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Fußball + Ballett = Fußballett? | Uraufführung HATTRICK im Münchner Gärtnerplatztheater

Gloria Grünwald

Wer denkt, dass Fußball und Tanz nichts miteinander zu tun haben, der sollte jetzt weiterlesen. Das Gärtnerplatztheater zeigt noch bis Samstag, den 14. März, „HATTRICK“, eine Komposition aus drei Tanzstücken, als Premiere.

Zu jedem Fußballspiel pilgern massenhaft Fans ins Stadion, um die Körper athletischer Spieler zu begaffen, bestaunen und bejubeln, sie im Gefecht anzufeuern. Jede Begegnung zwischen der eigenen Mannschaft und dem Kontrahenten wird, wie der Tanz zweier konkurrierender Partner, beobachtet. Auch wenn die Bewegungsabläufe nicht einstudiert wirken, gleichen sie doch einer Choreografie, erdacht vom Mannschaftstrainer, eingebettet in die Anweisungen des Schiedsrichters, dem Reglement des Spieles folgend. Hart im Nehmen, geschmeidig in der Bewegung, rasant im Lauf und zielsicher im Schuss müssen die stählernen Leiber der Spieler funktionieren wie geschmierte Getriebe, um nicht den Zorn der Fans zu provozieren. Was sich hinter der Schnelligkeit, der Wendigkeit und der geballten Kraft verbirgt, bleibt unerkannt, denn von Interesse ist ausschließlich der Heldenmythos: stark und hart, körperlich unempfindsam und unbeirrt dem Siege nahe – Teamplayer, Macher und Identifikationsfigur schlechthin. Genau hier, wo der Körper des Athleten zum Element eines Marktes wird, dessen Leistung an den Grenzen des physisch Möglichen seinen Wert bestimmt, treffen sich Leistungssport und Tanz.

Gärtnerplatztheater_HATTRICK_A Dance Tribute to the Art of Football_Marie-Laure Briane_1
Fotocredit: Marie-Laure Briane via Staatstheater am Gärtnerplatz

Die Choreografen Jo Strømgren, Schöpfer des ersten Fußball-Balletts, der italienische Star-Choreograf Jacopo Godani und Marco Goecke, seit 2005 Hauschoreograf des Stuttgarter Balletts, befassen sich in einem dreiteiligen Ballettabend mit dem nach außen hin unverletzbaren männlichen Körper als mythisch überhöhtes Symbol für Macht, Potenz und Kraft. Fußball als massentaugliches Ballett, Ballett als bedingungsloser Leistungssport – was letztlich fasziniert, ist das Können im Spiegel des eigenen Unvermögens, ob in der Sportarena oder auf der Theaterbühne.

Begonnen hat alles mit der Fußballbegeisterung unseres Ballettdirektors Karl Alfred Schreiner. Er traf die Auswahl der drei Choreographen für „HATTRICK“. Das Projekt hat Schreiner der FC Bayern Erlebniswelt vorgestellt, die so begeistert war, dass sie einer Kooperation zustimmte. In den drei Stücken „A Dance Tribute to the Art of Football“ (Jo Strømgren), „Cry Boy“ (Marco Goecke) und „VERSUS STANDARD“ (Jacopo Godani) kommen die Tänzer in den Augen des Publikums an ihre körperlichen Grenzen.

Gärtnerplatztheater_HATTRICK_VERSUS STANDARD_Marie-Laure Briane_2
Fotocredit: Marie-Laure Briane via Staatstheater am Gärtnerplatz

Die Tänzerinnen und Tänzer des Gärtnerplatztheaters sind in die FC Bayern Erlebniswelt gekommen, um dort die impulsive Kraft des Tanzes zu zeigen. Ausschnitte aus der HATTRICK-Choreografie sind in einem einzigartigen Trailer mit der Musik von 48nord zu sehen. 82 Sekunden, die viel über Fußball und alles über Tanz zeigen:

Was? HATTRICK: Drei Fußballstücke (Uraufführung), von Jo Strømgren, Marco Goecke und Jacopo Godani,
Musik von Jørgen Knudsen, Flugschädel, Umberto Giordano, Alfredo Catalani, Gaetano Donizetti, The Cure und 48nord
Wo? Reithalle, Heßstraße 132, 80797 München
Wann? Von 7.-14. März 2015

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