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Frauen* an die Turntables – es wird Zeit!

Sophia Hösi

Sophia Hösi

Obligatorische Redaktionsschwäbin (wir sind überall)
Wahlmünchnerin seit 2013, zu finden irgendwo zwischen Ostbahnhof und Sendlinger Tor, wahrscheinlich an der Isar.
Sophia Hösi

Starten wir doch einmal mit einem Experiment: Wer fällt dir als erstes ein, wenn du an elektronische Musik denkst? Wahrscheinlich denkst du jetzt an einen Mann hinter den Plattentellern. Wir können dieses Gedankenexperiment auch noch weiterführen: Wie viele Frauen* fallen dir denn ein, die in diesem Genre aktiv sind?

Mein Punkt ist wahrscheinlich klar geworden. Und auch wenn es mittlerweile selbstverständlich sein sollte, dass Frauen* bei Musikveranstaltungen genau so vertreten sein sollten wie ihre männlichen Kollegen, scheint es immer noch ein echtes Problem zu sein. Zuletzt bewies das Booking von Hurricane und Southside keinerlei Feingefühl und Zeitverständnis, was das Thema angeht – die erste Bandwelle bestand zu 100 Prozent (!) aus männlichen Musikern.

Doch woran liegt es, dass Frauen* in der Musik so unterrepräsentiert sind?

Haben sie gegen ihre männlichen Kollegen keine Chance? Sind sie einfach nicht so gut? Liegt es an einem akuten Mangel an Vorbildern, dass Frauen* garnicht erst auf die Idee kommen, selbst Musik zu machen? Und wenn Frauen* keine Musik machen, woher sollen dann solche Vorbilder kommen?

Anfang des Jahres haben wir uns mit Julia Bomsdorf vom Kollektiv WUT unterhalten, die sich gezielt dafür einsetzt, mehr Frauen* hinter Münchens Plattenteller zu bringen. Und auch Veranstaltungsreihen wie Marry Klein, bei der das Harry Klein für einen Monat ausschließlich von Frauen bespielt wird oder Queer Squad in der Roten Sonne kümmern sich um mehr Diversität in der Münchner Szene. Doch sobald man diese Clubs außer Acht lässt, sieht es schon wieder mau aus (der Dezember im Neuraum ist zum Beispiel eine reine Würstlparty). In der Regel findet man Frauen dort nur mit wenig Bekleidung auf Plakaten, die für die nächsten Veranstaltungen werben.

Und genau da liegt doch das Problem

In der Clublandschaft sind Frauen* immer noch nicht als aktive TeilnehmerInnen angesehen. Darauf macht auch Julia Bomsdorf aufmerksam, als sie uns gegenüber erklärt, dass sie immer noch „Komplimente“ der Art „für eine Frau hast du aber einen echt guten Musikgeschmack“ bekommt – als wäre die Vorstellung von einer Frau* mit reflektiertem Musikgeschmack eine echte Rarität. Tanzen und nett aussehen scheint die Devise zu sein – und die scheint so verinnerlicht, dass nur wenig Frauen* überhaupt auf die Idee kommen, sich selbst hinter Plattenteller zu stellen. Auch wenn sie die Möglichkeit dazu hätten.

Turn Table Tennis Women* Special

Auf diese Tatsache sind auch Kathi Ahrendt und Jonas Haesner gestoßen. Seit einigen Monaten organisieren sie im Import Export gemeinsam die Veranstaltungsreihe Turn Table Tennis. Dabei handelt es sich um eine Open Decks Veranstaltung, bei der es für alle die möchten, die Chance gibt, sich als DJ zu versuchen. Ganz unabhängig von Genre und Geschlecht. Kathi und Jonas möchten jungen DJs so eine Plattform geben, sich auszuprobieren und gegenseitig kennenzulernen – alles im „geschützten Rahmen“. Die Veranstaltungen laufen, sind gut besucht, man reißt sich um Slots, um selbst einmal auflegen zu können. Und trotzdem stehen wieder größtenteils Männer hinter den Turntables.

Im Dezember wagen Kathi (die übrigens selbst bei WUT aktiv ist) und Jonas ein Experiment: Sie überlassen das Auflegen ausschließlich Frauen* und hoffen damit, dagegen anzukommen, dass Frauen* in der Musikwelt so deutlich unterrepräsentiert sind.

Denn wenn Frauen* präsenter sein sollen, muss irgendwo ein längst überfälliger Schritt gemacht werden.


In aller Kürze:

Was? Turn Table Tennis Women* Special

Wann? 5. Dezember ab 17:30 Uhr 

Wo? Import Export, Dachauer Straße 114

Eintritt frei


Beitragsbild: © Unsplash/Hardini Lestari


Was hat es mit diesem Sternchen hinter Frauen* auf sich? Nur, dass in Deutschland nach wie vor noch kein „drittes Geschlecht“ anerkannt ist, heißt nicht, dass es keine Menschen gibt, die sich nicht dem binären Geschlechtersystem zugehörig fühlen. Hier soll niemand ausgeschlossen werden, nur weil Mann oder Frau nicht die korrekten Attribute sind. 

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