Live

Folk/Singer-Songwriter aus Norwegen: Jonas Alaska spielt in München

Gloria Grünwald

Jonas Alaska press 1

Jonas Alaska
Tonight

(popuprecords)

Musik aus dem Norden. Wo in den 1970ern ABBA alles andere überstrahlte, in den 80ern und 90ern die meisten nur Roxette mit der Region verbanden, hat sich in Skandinavien mittlerweile eine Vielfalt ausgesprochen großartiger Musiker von Pop über Indie und Rock bis zu Singer-Songwriter Mukke entwickelt.
Spontan fallen mir da z.B. Mando Diao ein, mit einem MTV Unplugged Album geadelt, oder die Rocker von The Rasmus, die Schwestern von First Aid Kit, Johnossi mit ihrem Ohrwurm „Man Must Dance“, oder die Däninnen von Darkness Falls mit elektronisch angehauchtem Pop. Große internationale Charterfolge feierten besonders in den letzten Jahren auch Marit Larsen oder das Duo Icona Pop aus Norwegen und Schweden.

Der Name Jonas Alaska begegnete mir zum ersten Mal an einer zutapezierten Wand versteckt zwischen den Plakaten anderer Künstler, die mit ihren Mustern und bunten Prints unmissverständlich Aufmerksamkeit zu erregen suchten. Inmitten diesen bunten Schauspiels also Jonas Alaska, ein blasser, schlaksiger Kerl mit Hut und langen, blonden Haaren, die ihm in Wellen auf die Schultern fallen. Die großen, traurigen Augen schauen einen direkt an. So simpel dieses Motiv auch ist, so sehr schafft der Ausdruck in Jonas Alaskas Gesicht, mich für sich einzunehmen, mich neugierig zu machen auf seine Musik.

In seiner Heimat Norwegen ist Jonas Alaska neben seinen Kollegen und großen Namen der Popmusik Marit Larsen und Mikhael Paskalev landesweit bekannt. Er wurde sogar schon mit dem „norwegischen Grammy“ genannten Spellemannprisen ausgezeichnet. Ende Februar erschien auf dem in Hamburg ansässigen Label popuprecords Tonight in Deutschland, Österreich und der Schweiz, eine Auswahl der besten Songs seiner bisher nur in Norwegen gehörten Veröffentlichungen.
Charakteristisch für seine Musik: er bereichert seinen Singer-Songwriter Pop mit Folk- und Country-Elementen, was viele Rezensenten Parallelen zum jungen Bob Dillon sehen lässt. Tatsächlich drängt sich dieses Bild gerade bei Videos seiner Live-Performances – schmaler Typ mit Kopfbedeckung und Gitarre – geradezu auf. Ausgefeilt hat Jonas Alaska seinen Stil, wie auch übrigens Kollege Paskalev, während seines Studiums am Liverpool Institute for Performing Arts.

Jonas Alaska press 2

Die Auswahl auf Tonight führt uns mit ihren sehr persönlichen Texten durch emotionale Hochs und Tiefs. Auf ruhige, nachdenkliche Stücke folgt ein optimistischer Track in peppigem Tempo, mit gemischten Chören im Hintergrund an eine Art Gassenhauer erinnernd, bevor uns Jonas Alaska dann wieder mit sehr direkten und tieftraurigen Texten zu berühren weiß. Schockierend dabei, welch eine große Rolle der Tod im Leben eines so jungen Mannes schon gespielt hat, dafür umso beeindruckender, wie er seine Erfahrungen mithilfe der Musik zu verarbeiten weiß und uns wie in „October“ oder „If Only As A Ghost“ an seinem Schmerz teilhaben lässt.

Im Song „If Only As A Ghost“ besingt er die Beziehung zu seinem verstorbenen Bruder, seine Trauer und die Herausforderung, seinen Tod zu akzeptieren und nach vorne zu schauen. Mit diesem Text und Jonas‘ Stimme, die in manchen Passagen des Lieds beinahe bricht, zerreißt es einem beim Zuhören das Herz. Nach dem ersten Hören habe ich einen dicken Kloß im Hals, erst beim zweiten und dritten Mal wird mir die Schöhnheit des Textes vollkommen bewusst. Ein starker, wenn nicht der stärkste, Song auf diesem Album. Der Klang der Acoustic Gitarre verhallt, nur um in „How Could I Forget“ temporeicher zurückzukehren, diesmal unterstützt von Klavier, einem stampfenden Rhythmus und einer Mundharmonika, die eine Prise Lagerfeuer-Feeling ins Spiel bringt. „Come On And Dance“ lässt die Beine dann so richtig kribbeln und einen vor lauter Lust zu tanzen kurz die melancholische Grundstimmung des Albums vergessen.

Tonight ist eine Platte, auf deren poetische Texte und Stimmungsschwankungen man sich bewusst einlassen muss. Die Gefühlsachterbahn mag auf den ersten Blick anstrengend klingen, doch wer aktiv zuhört und sich den Geschichten hingibt, die Jonas uns erzählt, der wird dafür belohnt!

Am 26.05. spielt Jonas Alaska in der Unter Deck-Bar am Oberanger 26.
Beginn: 20:00 Uhr
Tickets im Vorverkauf für 14,75 € , z.B. hier erhältlich.
www.jonasalaska.com
Facebook

Fotocredits: Popuprecords

No Comments

Post A Comment

Simple Share Buttons
Simple Share Buttons