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Krieg im Krieg

Der Antisemitismus zwischen 1914-1918 stellte jüdische Soldaten zwischen zwei Fronten. Im Angesicht den Feind der Nation, im Nacken den Feind der Religion.


2014 zählte Europa 100 Jahre Beginn des ersten Weltkrieges. Ignorieren konnte man diesen Jahrestag nicht, in München schon gar nicht, denn dafür sorgte das Kulturreferat. Deren Veranstaltungskalender zählte um die 140 Eintragungen, die mit Lesungen, Filmen und Interventionen die Schrecken des ersten Weltkriegs in den öffentlichen Raum integrierten.

Prinzipiell ist diese Vielfalt auch gut so, sie lässt aber bestimmte Beiträge in der Flut an Informationen ertrinken. Einer Ausstellung sollte besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, besonders in München, der Hauptstadt der Bewegung: „Krieg! 1914-1918 – Juden zwischen den Fronten“ im Jüdischen Museum München.

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Im Ersten Weltkrieg begann der Kern des Antisemitismus zu keimen, zwei Jahrzehnte später saugten seine Wurzeln jüdisches Leben bedingungslos auf. Für den NS war die antisemitische Propaganda die Grundlage ihrer Macht. Bilder aus dem Ersten Weltkrieg, die Juden als Drückeberger, Weltverschwörer oder Kriegsgewinnler abstempelten, wurden das Mittel zum Zweck.

Tatsächlich aber zogen Juden genauso patriotisch wie Christen in den Krieg. 96000 Jüdische Soldaten kämpften im ersten Weltkrieg, sie waren damit anteilsmäßig genauso stark vertreten wie Christen. Trotzdem kam es mit zunehmender Grausamkeit zu zunehmender Denunziation. Armut und Gewalt machten den Antisemitismus fruchtbar und die Menschen reif für Propaganda, die verkündete Juden, seien durch ihre Feigheit und Hinterlist schuld am Ausgang des Krieges.

Nach 1945 beherrschten andere Themen die Geschichtsaufarbeitung und die Rolle der Juden im Ersten Weltkrieg geriet in Vergessenheit. Ohne den Antisemitismus an der Front aber kann das Erstarken und Wirken des NS-Regimes nicht hinreichend verstanden werden.

Selten wurde die Geschichte jüdischer Kämpfer so detailliert aufgearbeitet, wie in der derzeitigen Ausstellung im Jüdischen Museum München.

Die Ausstellung läuft noch bis 22. Februar 2015 im ersten und zweiten Stockwerk des Jüdischen Museums München
St.-Jakobs-Platz 16
80331 München

www.juedisches-museum-muenchen.de

Preise:
Erwachsene: 6 Euro
Studenten 3 Euro

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