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Einfach nur Bad: Michael Jackson im Bayerischen Hof

Benjamin Brown

Und irgendwie lande ich dann doch immer wieder in München…
Big love für Politik, Musik und Reisen

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Benjamin Brown

Die wahrscheinlich skurrilste (nicht im positiven Sinne) PR-Veranstaltung, die ich mir je gegeben habe, beginnt vor dem Bayerischen Hof. Als ich ankomme, wartet schon ein Meer aus ungeduldigen Fernsehteams, Fotograf*innen und Radiomacher*innen. Eine hohe Politikerin, internationaler Weltstar oder einfach nur lebender Promi in München? Fehlanzeige.

Aus der schwarzen Limousine, die vor dem Luxus-Hotel vorfährt, springt Michael Jackson. Oder besser: springen Michael Jacksons.

Zum 10. Jahrestag des Todes des „King of Pop“ haben die Veranstalter*innen hinter dem Musical „BEAT IT! – Die Show über den King of Pop!“ die Hauptdarsteller der Michael Jackson Tribute-Show eingeladen. Und so stellen sich zwei Michael Jacksons dem Blitzlichtgewitter. Einmal der jüngere „Jacko“, einmal der ältere – letzterer sieht dabei sogar wie Michael Jackson aus.

Held, Idol, King of Pop

Zahlreiche Wegbegleiter des Musikers sind gekommen, um ihren Helden, ihr Idol, ihren „King of Pop“ zu feiern. Neben einem ehemaligen Bodyguard und einem Tänzer, der mit Michael Jackson aufgetreten ist, ist auch Alexander Gernandt, „MJ-Insider und Ex-BRAVO-Chefredakteur“ dabei. Gernandt hat „MJ“ 16 mal getroffen. Darauf wird mindestens 16 mal hingewiesen.

Echte Insider treffen auf Fans: Mit dabei sind nämlich ein Sammler originaler MJ-Kleidung(!) und die Initiatorin des Michael Jackson-Denkmals am Promenadeplatz und des Fanclubs „MJ’s LEGACY Association International e.V. ® – The Michael Jackson Memorial Munich – Help The Children Initiative“ ©“. Mit dabei ist außerdem eine anscheinend recht bekannte Bloggerin und weitere Celebrities.

Und so zieht der Trupp hechelnder Journalist*innen und Prominenter in die Suite, die der King of Pop bei seinen Aufenthalten in München bewohnte. Es gibt Häppchen und kalte Getränke. Das eigentliche Highlight ist aber ein anderes: Fotos mit den beiden Michael Jacksons.

Diese einmalige Gelegenheit habe ich mir natürlich nicht entgehen lassen

Nun kommt der Auftritt der MJ-Wegbegleiter: Sie erzählen, wie sie den King of Pop kennenlernen durften. Einige Anekdoten sind sogar ganz spannend – nachdem ich sie dann irgendwann bei den unzähligen Interviews Mal für Mal wortgleich höre aber irgendwann nicht mehr.

We love you, Michael!

Sei’s drum, die Greatest Show on Earth muss weitergehen. Zwar feiert man Michael Jackson, aber der Anlass ist ein trauriger: Schließlich ist man zum 10. Todestag des Künstlers zusammengekommen. Vor dem Jackson-Denkmal gibt es eine Trauerminute. Ich werde durch einen schrillen Schrei aus meinen Gedanken geweckt: „We love you, Michael!“ Ein Schauer läuft mir den Rücken hinunter. Ob es der Schrei oder die Skurrilität der Situation ist, kann ich nicht sagen.

Ein kleines Medley aus MJ-Songs (aufgeführt von den beiden Michael Jacksons und einem Chor) später, sind die anwesenden Promis und Journalist*innen wieder zum Mitmachen aufgefordert: Diesmal wird dem King of Pop gehuldigt, indem rote Rosen und weiße Kerzen an sein Denkmal gelegt werden.

Schlechter Thriller

Zum Ende der Promo-Veranstaltung tauen die Kolleg*innen der Presse langsam auf, merken vielleicht, dass sie hier für ein kommerzielles Event eingespannt werden und kostenlose Werbung machen und beginnen, kritische Fragen zu stellen. Die Vorwürfe des Kindesmissbrauchs gegen Michael Jackson kommen auf – und werden konsequent abgeblockt. Man könne ihm nichts nachweisen, man selber habe ihn nie so erlebt, er käme eben mit Kindern besser zurecht als mit Erwachsenen und man lasse sich seinen „King of Pop nicht nehmen!“

Nach zwei Stunden werde ich entlassen. Um mich herum summen einige noch MJ-Songs. Von mitgebrachten Plakaten, bedruckten Taschen und T-Shirts lacht mich Michael Jackson an. Was soll’s, I won’t let it get me down.


Fotos: © Florian Kraus

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