Kinogucken

Der Rhythmus der Zerstörung – „Demolition“ im Kino

Thomas Empl

‘We’re taking apart my marriage’, sagt Davis, dessen Frau vor kurzem ums Leben gekommen ist. Nur macht er das nicht beim Psychiater, sondern mit dem Bulldozer. Rollt durch sein edles, appleweißes Yuppie-Haus, zerhämmert Fernseher und Familienphotos. Dazu so ein Hammersatz. Das ist Demolition.

Davis wird gespielt von Jake Gyllenhaal, der inzwischen so gut ist, dass er nur durch seine Präsenz gute zu sehr guten Filmen erhebt; und der selbst in seiner Rollenwahl immer anspruchsvollere Figuren findet: Davis ist ein erfolgreicher Banker, dessen Frau in der Eingangssequenz bei einem Autounfall stirbt. Davis sitzt regungslos im Krankenhaus, wischt sich das Blut von den Schuhen, geht heim und macht sich Essen. Am nächsten Tag klingelt sein Wecker wie üblich um 5:30 Uhr und Davis macht sich auf den Weg zur Arbeit.

Denkt man also erst, man sei in einem Drama übers Trauern gelandet, erweist sich Demolition als Film über die Abwesenheit von Trauer. Davis hat seine Frau nie geliebt. Auf der Trauerfeier übt er vor dem Spiegel das Weinen. Im Krankenhaus versucht er, sich einen Schokoriegel zu kaufen, die Maschine klemmt. Also schreibt er einen Beschwerdebrief an den Kundenservice, in dem er seine Geschichte erzählt, um seinen Dollar wiederzubekommen. Es folgen drei weitere Briefe. Bis der Kundenservice – in Person der Single Mother Karen Moreno (Naomi Watts) – zurückruft.

Demolition Smile

Wieder denkt man, man wüsste nun, wo das hinführen soll. Der Film geht nie so weit weg vom Erwartbaren, dass man Worte wie ‘revolutionär’ verwenden könnte – er weicht aber doch immer ein Stück weit davon ab. Die Liebesgeschichte zwischen Davis und Karen Moreno ist rein platonisch. Davis bleibt ein komischer Typ, findet aber in Karen eine Freundin und in ihrem Sohn, der sich gerade über seine Homosexualität klar wird, einen Freund. Zusammen entwickeln sie ein Faible für Zerstörung.

Dieses Prinzip des Knapp daneben, bei dem alles immer knapp neben dem Vorhersehbaren aufschlägt, funktioniert meist richtig gut. Weil man nie so ganz genau weiß, was das nun alles soll. Und weil der Regisseur Jean-Marc Vallées (Dallas Buyers Club, Wild) seinem Film einen ganz eigenen Rhythmus verleiht: Er nimmt Fahrt auf, stoppt wieder, ist trocken witzig, wenn er traurig sein sollte und wird dann wieder emotional, wenn man nicht damit rechnet. Einen lässigeren, entspannteren Film übers Trauern hat es jedenfalls bisher nicht gegeben.

(Kinostart ist der 08. April 2016)

Trailer:

Bilder von: http://www.fox.de/demolition – ©20th Century Fox

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