Filmschoolfest
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Filme aus aller Welt in München: Die Filmschoolfest-Macherinnen im Interview

Yannik Gschnell

Ex-Prakti und immer noch nicht weggekommen.
'99 // Liebe für Politik, Musik & gute Menschen.
Yannik Gschnell

Wie jeden Novmeber wird München auch dieses Jahr wieder zum Treffpunkt der Nachwuchsregie und der Zukunft des Filmemachens. Auf dem mittlerwile 37. Filmschoolfest zeigen junge Filmstudenten aus insgesamt 17 Länder ihre Filme. Das diesjährige Programm beinhaltet 44 Kurz-, und Dokumentarfilme. All diese Filme werden auf Programmblöcke verteilt und über die ganze Woche, vom 19. bis zum 25. November, im Filmmuseum gezeigt.

Wir haben Katharina Vollmuth und Isabelle Haag, die beiden Programmorganisatorinnen des Filmfestivals, gefragt, wie sie das Programm aufgebaut haben und warum München der perfekte Standort für ein Festival der Regie-Stars von morgen ist.

Mucbook: Wie seid ihr beiden ins Filmschoolfest-Team gelangt?

Katharina Vollmuth: Ich habe während meines Romanistik- und Anglistik-Studiums gemerkt, dass ich in der Kulturbranche arbeiten möchte. Ich war schon immer filmbegeistert. Das habe ich dann nach meinem Studium zu meinem Beruf gemacht. Hier beim Filmschoolfest.

Isabelle Haag: Ich habe Literatur- und Theaterwissenschaft mit dem Schwerpunkt Film an der LMU studiert. Eigentlich wollte ich immer selber Filme machen und habe dann als Produzentin einen Kurzfilm gedreht. Mit dem Film bin ich auf Festivaltournee gegangen. So habe ich gemerkt, dass mir die Festivalarbeit mehr Spaß macht als das Filmemachen selber.

Wie sieht eure Arbeit als Programmorganisatorinnen aus?

IH: Zunächst schreiben wir weltweit den Wettbewerb des Filmschoolfests aus. Filmhochschulen aus aller Welt können Filme einreichen, dieses Jahr waren es 243 Filme mit über 66 Stunden Laufzeit. Nachdem eine Auswahljury aus all den internationalen Filmeinreichungen dann das endgültige Programm ausgewählt hat, können wir durchstarten.

Wir sammeln das Material, also beispielsweise Fotos, Trailer, Biografien der StudentInnen und verteilen es auf die verschiedenen Abteilungen, damit beispielsweise die Redaktion ihre Arbeit beginnen kann und Content auf der Website erscheint.

Der nächste Schritt ist es, die FilmemacherInnen einzuladen und Übernachtungsmöglichkeiten während der Festivaltage zu organisieren. Danach geht es schon ans Programmieren der Filme. Und dann  kümmern wir uns natürlich auch um die Vorführkopien. Früher wurden da noch Filmrollen und dann Festplatten um die Welt geschickt, seit diesem Jahr geht das über eine Cloud.

Wie sind die Programmblöcke des Filmschoolfests aufgebaut, auf was achtet ihr hier besonders?

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©Elsa-Lina Pillath

KV: Da gibt es verschiedene Kriterien. Zum einen ganz banal erst einmal auf die Länge, jedes Programm soll circa eineinhalb Stunden dauern. Außerdem achten wir auch auf die Herkunft der Filme. Wir wollen, dass immer möglichst unterschiedliche Länder zusammen in einem Programm sind. Dieses Jahr gab es sieben Filme aus Israel und wie immer waren auch viele deutsche Filme im Programm, die wollten wir gut verteilen.

Auch das Filmgenre sollte innerhalb der Blöcke möglichst abwechslungsreich sein. Wir wollen eine gute Mischung aus Dokumentar-, Animations- und fiktionalen Filmen und auch die Thematik sollte sich in einem Block nicht wiederholen.

