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Post-Punk von der Insel in die Landeshauptstadt: Sleaford Mods kommen ins Backstage

Aylin Dogan

"Manche Menschen sind nie verrückt. Was für ein wahrhaft grauenvolles Leben!" (Bukowski).
Aylin Dogan

Ein aggressives „Sit down! Shut up! I’ll talk!“ würde man reflexartig wohl eher mit einem Polizeiverhör oder Politikergeschwafel assoziieren, statt mit einer Post-Punk-Bewegung. Alte Männer und Frauen, die im Unterhaus sitzen und den Leuten die Welt erklären, ihnen vorgeben, wie sie zu leben haben (und höchstens vom Speaker zu „Order!“ gerufen werden).

Na gut, Sleaford Mods aus Nottingham sind zwar auch alte Männer, nutzen die Worte zu Beginn aber mehr auf ironische Weise, um den derzeitigen Politikstil erfahrbar zu machen.

Eton – Aufgefressen von der Elite

Im Februar ist das 5. Album des Punk-Duos bestehend aus Sänger Jason Williamson und Komponist Andrew Fearn erschienen. Auf „Eton alive“ kommen 12 Tracks zusammen, die das Gefühl der Ohnmacht und Leere und die daraus entstehende Wut gegenüber der aktuell gesellschaftlichen Situation vereinen.

Der Brexit macht wütend und noch mehr der Chef an ihrer Spitze: Boris Johnson. Kein Wunder also, dass sie sich schon in ihrem Albumtitel auf ihn und seines Gleichen beziehen, denn das Eton College ist eine berühmte britische Elitehochschule, zu deren bekanntesten Abgängern Johnson zählt.

Gleichzeitig klingt „Eton alive“ ausgesprochen wie „lebendig aufgefressen“. Bei lebendigem Leibe aufgefressen von den eloquenten und „vornehmen“ Phrasen der Briten, hinter denen oft nur heiße Luft und keine besondere Zauberei steckt, wie sie in „Policy Cream“ ansprechen:

„To the sound of nothing as it breaks the spell / There’s no witchcraft here, it’s just fucking hell“

Aber was wären Fearn und Williamson denn auch für Punks, wenn sie für mehr Regeln, für mehr Staatsmacht und für mehr Grenzen wären. Sie sind sauer, der Frust muss raus und dementsprechend ist ihr Sound hart. Und trotzdem, in kurzen Momenten, strahlt auf dem aktuellen Album auch eine leichte Melancholie durch, sofern das Punk-Rap zulässt. Bei „When you come up to me“ hört man Williamson sogar mal singen.

Minimalistischer Auftritt vs. intensive Wirkung

Live wirkt es, als würden die beiden durch ihren Sound und die Texte in eine Art Trance verfallen. Besonders das Auftreten des Sängers ähnelt – und man traut es sich schon fast nicht zu sagen – einem Ausdruckstanz. Minimalistische Bewegungen, linkes Bein hoch, rechtes Bein hoch, ein wenig hin und her tippeln und dabei aber doch irgendwie an der gleichen Stelle stehenbleiben. So als würde Williamson auf dem meist monotonen Sound schweben. Fearn stimmt dem ganzen immer mit Kopfnicken von seinem Laptop aus zu.

So einfach wie ihre Shows daherkommen mögen, so intensiv und wuchtig treiben sie einem die Energie in die Beine. Am 16.10 kommen sie endlich wieder nach München ins Backstage!


In aller Kürze

Was? Sleaford Mods

Wann? Am 16. September um 20:00 Uhr

Wo? Im Backstage Werk, Reitknechtstrasse 6, 80639 München

Wieviel? ca. 28€ im VVK und 30 € an der Abendkasse


Foto: Presse/Melt Booking

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