Kultur, Was machen wir heute?

Eine Zeitreise, eine Weltreise, eine Musikreise

Mario Lehlbach
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Zwei Münchner übernehmen ein spanischen Musiklabel und können nun auf eine zehnjährige Erfolgsgeschichte zurückblicken. Sie bringen alpine und mittelalterlich-mediterrane Weltmusik und Elektro-Tango für ein Jubiläumskonzert zusammen.

alAndaluz

Hier der Pressetext:
„‚Von Bayern um die Welt‘ ist nicht nur das Motto des Jubiläumskonzerts des Musiklabels Galileo Music Communication GmbH am Donnerstag, den 22.03.2012 um 19:30 Uhr im Carl-Orff-Saal des Münchner Gasteig. Das Motto stehtauch für die von Daniel Dinkel und Florian von Hoyer im Jahr 2002 gegründete Firma mit Sitz in Spanien und Bayern. So stammen die Musiker der Bands, die das Jubiläumskonzert bestreiten werden aus Bayern, Spanien und Argentinien und zeigen die wichtigsten Stationen in der Geschichte von Galileo Music, deren Schwerpunkt auf Jazz und Weltmusik liegt.
Die Münchner Gruppe FeiScho, die für ein neues und offenes Verständnis der Bayerischen Volksmusik steht, wird den Konzertabend eröffnen. Ihre Musik ist eine wahrlich neue Mischung auf der Grundlage der Bayerischen Volksmusik, die nach allen musikalischen Richtungen offen ist und ein überraschendes und abwechslungsreiches Musikerlebnis garantiert.
Mit drei charismatischen Sängerinnen begleitet von mediterranen Instrumenten präsentiert das Al Andaluz Project mit Musikern aus München (Estampie), Spanien und Marokko die Musik aus der Zeit des mittelalterlichen Spaniens im damaligen Reich Al Andalus in einem zeitgemäßen musikalischen Gewand. Die drei Sängerinnen stehen dabei für die drei dominierenden Kulturen/Religionen Islam, Judentum und Christentum, die damals in friedlicher Koexistenz einen einmaligen Kulturaustausch praktizieren konnten.
Den Geist des Tango Nuevo und vor allem Astor Piazzolla aufnehmend haben Tango Crash als wahre Pioniere den Beginn des Elektro-Tango mitgestaltet. Tango Crash hat dabei immer den Geist des Tango ins Zentrum ihres Schaffens gestellt und mit Hilfe der Elektronik eine anspruchsvolle, tief emotionale und immer der Tradition respektvoll verbundene, wahrlich neue Musik geschaffen.
Wir freuen uns sehr, dass wir für diesen besonderen Abend drei der wichtigsten und charakteristischen Bands der letzten Dekade zu einem einzigartigen Musikfestival gewinnen konnten, das überraschende Musik, grandiose Musiker und viel Abwechslung in einer musikalischen Reise von Bayern um die Welt und vom Mittelalter bis zur heutigen Zeit bietet.“

Zum Jubiläum passend, hier noch ein Artikel aus dem Jahr der Gründung von Marco Eisenack:

Die Klänge des Mittelmeers

Zwei Münchner übernehmen ein spanisches Folk-Traditionslabel

Man kann nur dann Erfolg haben, wenn man weiß, was man will. Von wegen: Daniel Dinkel wusste nur, dass er nach dem Studium eine Sprache lernen wollte – und Französisch sollte es nicht sein. „Als ich nach Spanien ging, konnte ich keinen vollständigen spanischen Satz sprechen.” Drei Jahre später kehrt der Münchner Vorstädter zurück. Als Inhaber einer spanischen Plattenfirma.

In Spaniens Musikwelt herrscht Verwirrung. Das Label Sonifolk gehört zur kulturellen Identität des Landes. Jetzt ist es in den Händen zweier Deutscher. Im September übernahm Dinkel mit seinem ehemaligen Klassenkameraden Florian von Hoyer das Folklabel. „Es ist ungefähr so, wie wenn zwei Spanier Trikont übernehmen würden”, sagt Dinkel schmunzelnd. Der Vergleich mit Trikont passt. Beide Labels haben sich auf musikalische Nebenstrecken abseits des Mainstreams spezialisiert. Als „Geburtshelfer für abenteuerlich vielfältige Musiken, die im Kulturgetriebe und in den Regalen der Konsumleere eigentlich nicht vorgesehen waren”, wie es Trikont-Chef Achim Bergmann nennt.

