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Tortellini Tuesday am Donnerstag – Rikas im Interview

Carla Borengässer

Seekind, Im Begriff der Auswilderung im Großstadtjungle; inflationäre Verwendung von Semikoli könnte auftreten.
Carla Borengässer

Hallo gute Laune, Hallo Dauerohrwurm und Hallo Sommergefühle im grauen Novemberwetter! Die Rikas, vier junge Künstler aus Stuttgart, haben ihr ganz erstes, ganz eigenes Debütalbum veröffentlicht: „Showtime„.

Bevor der Bartwuchs einsetzte, hieß die damalige Schülerband noch „Too Young To Shave“; als Rikas haben sich die Anfang 20-Jährigen besonders in den letzten zwei Jahren einen Namen gemacht. Als Vorband von Größen wie FilBoRiva und auf Festivalbühnen neben Annenmaykantereit haben sie sich so auch in mein Ohr gesungen- und da bleiben sie mit Liedern wie „Tortellini Tuesday“ oder „Dancing In My Room“ wohl auch erst einmal.

Aus Swabian Samba wird Showtime

Auf Tour gehen wollten die Rikas sowieso, jetzt benennen sie diese eben um und bringen noch ihr neues Album mit. Vor ihrem Konzert am Donnerstag, dem bisher größtem eigenen Auftritt überhaupt, haben wir ein bisschen mit ihnen gequatscht. Über das Album, Hühnersuppe und Eventim-Bewertungen…

Mucbook: Die wichtigste Frage zuerst: Was gab es am Dienstag bei euch zu essen?

Sascha: Ich war krank, deshalb hab ich mir tatsächlich eine Hühnerbrühe gekocht. Da muss ich auch kurz ein Shoutout an die Hühnerbrühe als solche machen; wenn ihr euch krank fühlt, ist das wirklich das beste, was ihr machen könnt.

Chris rührt in seinem Kamillentee: Ich war tatsächlich auch krank, deshalb ganz kurz: zählt so eine Brühe denn eigentlich als Suppe? Oder muss man da nochmal differenzieren? Egal, jedenfalls gab es bei mir eine sehr leckere Süßkartoffelsuppe. Das Problem war, dass ich erst nach dem Essen gemerkt habe, dass ich beim Pürieren im Topf die halbe Teflonbeschichtung mitpüriert und mitgegessen habe… aber vielleicht war das die Geheimzutat!

Sam: Ich hatte tatsächlich Maultäschle.

Also sozusagen die schwäbischen Tortellini!

Sascha: Der Plan war ja mal, zusammen Tortellini selbst zu machen, oder?

Chris: Sasha ist ein sehr guter Koch. Wir nennen ihn gerne unseren Tim Mälzer.

Sind denn die restlichen Aufgaben auf Tour bei euch auch so klar verteilt; einer der Sternekoch, einer das Mädchen für alles und einer die starke Schulter zum Ausheulen?

Chris: Die harten Fakten haben wir schon ganz gut aufgeteilt; sonst übernimmt aber jeder mal eine Rolle. Jeder baut aber irgendwie sein Ding auf, hilft beim Merchstand, später bei der Kasse und so. Sasha fährt zum Beispiel auch viel Auto, gern auch die längeren Strecken, worum wir auch echt froh sind.

Sam: Wobei man nicht sagen kann, dass er gut fährt…

Chris: Noch ein Monopol ist tatsächlich das Beladen des neuen Tourbus. Früher konnten wir das alle, aber das System ist inzwischen so ausgeklügelt, dass sich nur noch Chris daran traut. Ich möchte die Zeit auf der Tour aber nutzen, mich da auch wieder einzuarbeiten.

Als wir uns das letzte mal mit euch unterhalten haben, habt ihr uns von der Sache mit dem „Jungle-Pop“ erzählt- was ist denn daraus geworden? Oder hat sich mal wieder jemand eine neue Bezeichnung für euren Musikstil ausgedacht?

Sam: Wir haben tatsächlich, kurz nachdem wir diesen Begriff für uns beansprucht haben, gelesen, dass das bereits eine existierende Genrebezeichnung ist, für irgendeine elektronische Musikrichtung. Wir fanden das Wort lautmalerisch zum damaligen Zeitpunkt einfach passend, Jungle ist irgendwie so ein wobbly Wort, das hat Sinn gemacht.

Ferdi: Das sind ja immer sehr schöne Begriffe, die da fallen. Ich würde sagen, Rikas ist auf jeden Fall Popmusik, vielleicht ein bisschen alternativer, mit ein bisschen Soul, ein bisschen Funk, ein bisschen Indie- und zusammengewürfelt wird dann irgendwann Rikas daraus.

Gibt es ein Konzert, an das ihr euch besonders gerne zurückerinnert?

Chris: Ein Highlight 2019 war auf jeden Fall das MS Dockville, da waren einfach wahnsinnig viele Leute, ein wirklich schönes Konzert. Ich glaube aber, jeder hat dabei ein anderes Gefühl und erlebt die Shows anders. Auch im Publikum: Wir haben jetzt tatsächlich unsere erste Eventim-Bewertung mit nur 2 Sternen, von einem unzufriedenen „Kunden“, der sich beschwert hat…

Früher habt ihr ja ganz viel auf der Straße gespielt. Vermisst ihr dieses direkte Feedback manchmal?

Sam: Ich glaube, wir sind grade in einem sehr gutem Stadium als Band, heute zum Beispiel kommen um die 500 Leute, das ist noch sehr angenehm.

Chris: Genau, wir treffen uns noch total gerne mit den Fans am Merchstand und quatschen, da bekommt man dann schon noch direktes Feedback. Zum Albumrelease hatten wir uns eigentlich vorgenommen, auf die Kirchstraße in Stuttgart zu gehen und da mal wieder zu spielen, das haben wir jetzt echt seit zwei Jahren nicht mehr gemacht…

Sascha: Hat dann schlussendlich nicht hingehauen, weil wir zu verkatert waren!

Chris: Aber irgendwann ziehen wir das bestimmt mal wieder durch!

Ihr zieht aber nicht generell die kleinen Venues großen Bühnen vor, oder?

Chris: Ich glaube, unsere Musik funktioniert ganz gut auf großen Festivalbühnen, das macht irgendwie Spaß, wahrscheinlich auch, weil wir uns ganz gerne auf der Bühne bewegen. Wir sind nicht so die Strommasten.

Ferdi: Große Bühnen sind schön, kleine Bühnen sind schön – alles ist schön.

Chris: Im Grunde geht´s doch auch nur darum, mit den guten Jungs, guten Freunden und guter Stimmung gute Musik zu machen, oder?

…Und das haben die Rikas im Strom auf jeden Fall geschafft: Eine Zugabe nach der anderen gespielt und niemanden ohne Ohrwurm nach Hause gehen lassen; alles richtig gemacht, finden wir!

Vielen Dank für das Interview!

Das Konzert in München ist leider schon vorbei, mehr Infos zur aktuellen Tour findet ihr aber HIER.


Fotos: © Linda Ambrosius, Carla Borengässer

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