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Der Münchner Ernährungsrat und der Traum vom ökologischen Ernährungssystem

Wusstest du, dass es den Münchner Ernährungsrat gibt? Nein? Dann könnte dieser Artikel spannend sein, denn zukünftig wirst du vielleicht öfter davon etwas zu Ohren bekommen. Der Ernährungsrat hat nämlich ein Strategiepapier eingereicht, in dem steht, wie sich München in Zukunft regional, vorwiegend pflanzlich und nachhaltig ernähren soll. Hier erfährst du, was genau der Ernährungsrat ist, für was er sich einsetzt und wie Nikolaus Teixeira, Vorstand des Ernährungsrates, durch eine persönliche Krise ein komplett neues Bewusstsein erlangte.

„Wir überschreiten mit unserer Ernährung wesentliche planetarische Grenzen“, so Nikolaus Teixeira, Vorstandsmitglied des Münchner Ernährungsrates. Unsere Art und Weise, wie wir Nahrung sehen und kaufen müsse sich deutlich ändern. Die uns allen bekannten großen Supermärkte sind aktuell zu 90 Prozent für die Ernährung der Münchner*innen zuständig – das ist verdammt viel und dabei ginge es auch anders: „Man ist in der Lage, die 1,6 Millionen Einwohner Münchens zu 90 Prozent regional zu ernähren“, sagt Nikolaus Teixeira.

München soll ein Vorbild sein

Bewusstsein schaffen für eine ökologische Ernährung mit artgerechter Tierhaltung – zusammen mit ca. 120 weiteren Mitglieder geht Nikolaus Teixeira genau dafür los. Als ein eigenständiges Bündnis von Akteur*innen aus den verschiedensten Bereichen setzt sich der Ernährungsrat für ein gemeinwohlorientiertes, gerechtes und resilientes Ernährungssystem für München ein. Damit soll eine regionale, überwiegend pflanzliche und nachhaltige Ernährung gefördert werden.

Der Münchner Ernährungsrat möchte hierbei Politiker*innen in Entscheidungsprozessen unterstützen, Änderungen fordern und aktiv umsetzen, sowie den Rückhalt der Bürger*innen fördern. Ein Beispiel hierfür ist der vom Ernährungsrat gegründete FoodHub, eine kooperative Direktvermarktung für Bürger*innen und regionale Biohöfe, Gärtnereien und Lebensmittelhändler*innen. Ziel ist es, mit dem Münchner Ernährungssystem ein Vorbild für andere Städte zu werden. Jetzt müssen nur noch die Münchner*innen dazu bereit sein; Nikolaus Teixeira ist auf jeden Fall optimistisch: „Wenn sie spüren, dass was möglich ist, dann gehen sie auch mit“.

Mehr Allgemeinwohl und weniger Mein-Wohl

„Was toll wäre, wäre wenn wir alle mehr darüber nachdenken würden, was wir mehr zum Allgemeinwohl beitragen könnten, und weniger zum Mein-Wohl“, sagt Nikolaus Teixeira. Für die Umsetzung eines solchen Ernährungssystems müssen also alle mitspielen.

Besonders relevant dafür sei es, Gesetze zu verabschieden, die uns dabei helfen, „die richtigen Entscheidungen zu treffen“. Dies könnte zum Beispiel in Form eines vom Stadtrat eingeführten Veggiedays in Kantinen sein. Zweitens sei es wichtig, dass auch die großen Konzerne sich mehr auf regionale und nachhaltige Produkte konzentrieren. Regionale Landwirt*innen sollen dadurch deutlich mehr unterstützt und wieder zurück in unsere Mitte geholt werden. Und natürlich müssen auch die Menschen bereit sein, alte Gewohnheiten hinter sich zu lassen und ein neues Bewusstsein für nachhaltige, pflanzliche und regionale Ernährung entwickeln. Der Ernährungsrat sieht sich hierbei als eine Schnittstelle, ein Motivator und ein Verbinder, um all diese beteiligten Akteur*innen zu motivieren, zu vereinen und zu bewegen.

Und woher kommt Ihr Bewusstsein, Herr Teixeira?

Nikolaus Teixera kommt beruflich eigentlich aus einer ganz anderen Richtung, nämlich aus der Modebranche. Als Modefotograf arbeitete er lange Jahre in verschiedenen Ländern der Welt und bekam dort die Lebensbedingungen mit. Dadurch entwickelte er erstmals ein Bewusstsein dafür, was er eigentlich fördert. Der eigentliche Shift geschah dann aber, als er aufgrund einer Lebenskrise aufs Land zog und dort auf einem Biobauernhof eine neue Welt entdeckte. Hier spürte Nikolaus Teixeira zum ersten Mal die Verbundenheit mit der Natur und den Lebewesen um sich herum. Das hat sein Bewusstsein für neue, wichtige Bereiche geöffnet. „Es hat mich zu einem bescheidenen, aber glücklicheren Menschen gemacht“, sagt Nikolaus Teixeira dazu und ergänzt: „Wir alle können doch nur glücklich sein, wenn wir andere glücklich machen.“– Ein schöner Schlusssatz, den wir einfach mal genauso stehen lassen.


Beitragsbild: MARKUS SPISKE on Unsplash

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