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Ein Kunst-KloHäuschen in München? Das steckt hinter dem besonderen Kunstprojekt

Carolin Dithenhof

Carolin Dithenhof

Münchner Kindl wieder zurück in der Heimat. Liebe zum Wiener Schmäh und Kaffeehäusern mit ausgelegten Zeitungen. Marillenknödel for life.
Carolin Dithenhof

Als ich das erste Mal vom KloHäuschen und seinen wechselnden Ausstellungen zu hören bekam, dachte ich mir nur sowas gibt es? Und das auch noch in München? Man muss es einmal selbst gesehen haben um sich ein Bild zu machen von dem kleinen ehemaligen Pissoir auf acht Quadratmetern an der Ecke Oberländerstraße /Thalkirchnerstraße.

So diente es einmal zur Erleichterung der Öffentlichkeit, insbesondere jenen, die in der Großmarkthalle zu tun hatten. Für Schwule war es in den 80er-Jahren dann lange eine Klappe, bis sich die Großmarkthallen entschieden, das Häuschen dicht zu machen.

Der perfekte Zeitpunkt für eine Frau, die in dem kleinen Raum mehr als nur ein stilles Örtchen erkannte und ihm eine Seele gab. Das Klohäuschen war neu geboren. Für Anja Uhlig war es Liebe auf den ersten Blick und für das KloHäuschen begann eine neue Ära, ganz zwecklos.

Foto: Anja Uhlig

KünstlerInnen arbeiten mit dem KloHäuschen zusammen

Als wir uns treffen ist Anja Uhlig, die sich seit fast 10 Jahren jetzt schon als stolze Mieterin bezeichnen darf, noch immer hin und weg von ihrem Klohäuschen. Die gelernte Betriebswirtin und nun auch Künstlerin war damals auf der Suche nach einem eigenen Atelier als sie den Leerstand des Männerklos bemerkte und sich umgehend bei der Großmarkthalle meldete. Die Verwunderung der Großmarkthalle, dass sich wirklich jemand für ein altes Toilettenabteil interessiert, war selbstverständlich groß, aber Raum ist Raum und wenn jemand dafür zahlen möchte, stand einer Vermietung nichts im Weg.

Nach einer großen Putz- und Desinfektionsaktion war für Anja klar, dass KloHäuschen muss mehr sehen als ihre eigenen Arbeiten und vor allem müssen mehr Menschen das KloHäuschen kennen lernen. Seit Februar 2009 haben nun jedes Jahr um die zehn Künstler und Künstlerinnen die Möglichkeit eine performative oder installative Arbeit auszustellen.

(Zuletzt berichteten wir von einer Performance, als das KloHäuschen in einen Spa verwandelt wurde.)

 

Das KloHäuschen will einfach nur sein – ohne Profitgedanken

Das KloHäuschen muss seit dem nicht mehr nützlich sein und niemanden mehr dienen, es ist sozusagen im Ruhestand und kann sich den schönen Dingen widmen. Anjas Beziehung zum KloHäuschen ist personifiziert, es hat eine Seele, kann sprechen und sich beispielsweise auch auf Facebook über gelungene Berichterstattungen oder interessante beherbergte Werke sehr freuen – wohlgemerkt als Person.

Die Beziehung scheint besonders und ein wenig sonderlich zugleich, kann man Uhligs eigentlichen und in gewisser Hinsicht altruistischen Hintergedanken doch wohl sehr gut nachvollziehen. Leerstand in München ist selten, was nicht mehr seine ursprüngliche Funktion erfüllt, wird am ehesten platt gemacht oder kernsaniert, in manchen Fällen verrottet es einfach und wartet darauf kernsaniert zu werden. Eine öffentliche Fläche ohne unternehmerischen Hintergedanken der Öffentlichkeit vertraut zu machen, spricht von sehr viel Herzblut und Leidenschaft.

Das Projekt wird vom Kulturreferat der Stadt München gefördert und bietet somit auch nicht nur Künstlern oder Künstlerinnen eine Plattform sondern auch Menschen, die einfach nur kreativ sein wollen und mit dem KloHäuschen zusammenarbeiten möchten.

Schon das 100. Künstlerduo stellt gerade aus

Über 100 internationale Gäste – Australier und Schweden waren auch schon dabei – konnten bislang das KloHäuschen schon bespielen. Aktuell ist gerade die performative Installation „Like Yourself“ von Julia Schweinberger und Stuart McSpadden zu sehen.

Das Klohäuschen ist nämlich jetzt auch auf Instagram und Instagram ist auch das Thema der kleinen Installation. Da die Ausstellungen in fast allen Fällen von außen zu sehen sind, wird diesmal die gläserne Eingangstür zum Instagram Screenshot mit Titelzeile und Bodenzeile, also genau wie auf der App. Ein Spiegel im Inneren, lässt einem das eigene Selbst erscheinen. Für alle Digitalverweigerer eine Möglichkeit sich selbst im Lichte von Social Media analog zu sehen oder zu fotografieren. Alle zwei Jahre lädt das Klohäuschen übrigens zur Biennale ein und begrüßt mit cleaner Surface – das soll heißen, alle Urinale werden abgedeckt – jeden Kunstbegeisterten.

Wer es noch nicht kennt, sollte dieser originellen Kulturstätte unbedingt einen kurzen Besuch abstatten. Die Installation „Like Yourself“ ist noch bis Ende Januar zu sehen.

Ziemlich coole Rauminstallationen kamen übrigens auch von diesen KünstlerInnen:

Andreas Mitterer, Hummelkammer II
Monika Kapfer, Visite
Carolin Wenzel, Gruta de Saudade


In aller Kürze: 

Was? Das Klohäuschen an der Großmarkthalle

Wo? Thalkirchner Straße / Ecke Oberländer Straße – 81371 München

Wann? Ausstellung „Like Yourself“ von Julia Schweinberger & Stuart McSpadden – Jederzeit sichtbar (Außenansicht)


Foto: Anja Uhlig, Carolin Dithenhof

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