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Kino kostenlos! Das Filmschulfestival auf dem DOK.fest

Juliane Becker

Hochkarätige Dokus und das völlig kostenlos: Das ist das Filmschulfestival auf dem DOK.fest. Hingehen lohnt sich!


„Ich wünsch mich dahin zurück, wo’s nach vorne geht. Ich hab auf back to the future die Uhr gedreht.“ (Ja, Panik, 2014) Wie erträumen sich junge DokumentarfilmerInnen ihre Welt? Mit welchen Themen beschäftigen sie sich und mit welchen Mitteln inszenieren sie? Das Filmschulfestival spiegelt aktuelle Strömungen im Schaffen des deutschsprachigen Dokumentarfilm-Nachwuchses wider. Die Filme erobern mit klaren politischen Statements den öffentlichen Raum und verändern so das Bild unserer Gesellschaft. Sie begeben sich auf Reisen in die Vergangenheit und erforschen Familiengeschichten – auf der Suche nach der Welt um uns und der Galaxie in uns.
Die Filme im Filmschulfestival sind nominiert für den Megaherz Filmschulpreis, dotiert mit 3000 € sowie für den Preis der Untertitel-Werkstatt Münster für barrierefreie Kino- oder Fernsehfassung, dotiert mit einer Beistellung im Wert von 5000 €. In der Jury sitzen ausschließlich Studenten. Außerdem können sich Schüler und Studenten auf freien Eintritt freuen!


Programmauswahl
“Wer bist Du, Vater?” Wer war der Soldat, der den heiligen Krieg zwischen Iran und Irak am Ende nicht überlebt hat? Schicht um Schicht deckt Atefeh Yarmohammadi die verschiedenen Lagen des Verdrängens und des Erinnerns auf. Atefeh kann nicht anders, sie muss von der Vergangenheit erzählen, um für sich selbst einen Weg in die Zukunft zu finden. Die einfache und tragische Geschichte eines Mannes als Video-Remix-Dialog zwischen Familie und Tochter, zwischen Archivmaterial und iPhone-Skizzen. Ein radikal persönlicher Essay über die Kraft des Erzählens.
Donnerstag, 12.05., 18:00
HFF, Kino 1
„Es hat mich schon als Kind gestört, auf ein Bild reduziert zu werden”, sagt die Tochter. Der Vater – Schauspieler, Filmemacher, Autor – pflegte eine Obsession: das Leben seiner Familie auf Film zu bannen. Als der Vater stirbt, entschließt sich die Regisseurin, dem schier unendlichen Archiv zu Leibe zu rücken und nach den unbequemen Wahrheiten hinter den Bildern zu suchen. Zögernd zuerst, fängt sie an, selbst zu filmen und einem unvollendeten Werk ein letztes, zartes Kapitel hinzuzufügen. Der Dokumentarfilm nimmt den Zuschauer behutsam an die Hand und entdeckt eine Antwort, die so überraschend wie universell ist.
Dienstag, 10.05., 21.30
Filmmuseum
Lauf der Dinge
Ein ‘Objet trouvé’ steht am Anfang dieses Filmgedichts. In einer Kiste fand Iuri Maia Jost den Briefwechsel zwischen zwei Menschen – einer Frau und ihrem Mann –, die sich mit der Trennung und dem Ende ihrer Ehe weder abfinden noch die Beziehung ganz abrechen wollten oder konnten. Durch die Montage privater Fotos und Schnappschüsse findet der Film ein visuelles Gegengewicht zu der nüchternen wie tragischen Beschreibung der Einsamkeit, Verlassenheit und immer wieder aufflackernden Hoffnung. Wie geschickt das Bild und der Ton sich gegenseitig befragen und bestärken, das lässt sich hier hautnah erleben. 

Freitag, 13.05., 20.30
HFF, Audimax

Das gesamte Programm gibt es hier.


Bildquelle via DOK.fest München

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