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Ein bisschen Kannibalismus und epische Klanglandschaften: Klimt feiert am 23.3. ihren Erstling „Dear Sirens“

Seit zwei Jahren ist Verena Lederer als KLIMT unterwegs auf hiesigen Konzertbühnen. Nach einigen Monaten im Studio ist es jetzt soweit und sie veröffentlicht die Debüt-EP „Dear Sirens“ am 23. März im Lost Weekend. Wir durften vorher schon mal reinhören und haben Verena ein paar Fragen gestellt:

Mucbook: Du warst ein halbes Jahr im Studio – eine ganz schön lange Zeit für eine EP. Das hört man aber auch an der Detailverliebtheit der Songs. Wolltest du dich bewusst wegbewegen von reduzierteren Pianosongs, wie man sie bisher eher von dir kannte?

Verena: Mein Produzent Markus und ich haben uns im September dazu entschlossen, die EP zusammen aufzunehmen und sind im Oktober gestartet. Bis Mitte Februar haben wir noch dran gearbeitet – wir haben uns also doch viel Zeit gelassen. Allerdings waren wir gerade anfangs nur im Studio oder an anderen Orten, an denen wir aufgenommen haben, wenn uns die Muße gepackt hat und wir inspiriert waren. Gegen Ende verbrachte ich dann meine Tage ausschließlich mit der Platte.

 

Ich habe seit ich mit KLIMT angefangen habe, sehr viel großflächigere und vielschichtigere Sounds im Kopf gehabt als nur Piano und Stimme. Das hat nur keiner gewusst. Markus war der richtige Mensch, mit dem ich genau diese Ideen umsetzen konnte. Er hat mich stilmäßig zu nichts gedrängt. Sein oberstes Credo: Du bist der Chef und ich helfe dir, diesen Sound möglich zu machen. Wer auf der Platte perfekt abgerundete Songs sucht, sucht vergeblich. Ich würde sie eher als ein Mosaik an Ideen sehen, die zusammen ein stimmiges Bild ergeben.

„Eat Your Brain“ heißt die aktuelle Single – schöne Lieder über Kannibalismus gibt’s selten, oder habe ich das was missverstanden?

Tatsächlich fällt mir spontan keines ein. Da denke ich eher an Martialisches, wie Rammstein. Tatsächlich ist das „Ich will dein Gehirn essen“-Thema eher eine Metapher. Im Song geht’s um das Gefühl, das sicherlich jeder schon bei sich bemerkt hat: Man ist verliebt, diese Zuneigung wird aber nicht erwidert, oder nicht in diesem Maße, und dann steigert man sich in den Gedanken hinein, mit dem anderen zusammen zu sein. Man wird ein bisschen zum Stalker, sei es auf Social Media oder im echten Leben. Man realisiert selbst, dass das längst too much ist und man im Leben der anderen Person keine Rolle spielt. Trotzdem suhlt man sich aber weiterhin in dieser süßen, etwas verrückten Melancholie. Und welches Bild ist abgedrehter als Kannibalismus?

Jetzt ist der Erstling geboren, was kommt jetzt auf dich zu, hast du große Pläne?

Es fühlt sich gerade wirklich an, wie kurz vor einer Geburt, ja. Nicht, dass ich da Vergleichswerte hätte, aber das ganze Drum Herum stelle ich mir ähnlich schlauchend und aufregend vor.
Ich bin im Mai auf Italientour für 20 Tage. Wir reisen wirklich einmal quer durchs Land, das wird ein spannender Roadtrip. Außerdem spiel ich ja jetzt endlich mit Bandverstärkung, was den Sound spannender macht.
Darauf freue ich mich sehr. Ich würde gerne auf Deutschland-Tour im Spätsommer gehen und habe schon Pläne für ein großes Album im Kopf. Wenn irgendwann mal professionelle Unterstützung kommen würde, wäre ich sehr dankbar. Bis dahin werde ich aber noch in meiner One-Woman-Show alles geben.

Am 23. März feierst du den Release im Lost Weekend, was erwartet da die Zuhörer?

Ich stehe nicht allein auf der Bühne, sondern mit einer ganzen Reihe wundervoller Musiker. Beim Gig gibt’s zwei Sets: Einmal die EP in einer besonderen Live-Version, später dann ein Set aus Songs, die ich mit meiner Band seit einigen Monaten spiele. Auch für spannende visuelle Momente haben wir gesorgt. Danach gibt’s eine Party mit Manu von Fancy Footwork, der ja in München schon für wilde Nächte bekannt ist. Also am besten am Samstagvormittag nichts vornehmen. Die Nacht könnte lang werden!

 

Noch eine letzte Frage: Du erscheinst immer wieder in Videos mit befreundeten Münchner Musikern – wie nimmst du die Szene wahr, wie wichtig ist der künstlerische Austausch für dich als Solokünstlerin mit anderen Musikern/Bands? Gibt es Bandenbildung?

Klar, Bandenbildung gibt es – das ist, wie damals in der Schule: die Coolen, die Nerds… ne, so schlimm ist es nicht. Ich versuche mich mit möglichst vielen verschiedenen Musikern zu connecten, weil es einfach Spaß macht und der Austausch jedem hilft. Ich habe das bei der Wahl zur Münchner Band des Jahres der SZ gemerkt: jede Band konnte ja für die anderen stimmen. Da hat es mich unglaublich gefreut, dass andere Bands sehr gut für mich abgestimmt haben. Mir ist die Meinung von anderen Künstlern einfach sehr wichtig, weil sie anregend und konstruktiv sein kann. Wer da eigenbrötlerisch ist, verpasst wirklich etwas. Aber davon gibt es in München nicht viele. Ich finde, die Szene ist sehr gut vernetzt. Das sollte auch so bleiben, denn das ist unser Vorteil gegenüber größeren Städten.

 

Klingt alles sehr vielversprechend, oder? Dann sehen wir uns am Freitag, 23. März im Lost Weekend zum Feiern!


In aller Kürze:

Was? Klimt EP Release-Party

Wann? Freitag, 23.3.18, ab 20 Uhr
Wo? Lost Weekend, Schellingstraße 3
Wieviel? 7 Euro/ 14 Euro mit EP // EP: 10 Euro


Beitragsbild: © Leander Wiegemann / Fotos: © Sophie Wanninger

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