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Ein Isarflussbad für München?

Sahika Tetik

Plantschen in der heimischen Isar, in einem innerstädtischen Naturbad, wo bestimmte Badeverbote aufgehoben werden – ein Traum? Oder doch eine realistische, visionäre und allen voran natürlich geniale Idee? Wir haben Benjamin David vom Isarlust e.V. gelöchert und er hat uns einige aufschlussreiche Antworten gegeben, über die Isar als das Herz der Stadt, warum man manchmal dem Naturschutz den Vortritt lassen sollte und dass das Projekt eigentlich gar nicht scheitern kann.

5 mal ISARFLUSSBAD

1. Worum geht es bei deinem Projekt?

Ein „Isarflussbad“ in der „großen Isar“ zwischen den Patentämtern und dem Deutschen Museum – dort wo das Baden seit dem 31.12.1976 per Stadtratsbeschluss verboten ist. Eine Stelle, die bisher kaum einer kennt, weil sie rundrum abgesperrt (auf der Museumsinsel) oder autoverkehrsumtost (am Westufer bei den Patentämtern) ist.

2. Warum tust du das?

Die südliche, renaturierte Isar und der nördliche Englische Garten sind schön, aber völlig überlaufen. In der Innenstadt überlassen wir den Stadtraum dagegen den Autos und dem Verkehrslärm, am Deutschen Museum und auf der Praterinsel gibt es viel Leerstand. Könnt auch anders sein! Mehr Platz für alle mitten im Herzen der Stadt, dort wo München mit der Ludwigsbrücke vor 857 Jahren mal erfunden wurde!

kleineIsar

3. Wie lang war der Weg von der Idee bis zur Umsetzung?

Die Idee ist schon seit ein paar Jahren am entstehen. Anfangs hatte der Isarlust e.V. das Ziel, das Badeverbot in der „kleinen Isar“ zwischen Au-Haidhausen und dem Deutschem Museum aufheben zu lassen. Dort aber hat mich der BN-Vorsitzende Christian Hierneis überzeugt, dem Naturschutz den Vortritt zu lassen. Darum in der großen Isar, wo das Praterkraftwerk und der Wehrsteg ohnehin dauerfhaft die ökologische Korridorfunktion unterbrechen. Hier wollen wir Baden und Schwimmen prüfen – mit offenem Ausgang.

4. Woran könnte es scheitern?

Das ist noch ein bisschen früh, um das abzusehen. Wir beim Isarlust e.V. sind optimistisch, dass es was wird und sich die gewiss auftretenden Hürden überwinden lassen – aber man weiß nie. Es wäre aber gar kein Scheitern, wenn es nicht klappt. Wir wollen die Ideen mit der Bevölkerung und den Fachbehörden ergebnisoffen durchprüfen und dann schauen wir mal weiter.

5. Warum sollte man sich bei eurem Projekt beteiligen?

Die Isar hat heute meist Badewasserqualität, oft sogar Trinkwasserqualität – außer bei Hochwasser und Starkregen. Aber wer will da schon baden! Warum, fragt man sich da, ist völlig anachronistisch dann das Baden und Schwimmen zwischen der Reichenbachbrücke im Süden und der Tivolibrücke im Norden seit 40 Jahren verboten? Als neugierige Menschen können wir es uns schon ziemlich schön vorstellen, dieses Verbot zu überwinden – so wie auch manch anderes Verbot in unserer enger werdenden Stadt. Dabei brauchen wir die Unterstützung all derer, die sich mehr Mut und Experimente, mehr Freiraum und Spiel in München wünschen. Und es gibt Vorbilder: Kopenhagen, Zürich, Berlin und New York. Da haben wir uns bei der Diskussion am Donnerstagabend vier Experten eingeladen. Für die Reisekosten brauchen wir die Unterstützung der Crowd für unsere Startnext -Kampagne.

IsarBereiche

5 mal MÜNCHEN

1. München in drei Worten

Toll, aber teuer.

2. Wo ist in München für Dich die Welt immer in Ordnung?

Bei unserem einen Sohn im Kindergarten „Isarkiesel“ und dem anderen Sohn in der Kinderkrippe „Lönneberga“. Die wunderschöne Welt, die die Erzieherinnen dort mit soviel Engagement und trotz der großen Herausforderungen zaubern, macht mich einfach glücklich und dankbar.

3. Wochenends: Dein Ausflugstipp im Münchner Umland?

Der Ausflugstipp, der gar nicht ins Umland führt. Schnell aufs Fahrrad und rüber an die renaturierte Isar südlich der Corneliusbrücke. Und vielleicht in Zukunft dann eben auch öfter mal in den innerstädtischen Isarraum rund um die Ludwigsbrücke.

4. Wochentags: Deine drei wichtigsten Nahversorger?

Das „Frischeparadies“ im Schlachthofviertel, die „Speis´ Girls“ (die Metzgerei gegenüber), das Kartoffelkombinat

5. Kultur-Tipp: Was sollte man sich in München zur Zeit anschauen?

Kulturstrand am Vater-Rhein-Brunnen an der Ludwigsbrücke und das Viehhof-Kino im Schlachthofviertel

5 mal DU

1. Was darf in Deinem Kühlschrank nicht fehlen?

Das Gemüse vom Kartoffelkombinat und guter Fisch vom Frischeparadies.

2. Welches Buch sollte jeder lesen?

Ja puh. Ich komm seit ich Vater von zwei Kindern bin nicht mehr wirklich zum lesen von geistreicher Kost. Meist surf ich am Smartphone rum und lande oft hier: http://www.realclearpolitics.com/ oder hier http://www.drudgereport.com/. Das erste Link ist DER linke Newsaggregator in den USA, das Zweite, DER rechte Newsaggregator. Da ich ursprünglich aus den USA komme, verfolge ich die Politik dort, die ja auch die sonstigen Weltläufte stark beeinflusst, mit großem Interesse. Zum Abschalten lese ich gern englischsprachige Schrottromane: Grisham, Clancy, Baldacci, le Carré… Da kann ich nichts wirklich empfehlen.

3. Welchen Internetlink empfiehlst Du?

www.isarlust.org

4. Der beste Song zum Weltverbessern?

5. Beichte: Welcher Klimasünde verfällst Du gerne?

Mit dem Auto in die Berge fahren.

 

Der Isarlust e.V. möchte mit der am 09. Juli endenden Startnext-Kampagne 2000 Euro sammeln, um die Reisekosten der eingeladenen Gäste zu finanzieren. Archie Lee Coates von „+ POOL“ aus New York, Tim Edler vom Flussbad Berlin e.V., der Flussbäderchef von Zürich Patrick Müller und Lars Hjorth Baerentzen aus Kopenhagen werden Gäste der Isarflussbad-Diskussion am Kulturstrand sein.

Unterstützt auch ihr die Idee des Münchner Vereins und stattet https://www.startnext.com/flussbadmuc nicht nur einen Besuch ab, sondern hinterlasst auch gleich eine kleine Spende! Damit München Stück für Stück lebenswerter wird.

Die Veranstaltung findet am 09. Juli von 19:00 bis 21:30 statt. Bei Gutwetter am Kulturstrand und bei schlechtem Wetter im DAV-Museum.

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