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Erste Einblicke ins Lovelace: Florian Süssmayr zeigt Hotelbilder

Barbara Lersch

"samma uns ehrlich das leben is herlich
manchmal beschwerlich und manchmal is gefährlich"(a geh)
Barbara Lersch

Kunst in Hotelzimmern ist meist eine recht geschmacklose Angelegenheit. Hoch im Kurs sind schlechte Drucke von Kandinsky, Van Gogh oder Klimt – wenn man ganz viel Pech hat auch wahlweise kitschige Fotos von Sonnenuntergängen oder Stillleben mit regionaltypischen Produkten.

Das Münchner Zwischennutzungshotelprojekt „The Lovelace“, über das wir hier auch schon ausführlich berichtet haben, konnte für die künstlerische Gestaltung ihrer Hotelzimmer den Münchner Künstler Florian Süssmayr gewinnen.

Motive rund um den Münchner Hauptbahnhof

Für 30 Hotelzimmer gestaltete der Maler unter dem Titel „Florian Süssmayr zeigt Hotelbilder“ Tapeten, die meist eine zentrale Wand in den Räumen einnehmen.
Abgebildet sind Muster, Porträts oder Menschenmassen. Die Motive hat Süssmayer rund um den Hauptbahnhof, in Wirthäusern und im Münchner Rotlichtmilieu gefunden, abfotografiert und dann abgemalt. Bis das Kunstwerk zur Tapete wurde, war es also bereits ein Foto und ein Gemälde.

Einige Bilder sind mit Kratzern versehen, die an solche erinnern, die bleiben wenn man mit einem Schlüssel über einen Mercedes Benz fährt. Auf jeder Tapete erkennt man die Umrisse des Fotografen. Schwere Vorhänge in schmeichelnden Farben umrahmen die Tapeten und vermitteln den Eindruck, nur Ausschnitte der Kunstwerke einsehen zu können. Das Konzept geht auf: Der Büroraumcharm ist einer angenehmen, geschmackvollen Atmosphäre gewichen.

Florian Süssmayr war viel in der Münchner Punkszene unterwegs, spielte in einer Band, gründete eine linksradikale Aktionsgruppe. Den großflächigen Tapeten sieht man den Punk auf den ersten Blick nicht an. Auf den zweiten schon eher. Und trotzdem wird er vielen Hotelgästen verborgen bleiben.
Vielleicht auch, weil aus der „Funky Zwischennutzung“ ein Designhotel geworden ist, das sich nicht jeder leisten kann und vielleicht auch gar nicht leisten will. Es ist ein Hotel geworden, wo es besondere Tapeten gibt, neben Vitrasessel und schweren Vorhängen von Kvadrat. Schön zum Anschauen ist das allemal – aber schön wäre auch, wenn an diesem Ort noch Raum bleibt für Dinge, die es in München nicht bereits schon gibt. Das Programm, welches dann ab September täglich im Hotel stattfindet, wird zeigen, wieviel „Punk“ wirklich im „The Lovelace“ steckt. Wir dürfen gespannt sein.


Bilder (c): Barbara Lersch

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