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Die Beach Boys der Zukunft – RIKAS im Interview

Johanna Zach

Leidenschaft für Musik und Medien - Warum nicht gleich Musikjournalistin werden?
Johanna Zach

Kalifornische Strandmusik und Jungle-Pop – so beschreibt die Stuttgarter Band RIKAS ihre Musik. Da denkt man sofort an Sonne, Strand und gute Laune. Passt auch perfekt zum Feeling, wenn die vier Jungs auf der Bühne stehen. Ein Mix zwischen dem Sound der Beatles und den Beach Boys. Dass RIKAS gerade erst am Anfang einer großen Karriere stehen, zeigen die zahlreichen Support-Shows bei Bands wie Bilderbuch, Von Wegen Lisbeth, AnnenMayKantereit, Leoniden und jetzt auch mit Findlay – am 13.11. im Ampere.

Im Interview haben mir Sam, Chris, Sascha und Ferdi von ihren Erlebnissen als Straßenmusiker quer durch Europa erzählt, von ihrer Support-Show bei Max Giesinger und warum man sie vielleicht auch bald als Los Rikas erleben kann. Gerade haben die vier Jungs ihre erste Single „Tortellini Tuesday“ veröffentlicht:

Musikalisch zwischen Dschungel und Strand

Mucbook: Wie ist euer Musikstil entstanden?

Chris: Es ist als Band nie ganz einfach, den eigenen Stil zu beschreiben, weil es entsteht halt irgendwie. Wir haben uns jetzt nie zusammengesetzt und überlegt: Was wollen wir für Musik machen. Deshalb sind wir immer ganz froh, wenn andere Leute über uns schreiben und das so einordnen. Wir haben einmal geschrieben, dass wir Jangle Pop machen, Jangle ist so ein bisschen lautmalerisch, freier, losgelöst, entspannt. Dann hat das ein Redakteur aber falsch verstanden und Jungle Pop geschrieben. Das fanden wir eigentlich viel cooler. Seitdem machen wir Jungle Pop.

Woher kommt diese Affinität zu Kalifornien und Strand?

Chris: Ich glaub, man verbindet unsere Musik mit Sommer und guter Laune, deshalb liegt es nahe eine sonnenreiche Stadt zu nennen.
Sam: Wir fühlen uns auch dem Mittelmehr ganz verbunden, wir fühlen uns da ganz wohl. Wir haben letztes Jahr versucht zu surfen, viele denken wir sind Surfer. Ich würde eher sagen wir sind Blender, was das Surfen angeht. Wir haben so das Brett unterm Arm und haben uns beim Surfen fast die Nase gebrochen.
Ferdi: Im Mittelmeerraum haben wir auch viel Straßenmusik gemacht. Ich glaube das ist auch so ein Punkt, warum wir uns da sehr wohl fühlen. Wir haben Interrail gemacht, zweimal hintereinander für zwei Wochen und sind dann jeden Tag in eine andere europäische Stadt gefahren. Das waren so unsere Straßenmusikanfänge und es begleitet uns seitdem, machen wir auch immer noch, leider nicht mehr so oft wie früher. Es war auch mal um zu sehen, wie andere Nationen auf unsere Musik reagieren. Wie sind die Leute drauf, so die Unterschiede von Stadt zu Stadt in Bezug auf Alltag und Musik.

Die Straße als krasseste Lebens- und Bandschule

Und was habt ihr da so herausgefunden?

Sam: Wir hatten immer so ein Schild, wo drauf stand: Wir haben noch keinen Schlafplatz. In Brüssel war’s so, dass wir pro Tag 10 Angebote hatten. Das war in so einer Stadt wie Paris nicht so. Paris denkt man immer an die große Welt, aber dann laufen da nur Touris rum. In kleineren Städten waren viel mehr lokale Leute da und die waren extrem cool.
Sascha: In Brüssel haben wir gemerkt, dass die Stadt absolut Sinn macht als Hauptstadt Europas. Die Leute waren so offen, ausgelassen, haben miteinander getanzt.
Ferdi: Eine richtige Weltstadt würde ich sagen, sehr überschaubar, auch echt gemütlich, aber die Leute kommen von überall her. Aus allen Ländern der Welt.

Hat das mit dem Schild immer funktioniert?

Sam: Ne es gab auch paar Städte, da hat’s nicht funktioniert, da mussten wir uns dann ein Hostel suchen. Vor zwei Jahren waren wir in Nizza und um 11 nachts hatten wir immer noch keinen Schlafplatz. Dann haben wir noch irgendwo ein Zimmer bekommen, alle zusammen in einem Zimmer. Der Ventilator war kaputt und wir lagen da Rücken an Rücken zu dritt in einem Doppelbett. Das war das Krasseste.

Wie war das sonst so auf Interrail?

