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Es darf gelacht werden: Das „Ja und weiter – Comedy Open Mic“

Aylin Dogan

„Man hat mir gesagt, dass ich ein Image auf der Bühne brauche. Also habe ich ein Bild von mir mitgebracht“, sagt Manuel Engelfried und zeigt dabei ein Kinderfoto von sich. Das Publikum ist begeistert, fast alle lachen, manche klatschen. Ein gelungenes Wortspiel. Was hier gerade passiert? Comedy – und das in München.

Comedy im grantigen München

Aber von Anfang an. Wie geht das überhaupt zusammen? Comedy und München, die Stadt, von der es immer heißt, dass ihre Bewohner im Dauerstress und in einem immerzu grantigen Zustand seien. Man mag gar nicht glauben, dass wir auch gerne lachen. Ein Blick auf die aktuelle Unterhaltungsszene hier bestätigt zum Teil diese recht traurige Annahme. Es gibt nur wenige, Comedy-Veranstaltungen. Die meisten finden so sporadisch statt, dass sie einen Geschmack von „In zwei Wochen gehe ich auf diese Veranstaltung, zahle Eintritt und will um jeden Preis unterhalten werden und lachen“ haben.

Und ja, dass würde auch wieder auf die Klischees von München zutreffen. Vor zwei Monaten hat sich dann aber doch tatsächlich etwas in der Stadt getan. Zwei Comedians waren genau von davon genervt und wollen ein altbewährtes Konzept neu auflegen. Mit der neuen und ersten wöchentlichen „Ja und weiter – Comedy Open Mic“ Bühne weht nun eine frische Brise durch die verstaubte Unterhaltungsszene.

Von Zweien, die verreisten, um Comedy zu lernen

Hans Thalhammer und Sebastian Ulrich sind zwei Typen, die für den perfekten Witz leben. Comedy ist für die beiden mehr als nur eine lustige Sendung zur Primetime; es ist vielmehr ein Lebensgefühl und harte Arbeit. Das sind zwei, die ihren Jahresurlaub in Berlin verbringen, nur um dort von anderen Comedians zu lernen und sich Inspiration für eine neue Veranstaltung in der Münchner Szene zu holen. Die wöchentliche Open Stage im Cord Club hat sich für sie nicht stark genug auf Comedy konzentriert, das „Awkward Silence“ im Lost Weekend fand für die beiden dagegen nicht oft genug statt.

Gesehen, Gelernt, Gegründet: Die „Ja und weiter – Comedy Open Mic“ Bühne, die jeden Dienstag um 20 Uhr in der Bar Holzkranich beim Josephsplatz stattfindet. Neben guter Unterhaltung soll dies vor allem zu einem Ort werden, der besonders den Comedy-Anfängern und Hobbykomikern einen Platz zum Ausprobieren und Experimentieren bietet.

„Wir brauchen in München eine junge Comedy Szene. Etwas, was bisschen abseits von Großveranstaltungen und abseits von dem Kabarett ist. Wir wollen einfach Stand-up Comedy in der Stadt haben und jungen Menschen die Möglichkeit geben, ungezwungen aufzutreten“, erklärt Thalhammer die Idee dahinter.

Kostenlose Unterhaltung von Jedem für Jeden

Der Vorteil einer wöchentlichen Bühne ist der, dass für jeden, der Comedy machen will, schnell ein Auftritt möglich sein sollte. Wer selbst Lust darauf hat, mitzumachen, muss kein Video vorweisen oder bei einem persönlichen Gespräch erstmal noch seinen Lieblingswitz erzählen. Jeder, der in die jeweilige Facebook-Veranstaltung „Spot“ postet, hat die gleichen Chancen auf die Bühne zu kommen. Alles, was die Comedians dann noch tun müssen, ist es, sich ein siebenminütiges Programm zu überlegen.

Was so einfach klingt, macht auch vielen Lust, die wirklich noch nie etwas damit zu tun hatten, wie zum Beispiel in Engelfrieds Fall. In seinem Freundeskreis war er bereits bekannt als „Meister der Wortwitze“ und Komiker, aber erst mit der offenen Bühne hat er gesehen, dass er damit auch auftreten kann. Die Veranstaltung soll solche Anfänger fördern und gleichzeitig das Thema Comedy mehr im Bewusstsein der Menschen etablieren. „Wir wollen langfristig, dass Comedy so etwas wird wie Fußball oder Musik. Es soll ein Thema werden, worüber die Leute reden. Sobald ein Thema präsenter in der Öffentlichkeit ist, gibt es auch mehr Menschen, die sich dafür interessieren“, sagt Thalhammer, der sich dazu entschieden hat, keinen Eintritt zu verlangen.

Das Open Mic ist kostenlos. Wir wollen, dass die Leute einfach mal hingehen können, ohne zu überlegen. Comedy soll einfach da sein, ohne große Barrieren, ohne Türsteher und ohne vorher ein Ticket kaufen zu müssen.“

Zum Lachen geht es in den Keller

Betritt man nun dienstags den Kellerraum des Holzkranichs, dann kann man sich auf einen der Stühle oder Bänke setzen und blickt erst einmal auf eine kleine, belichtete Holzbühne im Eck. Die hat Thalhammer selbst extra für die Veranstaltung gebaut. Auf dieser steht zu Beginn der Veranstaltung nichts weiter als ein Mikrofonständer. Ab 20 Uhr dürfen dann acht Comedians ran. Die Moderationen übernehmen abwechselnd Thalhammer und Ulrich. Man merkt schnell, was für ein Herzensprojekt es für die beiden ist. Sie stecken viel Arbeit rein und es scheint sich auszuzahlen.

Das Feedback der ersten Ausgaben war besonders gut. Dass dieses neue Event wirklich eine fehlende Lücke in der Münchner Unterhaltungsszene füllt, zeigt der Auftritt von Comedian Michael Mittermeier. Dieser, der in der Nähe von München lebt, war von der Umsetzung einer offenen Bühne sehr angetan und hat direkt angefragt, ob er selber einige seiner neuen Gags vor einem lockeren Publikum ausprobieren darf.

Ein erfolgreicher Startschuss

Bei einer hohen Nachfrage steigt natürlich auch das Angebot. Das ist einfache Wirtschaftslogik, die man in der 10. Klasse lernt. „Mit genügend Leuten, die das Zeug bespielen, kann es auch deutlich mehr Open Mics geben.“ Das zeigt sich jetzt auch schon mit der nächsten weiteren wöchentlichen Comedy Open Mic Veranstaltung „Sprungbrett“ in der Vanilla Lounge an der Münchner Freiheit. Das freut nicht nur Thalhammer und Ulrich, sondern auch alle Leute wie mich, die einfach mal spontan Lust auf einen amüsanten Abend in der Stadt haben.


In aller Kürze:

Was? Ja und weiter – Comedy Open Mic

Wo? Holzkranich, Georgenstraße 105, 80798 München

Wann? Jeden Dienstag um 20 Uhr


Beitragsbild: © Hans Thalhammer

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