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Deshalb decken die Munichwristbusters Fake-Uhren auf Instagram auf

Rosalie Röhr

Besonders leidenschaftlich, wenn es um Genderequality, Hiphop-Kultur oder Ramen-Nudeln geht.
Rosalie Röhr

Dass auf Instagram wortwörtlich nicht alles gold ist was glänzt, zeigen die Munichwristbusters. Über 130 Tausend Abonnent*innen hat die Seite aus München, die gefälschte Uhren bei sogenannten Businesscoaches, Influencer*innen und Rapper*innen aufdeckt.

Ich treffe die zwei Wristbusters (auf dem Foto rechts und links) auf ihren Wunsch im schicken Brenner Restaurant nahe der Maximilianstraße. Schließlich wollen wir über Luxus-Uhren reden. Beziehungsweise über die Menschen, die so tun als ob sie welche hätten. Ich bin ein bisschen überrascht, wie jung die zwei noch sind. Vor kurzer Zeit haben sie erst ihr Abi gemacht. Das genaue Alter, sowie die Namen sind geheim, da sie anonym bleiben wollen – erstmal zumindest. Persönlichkeiten wie der Münchner Rapper Ali As, die Orsons, der Comedian Faisal Kawusi oder Pietro Lombardi schmücken sich bereits damit, dass ihre Uhren von den Munichwristbusters als Originale verifiziert wurden. Innerhalb dieses Kosmos haben sie sich zu einer Art kleiner Marke etabliert.

„Am Anfang war es eigentlich nur ein Spaß. Wir haben Fake-Uhren von Leuten aus unserem Bekanntenkreis gepostet, um unseren Freunden zu zeigen, wie viel eigentlich fake ist“

Doch die Seite ist extrem schnell gewachsen, sieht edel und gut gepflegt aus. Gegründet wurde der Account im Herbst 2019, damals haben die Wristbusters hauptsächlich Leute aus München gepostet. Im Frühjahr 2020 ist die Zahl der Abos plötzlich explodiert. Die Wristbusters haben nach und nach auch die Fake-Uhren von bekannteren Personen auffliegen lassen.

„Es ist verrückt geworden, das ging so schnell, wir hätten das nie erwartet.“

Manchmal bekommen sie auch Nachrichten von Einzelpersonen, die Fotos von den Uhren ihres Dates machen und wissen wollen, ob sie echt sind. Total verrückt, finden die Wristbusters. Das Interesse an hochwertigen Uhren wurde bei beiden durch die Familie geweckt. Mit 16 haben sie angefangen ihr Wissen zu vertiefen. Wenn sie sich einmal nicht hundertprozentig sicher sind, ob es sich um eine Fälschung handelt, fragen sie größere Sammler*innen oder Uhrenhändler*innen. Gemeinsam besitzen sie circa zehn Uhren aus dem Luxus-Segment und zusätzliche Sammlerstücke.

„Uns geht es um die Uhren selber und nicht um die Marke. Hochwertige Uhren sind immer perfekt, da steckt so viel Handwerk, Kunst und und Geschichte drin“

Von Fakes halten sie deshalb sehr wenig. Erst recht nicht, wenn einflussreiche Personen auf Social Media ihre Replika zur Schau stellen.

„Wenn man eine Fake-Uhr trägt, will man nur die Marke nach außen tragen und damit angeben, darum sollte es nicht gehen. Es geht für uns auch nicht unbedingt um das Geld bei Uhren, sondern eher um die Geschichte dahinter.“

Besonders kritisch finden die Wristbusters die Message, die durch die Masse an Fake-Uhren entsteht. Wenn plötzlich alle eine Fake-Uhr tragen, glauben viele, dass man das braucht und dass jeder eine hat. Besonders sogenannte Business-Coaches, Rapper*innen und Influencer*innen erzeugen eine Scheinwelt, in der die Millionen über Nacht kommen und eine Rolex fast schon selbstverständlich ist, so die beiden. Viele Leute schreiben ihnen:

„Ich dachte, ich wär der Einzige auf Social Media ohne Rolex.“

Dabei gäbe es in jedem Preisbereich Uhren mit Geschichte und Qualität, auch für das Geld von Fake-Uhren.

Fake-Uhren schaden dem Markt

Problematisch sind für die Münchner auch die Bedingungen unter denen die Fake-Uhren hergestellt werden. Oft sei Kinderarbeit involviert. Eine hochwertig gefälschte Uhr kostet laut den beiden um die 500 bis 1.000 Euro. Dafür würde man so viel bessere Uhren, von weniger bekannten Marken bekommen. Inzwischen gäbe es sogar Fake-Uhren aus echt gold, die mehrere tausend Euro kosten, erzählen sie. Für die Wristbusters ist das der Gipfel der Absurdität.
Durch Instagram würden die meisten nur noch drei bis vier Modelle kennen und für den Rest interessiert sich dann niemand. Mit den Uhren die jeder kennt, kann man am besten angeben, weil man die ganz leicht als teure Markenuhr identifizieren kann. Es würde ja nichts bringen eine Fake-Uhr zu tragen, die keiner kennt, sagen die Münchner. Die anderen Modelle, die genau so gut sind, würden dadurch ihren Wert verlieren.

Aber ist das nicht gemein?

Laut den Wristbusters deaktiviert fast jeder, der auf der Seite enttarnt wird, anschließend seine Kommentarspalte. Viele löschen die Bilder oder teilweise sogar das ganze Profil.
Also ist es nicht auch ziemlich fies andere Leute im Internet so bloßzustellen?
Das finden die Wristbusters nicht. Sie hätten es ja schließlich nicht auf Einzelpersonen abgesehen.
Laut ihren Einschätzung, seien einige Leute auf Instagram schon vorsichtiger geworden, welche Uhren sie posten.

„Es geht absolut nicht um Mobbing, sondern einfach darum, diese Scheinwelt aufzudecken.“

Mit der Anonymität in München wurde es in den vergangenen Wochen schwieriger. Manche Personen fühlen sich sehr angegriffen, es kamen sogar schon Leute zu ihnen nachhause und wollten diskutieren. Beide haben jetzt auch Kameras vor der Tür installiert. Immer mal wieder werden „Enthüllungsvideos“ gepostet, in denen die Identität der Wristbusters angeblich aufgedeckt wird. Aktuell ist die Seite nur ein Hobby, obwohl beide viele Stunden täglich daran arbeiten. Wie genau es weitergehen soll, ist noch nicht geplant. Dieses Jahr wollen sie sich erstmal noch auf den Account fokussieren und sich erst später Gedanken über die Zukunft machen.

Foto: ©Munichwristbusters

Beitragsbild: @ Munichwristbusters

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