Sam: Es ist ein ganz anderes Gefühl, da für Leute aus der ganzen Welt zu spielen. Und es war finanziell ganz gut, weil wir durch Europa tingeln konnten ohne dass wir schlecht gelebt haben. Wir haben es sogar geschafft, uns die Reise nach London zu erspielen und haben dann die 1000 € für die Fähre in Münzgeld gezahlt.
Chris: Keine Bank wollte uns das Hartgeld in Scheine umtauschen. Wir hatten genug Geld für die Fähre von Holland nach London, aber eben allerdings nur in Münzen und dann haben wir erstmal eine Dreiviertelstunde unser Münzgeld auf so einem Tablett gezählt. Wir haben ein bisschen Stress bekommen, weil die Fähre ja abgefahren ist und dann haben die das auch noch nachgezählt. Zum Glück alles da und wir sind auf die Fähre gesprungen.
Sascha: Wir haben eine richtig geile Dusche auf der Fähre gehabt, das war ein Luxus, den es die letzten 10 Tage nicht gab. Das war’s schon wert nach London zu fahren, die Stadt an sich hat uns dann straßenmusiktechnisch etwas enttäuscht. Sehr streng was die Regeln angeht.

Wie war das sonst so mit den Regelungen?

Chris: Das ist ein totales Glücksspiel. Das erste Mal in Brüssel hatten wir gar keine Probleme, das zweite Mal kam gleich die Polizei und hat gesagt: Wenn ihr nicht gleich aufhört, nehmen wir euch die Instrumente weg. Manche Städte sind da cooler, manche sind da schwieriger.
Sascha: Wir sind da oft sehr blauäugig reingegangen, weil wir auch finden, dass zu strenge Regelungen – die manchmal auch Sinn machen – in gewisser Weise den Spirit von Straßenmusik kaputt machen. Die Städte haben natürlich ihre Berechtigung, Regeln aufzustellen. Aber letztendlich ist es die Straße und es sind öffentliche Plätze. Es ist wichtiger, dass man mit Ladenbesitzern vor Ort im Dialog ist.
Ferdi: Das hat uns gerade bei der zweiten Reise auch viele Kräfte geraubt. Da hatten wir fast in jeder Stadt irgendein Problem mit der Polizei. In Paris kam einmal schon beim zweiten Song die Polizei und hat unterbrochen und dann kam einer, warf 30€ rein und sagt: Fuck the police. Das ist eben auch richtig gut, auf der Straße kriegst du gleich Feedback – von Leuten, die dich noch nie gesehen haben. Das hat uns auch sehr in unserer Entwicklung geholfen.
Sam: Du hast auf der Straße das direkteste und ehrlichste Feedback, das du kriegen kannst.

 

Musikalische und optische Präsenz – Check!

Was ist der große Unterschied zwischen auf der Bühne und auf der Straße spielen?

Chris: Wenn man sich gesanglich auf der Straße durchsetzen will, muss man mehrstimmig singen. So hat sich das bei uns entwickelt, dass wir Songs gesucht haben, bei denen das cool gemacht ist und da gibt es gerade aus den 60er und 70er Jahren viele schöne Beispiele. Wenn vier Leute gleichzeitig singen, hat das einfach eine besondere Präsenz, die die Leute zum Stehenbleiben bewegt. Das versuchen wir dann aber auch auf der Bühne umzusetzen.
Sam: Auf der Straße kann man ein bisschen mehr ausprobieren. Wie früher, dass man sich einfach hingestellt hat und gespielt hat, drei oder vier Stunden lang. Nicht so zwanghaft wie auf einem Festival, da hat man seine halbe Stunde, da muss alles sitzen. Auf der Straße ist auch vieles spontan.

 

Was würdet ihr Bands raten, die Straßenmusik mal ausprobieren wollen?

Chris: Optische Präsenz… also das ist ein Gesamtpaket, das ist nicht nur die Musik, sondern auch das Drumrum, wie man sich gibt, was man für Ansagen macht. Das gehört zu einem sehr großen Teil dazu.
Sam: Viel ausprobieren und schauen wie es funktioniert. Gute Stimmung machen ist nie schlecht. Es soll aber nicht gezwungen sein.
Sascha: Man sollte sich auch nie zu ernst nehmen und sich verkaufen wollen, sondern authentisch sein. Du musst aber auch zeigen, dass du die Leute catchen willst, du willst ja den Leuten auf der Straße wirklich was sagen. Wir haben auf der Straße viel gelernt, was uns dann auf der Bühne auch helfen konnte. Authentizität und dass wir uns präsentieren können, so wie wir sind.

In welchem Land würdet ihr gerne mal Straßenmusik machen?

Sam: Südamerika! Die lassen sich völlig gehen, die singen und tanzen. Ich glaub wir würden Lateinamerika sogar Kalifornien vorziehen. Vielleicht machen wir mal ein Jahr Pause und machen dann Straßenmusik in Südamerika als Los Rikas oder so.

Gerade seid ihr mit verschiedenen Bands als Supportband auf Tour. Wen würdet ihr in Zukunft gerne mal supporten?

Sascha: Carlos Santana!
Sam: Alla-Lahs – eine kalifornische Band, die wir musikalisch sehr bewundern. Ich glaub jeder Support ist cool, wir müssen halt die Stimmung machen. Ob wir dann Kakkmaddafakka supporten oder AnnenMayKantereit heißt noch nicht, dass wir gut sind.
Sascha: Eigentlich hätte ich Max Giesinger gesagt, aber vor dem haben wir schon mal gespielt. Das ist schon Ewigkeiten her, da hat er auf einem Dorffest in der Nähe von uns gespielt und da haben wir ihn mit unserer alten Combo schon supporten dürfen. Das war grandios. Man hat seinen und unseren Werdegang schon in der Zukunft sehen können.


Beitragsbild: © Linda Ambrosius

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