Gab es dieses Jahr Themen, die besonders häufig behandelt wurden?

KV: Ein Klassiker auf dem Filmschoolfest sind die ‚Coming Of Age‘- Filme. Dieses Jahr gab es aber auch vermehrt Filme über das Erwachen oder das Finden der eigenen sexuellen Identität. Beispiele dafür sind die Filme ‚Big Sister‘ und ‚Beautiful Figure‘.

IH: Da merkt man, dass die FilmemacherInnen größtenteils noch sehr jung sind. Dennoch ist das Programm wieder sehr bunt und durchgemischt. Es gibt wieder einige private Geschichten, aber auch politische Filme.

Thematisch sind den Filmstudenten keine Grenzen gesetzt

KV: Mit ‚Letters Home‘ und ‚Borderless‘ wird auch das Thema Flüchtlinge behandelt.

IH: Gerade bei den Filmen zur Flüchtlingsthematik merkt man, dass die FilmemacherInnen sehr nah am Thema dran sind. Aria Azizi, der Regisseur von ‚Borderless‘ ist selber Geflüchteter. Das sind Filme, die sehr nah am Geschehen sind.

In eurem Programmheft hat jeder Block einen Einleitungstext, der die Gemeinsamkeiten der Filme heraushebt, wie kommt das zustande?

IH: Das geschieht in der Redaktion. Wir in der Programmorganisation versuchen möglichst abwechslungsreiche Programmblöcke zu erstellen und die Redaktion sucht dann den gemeinsamen Nenner oder den roten Faden in den Blöcken.

KV: Das ist schon spannend, weil sich doch immer Gemeinsamkeiten finden, sei es ein Motiv, ein Charakter oder eine Emotion.

Habt ihr denn ein Lieblingsprogramm?

Filmschoolfest

©Stefanie Funk

KV: Nein, wir wollen nicht ein einzelnes starkes Programm präsentieren, sondern insgesamt zehn Programmblöcke, die jeweils für sich stehen mit ihren eigenen starken Filmen. Ich möchte da keines gesondert herausheben. Ich kann aber sagen, welche Filme ich sehr sehenswert finde. Da würde ich zwei rausgreifen: ‚Waiting Time‘ aus Österreich von Clara Stern und ‚Les Dauphines‘ ein belgischer Film von Juliette Klinke.

IH: Ich bin ein großer Fan des polnischen Films ‚Heimat‘. Auch den Film ‚Night Call‘ kann man hervorheben. Beide Filme sind in Programm 7, also ist das vielleicht mein persönliches Lieblingsprogramm.

Warum ist München der perfekte Standort für das Filmschoolfest?

IH: Hier kommen natürlich viele Aspekte zusammen. Mit der HFF haben wir eine sehr hochkarätige Filmhochschule, mit der wir auch viel kooperieren. Außerdem liegt München auf der Weltkarte auch nicht ganz so ungünstig. Unsere Gäste kommen von überall her und können alle gut anreisen.

In München gibt es ja eine Historie des Filmemachens, viele große Produktionsfirmen haben ihren Sitz hier. Die HFF feiert dieses Jahr ihr Fünfzigjähriges und das Filmschoolfest gibt es mittlerweile auch schon zum 37. Mal.

KV: München ist Medienstandort. Die Filmstudenten kommen natürlich auch gerne auf unser Festival um Kontakte zu knüpfen. Oftmals finden FilmemacherInnen hier ihren nächsten Geschäftspartner.

IH: Und es ist halt schon auch ganz schön hier.

 

Vielen Dank für das Gespräch, Katharina und Isabelle.


In aller Kürze:

Was? 37. Filmschoolfest Munich

Wo? Münchner Filmmuseum, St.-Jakobs-Platz 1

Wann? 19. – 25. November, Programm mit Timetable hier

Tickets: Einzelticket: 5,00 € | Festival-Pass: 30,00 € | Festival-Pass für Studenten: 20,00 € | Link zum Webshop


Beitragsbild: ©Julia Weigl

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