Dinzler Kaffee Barista
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Kaffeeliebe und Alpenblick – zu Besuch beim Dinzler am Irschenberg

Sharon Brehm

ist in München verliebt und in der Welt zuhause - und damit unverschämt glücklich. Weil Liebe ihre Passion ist, ist sie systemische Paartherapeutin & Love Coach: lovemoves.de
Sharon Brehm

Bis jetzt hatte ich bezüglich Autobahnausfahrten keine romantischen Gefühle. Doch eben nur bis jetzt, denn neulich habe ich mich in das Dinzler am Irschenberg verliebt.

Zugegebenermaßen, aus der Ferne war ich skeptisch. Ein Rasthof wie so viele neben einem McDonalds zwischen Staugehupe und Alpenpanorama. Da glaubt man natürlich erstmal nicht, dass dort die kulinarische Erkenntnis auf einen wartet. Aber manchmal muss man sich eben auch überraschen lassen.

 

Wenn Kaffeegeruch zum Meisterwerk wird

Noch bevor man etwa den edlen Tresen oder den süßen Shop wahrnimmt, stieg mir dieser intensive, herb-warme Kaffeegeruch in die Nase. Damit hatten sie mich kleinen Geruchsfetischsten sofort verzaubert. Plötzlich konnte ich mich zu 100% mit Grenouille aus Patrick Süßkinds Bestseller identifizieren. Der mörderische Protagonist aus „Das Parfüm“ sammelt außergewöhnlich verzaubernde Gerüche um am Ende ein Parfüm zu kreieren, das alle in den Bann zieht. Mit Sicherheit wäre auch dieser Kaffeegeruch Teil dieses olfaktorischen Meisterwerks geworden.

Wie man nach etlichen Jahren an Lebenserfahrung weiß, spielen die inneren Werte für echte Gefühle eine wichtige Rolle. Gut, dass die Innendekoration liebevoll durchdacht ist. Denn sie greift das Herbe eines schwarzen Kaffees in satten Lederböcken und dunklen, gealterten Holztischen genauso auf wie sie luftige Milchschaumromantik durch eine Gartenlaube inmitten des Restaurants platziert. Das Essen schmeckt herausragend und bietet neben Klassikern wie Pizza und echtem Wiener Schnitzel auch außergewöhnlichere Schmankerl wie Rosmarinlimonade und Crêpes mit Gorgonzola und Birnen. Dass alles frisch und regional ist, muss ich fast nicht erwähnen.

 

Wie Milchschaumherzen gelingen

Doch nicht nur für Genießer lohnt sich ein Abstecher beim Dinzler. Diejenigen, die gerne Neues lernen und entdecken, können sich auf einen Baristakurs freuen. Dort habe ich gelernt, dass man hochwertigen Kaffee an der Gleichmäßigkeit der Bohnen erkennt. Aber Qualität kann man eben nur sehen, wenn der Kaffee nicht schon gemahlen in die Packung kommt. Oder dass das Label „100% Arabicabohnen“ überhaupt keinen Mehrwert hat. Zwar sind diese für die Vielfalt im Geschmack essentiell. Aber wer auf eine gute Crema Wert legt, sollte nicht auf Robustabohnen verzichten. Und das Lieblingsmotiv aller Blogger, a Herzal im Cappuccino, zaubern Hobbybaristas, indem sie  den Milchschaum zuerst am unteren Tassenrand einfüllen um dann mit dem letzten Schluck durch die Mitte an den oberen Tassenrand zu ziehen.

Außerdem gibt es neben diesem Blick hinter die Kaffeemaschine eine ganz Erlebniswelt rund um die braune Bohne. Es gibt einen kleinen Shop, ein Kaffee-Museum, ein wenig Geschichte in Form der ersten Dinzler-Kaffeemühle und die Möglichkeit, den Bohnen beim Rösten zuzusehen. Wäre es nicht so laut, wäre die hauseigene Rösterei wohl der Ort an dem ich bis in alle Ewigkeit rasten könnte. Denn es ist warm, ich habe ein Faible für echtes Handwerk und es liegt der Geruch frischer Backwaren in der Luft, auch wenn ich mir dies nicht erklären kann.

Einziges Manko: Man braucht für eine Autobahnraststätte natürlich ein Auto. Auf der anderen Seite, so einen Ausflug in die Berge gönnen sich die (Wahl-)Müncherinnen und Münchner doch eh gerne.


In Kürze:

Was: Dinzler Restaurant und Kaffeerösterei
Wo: Wendling 15, 83737 Irschenberg
Öffnungszeiten: jeden Tag 07:00-22:00 Uhr
Preis: Frühstück ab 7 € / Baristakurs für 6 Personen, 250 €
Weitere Infos: 
http://www.dinzler.de/de/


Fotocredits: Blake Richard Verdoorn via CC0

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