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Das war das Isartreiben – „mitten im Paradies“

Anna-Elena Knerich

ist francophil und Europtimistin. Denkt (zu) viel und schreibt deshalb. Am liebsten über Kultur, die Helden des Alltags und das Thema mit dem "Zuhause".
Anna-Elena Knerich

Die Isar ist ein Grund dafür, warum wir München im Sommer so lieben. Vor fast 30 Jahren schrieb darum der Isarindianer Willy Michl eine Hymne an den Fluss und an die „Sommasonna auf dem weißen Kies“. Doch viele Münchner würden gern nicht nur am Isarufer liegen, sondern auch in dem kühlen Gebirgsfluss schwimmen – der übrigens fast Trinkwasserqualität hat.

Darum hat der gemeinnützige Verein Isarlust e.V. eine besondere Demo für ein Isarflussbad organisiert: Die Befürworter ließen sich von der Braunauer Eisenbahnbrücke bis zur Reichenbachbrücke treiben – manche kraulten die Strecke sogar um die Wette, um den 1. Münchner Isarpokal zu gewinnen. Nachdem die schwimmende Demo wegen des vielen Regens mehrere Male verschoben werden musste, war die langersehnte Veranstaltung am Freitag, 19. August, ein voller Erfolg.
Wir waren dabei und haben ein paar Impressionen von diesem temporären Isarflussbad für euch festgehalten:

Los ging’s kurz nach 17 Uhr: Projektleiterin Sina Weber wies die Teilnehmer sachkundig in die Strecke ein, damit niemandem etwas passierte; außerdem waren elf THWler vor Ort. Die Stadträtin Kristina Frank (CSU) hielt stellvertretend für den Schirmherren und zweiten Bürgermeister Josef Schmid eine kurze Eröffnungsrede und gab mit einer Hupe den „Startschuss“ für die sportlichen Isarpokal-Teilnehmer.

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Die Isar soll im urbanen Raum zugänglich gemacht werden.

Danach begann in der Abendsonne der gemütlichere Teil, das Isartreiben. Einige waren so davon begeistert, dass sie die anderthalb Kilometer wieder zurück liefen und sich noch einmal treiben ließen.

Auch die Sportschwimmer von den Isarhechten machten noch eine gemütliche zweite Runde flussabwärts: „Seit 19 Jahren trainieren wir dreimal pro Woche in unserem Verein, aber wir sind noch nie in der Isar geschwommen – weil es ja verboten und teilweise wegen der Stromschnellen auch wirklich gefährlich ist. Deshalb nutzen wir heute die Möglichkeit und hoffen, dass wir das bald regelmäßig in einem Isarflussbad tun können“, sagte Wilhelm Kluß, der von der tollen Organisation und der gut ausgewählten Strecke beeindruckt war. Diese hatte er in 7 Minuten 51 zurückgelegt und damit den Isarpokal für die Männer gewonnen; die schnellste Schwimmerin war Susi Müller mit einer Zeit von 8 Minuten 14.
Die Pokale verlieh Isarlust-Mitbegründer Michael Ruhland bei der Siegerehrung am Abend, bei der Willy Michl seine Songs über Liebe und Respekt zur Isar, zur Natur insgesamt und den Menschen untereinander zum Besten gab. Ruhland bedankte sich für die zahlreiche Unterstützung bei der Schwimm-Demo und zeigte sich zuversichtlich bezüglich einer schnellen politischen Bewilligung für ein Isarflussbad.

Der Isarlust e.V. hat nämlich schon länger die Vision, ein Flussbad zu errichten, wie es zum Beispiel auch in Zürich oder Kopenhagen schon welche gibt. Vor gut einem Jahr wurde ein entsprechender Antrag im Stadtrat gestellt. Der beschloss im Juli 2016 jedoch zunächst nur eine Machbarkeitsstudie über Risiken und die beste Stelle; Kristina Frank zufolge könnte es frühestens in den 2020er Jahren zu einer Eröffnung kommen.

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Sina Weber hat das Isartreiben-Projekt erfolgreich geleitet.

So lange wollen die Flussbadverfechter aber nicht warten.
„Das Thema betrifft die Münchner Bevölkerung, denn so ein Bad wäre ein Ort für Sport, Erholung, Begegnung und Kommunikation. Der Raum zwischen dem Deutschen Museum und den Patentämtern würde sich ideal eignen, ist aber momentan weder sichtbar noch zugänglich. Die kleine Isar soll natürlich belassen werden, aber wir finden, dass die große Isar Urbanität und Kultur gut verträgt“, erklärte Sina Weber, die auch nächstes Jahr wieder ein temporäres Flussbad auf die Beine stellen will – vielleicht dann ja sogar im besagten Bereich.
Für den Winter plant der Verein einen deutschlandweiten Gestaltungswettbewerb für ein mögliches Isarflussbad. Erste Entwürfe gab es am Freitag bereits zu sehen: Auf großen Bannern war das Projekt „Life is a Beach“ mit Ideen der Münchner Architekturstudenten ausgestellt, was auch von Spaziergängern neugierig betrachtet wurde.

Damit ist der Plan vom Isarlust e.V., die Idee eines Isarflussbads in die Bevölkerung zu bringen, auf jeden Fall aufgegangen, und so endete die außergewöhnliche Veranstaltung nach Sonnenuntergang – passenderweise mit Willy Michls „Isarflimmern“ – sehr stimmungsvoll.

Fotos und Video: © Mäx Wichmann

2 Comments
  • Sina Weber
    Posted at 18:10h, 22 August

    Das nächste Mal wird aber mitgeschwommen, Anna-Elena 😉

  • Dr. Engelsberger
    Posted at 17:29h, 23 August

    Bleibt noch zu erwähnen, dass es mehr als einige Menschen gab, die eine andere Meinung vertraten. Niemand braucht eine Partymeile an der Isar, außer den „urbanauten“, die daran verdienen wollen. Das Schwimmbad ist nur ein Lobby-Vehikel für die Eventgastronomie. Die Kosten für Bau und Unterhalt soll dabei der Steuerzahler tragen.
    Mich hat überrascht, mit welcher Direktheit die Leute das aussprachen und freue mich, dass es diese gibt.

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