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Gewohnheit vs. Veränderung: die bittersüße Rückkehr nach NYC

Birgit Buchart

Fast genau ein Jahr nachdem ich New York nach einem dreimonatigen Aufenthalt verlassen musste, bin ich wieder zurück in der Stadt meines Herzens. Damals war für mich hier alles neu und aufregend, es war mein erstes Mal in der Millionenmetropole und drei Monate lang habe ich sie Stück für Stück entdeckt, erforscht, analysiert und lieben gelernt. Dieses Mal fühlt es sich anders an. Weniger wie ein aufregendes Abenteuer und mehr wie das langersehnte Heimkommen und die damit verbundene Angst vor zu viel Veränderung. Und Trump.

Der vertraute Duft der Stadt

In den Wochen vor meiner Abreise, wie auch während des gesamten Fluges, konnte ich das Gefühl nicht so recht zuordnen und war überrascht, wie wenig Aufregung meine Reise dieses Mal in mir auslöste. Aber mit dem endgültigen Verlassen der immer gleichen Flughafen-Welt, atmete ich an der Howard Beach Station die erste New York-Luft ein. Die Brise, die mich auf der Rolltreppe überraschte, war warm, duftete nach Meer und weckte in mir ganz plötzlich ein unglaublich starkes Gefühl der Vertrautheit. Ich hatte den Duft zuvor weder bewusst wahrgenommen, noch könnte ich ihn jetzt beschreiben. Es muss ein dezenter, milder Geruch sein, der sich damals langsam aber tief in mein Hirn einbrannte und geduldig an der selben Stelle nur darauf gewartet hat, mir wieder in Erinnerung zu schießen. Diese erste Brise frischer New Yorker Meeresluft war es, die in mir ganz unerwartet noch viel größere Aufregung hervorrief, als beim letzten Mal: Das Gefühl vom Heimkommen.

Vieles hat sich hier verändert, seit ich abgereist bin

Damals lag große politische Hoffnung in der Luft: „Feel the Bern!“ an jeder Ecke. Dann der erste Rückschlag. Aber die New Yorker kämpften optimistisch weiter für ihre Überzeugung, es herrschte immer noch ein Gefühl der Revolution als ich damals im Mai abgereist bin. Und dann kam doch alles anders. Nach meinem ersten Tag zurück ist es schwer zu sagen, wie sich die Stimmung nach dem Rückschlag vor ziemlich genau 100 Tagen hier entwickelt hat, aber ich versuche angestrengt, ein Gefühl dafür zu entwickeln.

Mein erster Tag ist unglaublich schön

Sonne, Sommerkleider, Eiscafés und die geliebte Dachterrasse meiner Wohnung, die mir immer wieder aufs Neue den Atem raubt. Parks und Backyards sind wieder mit Leben gefüllt und für mich persönlich überschlagen sich die schönen Erinnerungen mit glücklichen Momenten des Wiedersehens. Und dann sehe ich wieder einen alten, halb abgerissenen Bernie Sanders-Sticker in der U-Bahn und die Stimmung kippt. Es wirkt fast schmerzhaft ironisch.

Ähnlich erging es mir auch mit anderen kleineren Veränderungen

Zum Beispiel als ich heute Morgen mein Apartment verliess und am Weg zur U-Bahn an einer „Artichocke’s“-Pizzeria vorbeikam – das erste Kettenrestaurant in Bushwick, brach mir beinahe das Herz. Und auch beim Betreten meines Stamm-Cafés in Williamsburg: Alles wirkte anders. Auf meine Frage an die befreundeten Barista, was es Neues gäbe, kam nur ein Schulterzucken zurück. Same old, same old. Von wegen: Ihr habt neue Tische, neue Gemälde an den Wänden und die Speisekarte ist definitiv länger geworden. Ich wusste nicht recht, was ich davon halten sollte. Kann hier bitte alles genauso blieben wie in meiner Erinnerung? Zwei Minuten später saß ich im Hinterhof in der Sonne mit meinem gewohnten Glas Cold Brew, einem Buch in der Hand und hatte sie wieder: die Gewissheit hier richtig zu sein. Angekommen.

Und in dem Moment wurde mir klar, dass es doch immer genauso abläuft mit dem Heimkommen: Erst der Schock, dass Mama aus dem Kinderzimmer einen Hobbyraum gebastelt hat und dann die Erleichterung, wenn das Essen zuhause trotzdem noch immer am Besten schmeckt. Und auch wenn Trump gerade die Welt zu seinem Spielzimmer umbaut, wird man in New York alles daran geben, sich weiterhin hier wohl zu fühlen. In den nächsten drei Monaten werde ich versuchen herauszubekommen, wie sie das machen.


Beitragsbild: © Birgit Buchart

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