein, nein, du schläfst bei uns natürlich.` Und dann kommst du sofort in die Stadt rein und man kann seinen Trip auch finanzieren, weil man verdient ja auch bisschen Geld. Dann kann man abends spielen und danach von dem verdienten Geld schön Essen gehen. Am nächsten Tag Benzin kaufen für die nächste Stadt. Du machst Musik und das ist teilweise auch Kommunikation. Ich hab die Sprache nicht gesprochen von denen und wir kamen trotzdem in Kontakt, weil Musik alles überträgt.

Kamerakind: Ihr sammelt Spenden für die Organisation Go Ahead bei euren Konzerten. Wie seid ihr auf diese Idee gekommen?

Sam: Wir hatten eine sehr gute Freundin, die Caro, unsere Merchandiserin. Und irgendwann mal hat sie ein Projekt gestartet in Südafrika, bei dem sie so Häuser gebaut haben. Und dafür haben wir damals Geld eingesammelt an Konzerten. Die mussten hier Geld sammeln, um dort den Bau zu finanzieren. Wir haben an den Konzerten den Hut immer rumgehen lassen und haben es innerhalb von zwei Monaten geschafft, die Hälfte der Kohle aufzustellen, um dort ein Haus für eine Familie zu bauen. So haben wir gesehen, dass es sehr saueinfach geht, dort nen großen Unterschied zu machen. Die Caro hat, nachdem der Hausbau fertig war, einen Verein gegründet, der Vorschulen in Südafrika baut, die Lehrergehälter zahlt und den Kinder die Mittel zahlt, damit sie zur Schule gehen können. Dafür brauchen die auch Geld und dann hat sie uns gefragt, ob wir das weiterhin machen wollen. Seitdem haben wir das gemacht. Denn für uns ist es überhaupt kein Problem zu sagen: ,Hey, Leute, wir haben ein Projekt in Südafrika und es wäre toll, wenn jeder von euch sein Kleingeld in diesen Hut reinschmeißen könnte.` Es kommt jedes Jahr so viel bei rum, dass wir tatsächlich eine ganze Schule finanzieren können da unten.

Und hier schon mal zum einstimmen auf das neue Album:

Interview: Milena Vucinic und Laura Stecher

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