Musikalische Geburtshilfe ist auch Dinkels Motto: „Noch immer wird in Deutschland spanische Folklore oft auf Flamenco reduziert.” Dieser Stil repräsentiere aber nur Andalusien, erklärt der neue Labelchef. Auf der iberischen Halbinsel bietet sich durch die reiche Geschichte ein riesiger Fundus musikalischer Traditionen. Doch suchten Touristen nach ihrer Rückkehr in Deutschland authentische spanische Musik, blieben sie bisher meist erfolglos. Dinkel und von Hoyer haben das geändert. Inzwischen stehen in den meisten Kaufhausketten CDs aus dem Katalog des Sonifolk-Labels, das die Deutschen auf Wunsch der Witwe des Label-Gründers umbenannten, in Galileo MC.

Sonifolk wurde in Spanien durch den musikalisch-ethnologischen Eifer seines Gründers, Pedro Vaquero, berühmt. Das Firmenethos: die unverfälschte Kultur aus den Regionen bewahren, deren Sprache unter der Franco-Diktatur verboten war. Vaquero reiste in den Siebzigern mit einem einfachen Aufnahmegerät durch mittelalterliche Dörfer im spanischen Hinterland. Die Musik der Straße bannte er schlicht auf Musikkassetten und bot sie den Einheimischen zum Kauf an. Dabei entstand eine einmalige Sammlung regionaler Musik.

Eher zufällig hatte der Musikpädagoge Dinkel nach seinem Studium bei dem Folklabel einen Job bekommen. Zwei Jahre zuvor war der legendäre Firmengründer Vaquero verstorben. Sein Lebenswerk führte die Ehefrau unter großen Mühen weiter. Dinkel bemühte sich, das Unternehmen zu modernisieren. Dabei ging er typisch deutsch vor: „Als erstes tauschte ich die altertümlichen Pulswahl- Telefone aus.” Zwei Jahre später holte er von Hoyer nach Madrid, der als Musiker in Buenos Aires lebte. Bereits in ihrer Schulzeit in Fürstenfeldbruck gründeten sie den Verein Subkultur und wurden zum Sprachrohr der Jugendkultur gegenüber der Stadt.

Mit ihrer Macher-Mentalität überzeugten sie Mercedes Vaquero, die Frau des Sonifolk-Gründers, schnell davon, dass sie die geeigneten Nachfolger für das Erbe ihres Mannes seien. „Wir haben schon immer gern nach den Sternen gegriffen”, scherzt Dinkel. So überschrieb die Witwe das Label an die Deutschen. Kostenlos – „aber mit allen Risiken hinsichtlich der laufenden Ausgaben”, betont Dinkel.

Hoffnung setzt Galileo MC besonders auf die Band L’Ham de Foc. Sie hat das Potenzial, zum Trendsetter einer neuen Mittelmeermusik zu werden. Mit der eindringlichen Stimme der Sängerin Mara Aranda und den altertümlichen Saiteninstrumenten des ehemaligen Rockmusikers Efrén López ist es die einzige europäische Band, die es auf der Jahres-Bestenliste der Weltmusikcharts in die Top-Ten schaffte. Die Band ist exemplarisch für Spaniens neue Folklore- Bewegung. Das Duo interpretiert die Musik aus der Region Valencia neu und verwebt sie mit Stilen aus der griechischen, balkanischen und der nordafrikanischen Kultur. Dabei dominieren ungewohnte Melodien, Polyrhythmik und Viertelton-Harmonien. Während sich von Hoyer um den Firmensitz in Madrid kümmert, feilt der Spanien-Rückkehrer Dinkel in Grafrath an dem Durchbruch von Galileo MC. Bis es soweit ist, findet sich die Deutschland-Zentrale in Dinkels altem Kinderzimmer. Auf 25 Quadratmetern drängeln sich das multimediale Büro, ein überquellendes CD-Lager, Poststelle, Tonstudio und Schlafcouch. Und das Telefon, an dem der Chef fließend spanisch spricht.“

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