Kultur, Was machen wir heute?

Kriminelle Leckerbissen im Schlachthof

Corinna Klimek

Ich reise gerne, gehe oft ins Musiktheater und lese viel. Manchmal kombiniere ich auch alles miteinander. Seit 7 Jahren schreibe ich darüber unter www.nacht-gedanken.de

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Krimitag in München 08.12.2011

Am Donnerstag fand zum ersten Mal der Krimitag statt. Er wurde von der Autorenvereinigung SYNDIKAT zu Ehren eines der ersten deutschsprachigen Krimischriftsteller Friedrich Glauser an dessen Todestag veranstaltet. Elf bayerische Autoren servierten kleine feine Krimihäppchen im Schlachthof.

Den Anfang machten Schorsch & de Bagage mit bayerischem Blues. Sie wurden im bis auf den letzten Platz besetzten Ox im Schlachthof schon heftig beklatscht und heizten die Stimmung mächtig an. Die Moderation übernahmen die Autoren Marc Ritter und Werner Gerl. Neben den Musikern, die sich bereits selbst vorgestellt hatten, sollten an diesem Abend 11 Autoren jeweils 5 Minuten aus ihren Werken lesen, außerdem gab es am Ende eine Tombola sowie einen sehr gut bestückten Büchertisch von der Buchhandlung Buch & Bohne. Die Erlöse des Eintritts sowie der Tombola gingen komplett an die Münchner Tafel, denn Autoren und Musiker verzichteten an diesem Abend auf ihr Honorar. Herr Miller von der Verteilstelle Neuperlach stellte die Organisation kurz vor. So erreicht die Münchner Tafel 16000 Bedürftige in der Stadt und verteilt 100 Tonnen Lebensmittel pro Woche. Angesichts dieser beeindruckenden und auch irgendwie beängstigenden Zahlen fiel das Kaufen von Tombolalosen doppelt leicht.

Der Krimitag fand nicht nur in München statt, sondern zeitgleich auch in mehreren anderen deutschen Städten sowie im deutschsprachigen Ausland. Besonders groß war die Veranstaltung in Köln. Hier hatten sich so viele Autoren bereit erklärt, für einen guten Zweck zu lesen, dass die Veranstaltung auf vier Tage ausgedehnt werden musste. Mittels Telefon gab es eine Live-Schaltung dorthin und das Publikum an beiden Orten konnte sich von der guten Stimmung am entgegengesetzten Ende der Leitung überzeugen. Angela Eßer, eine der Sprecherinnen des Syndikats, stellte anschließend die Organisation vor. Über 600 Mitglieder zählt die Autorenvereinigung, die sich der Förderung des deutschsprachigen Kriminalromans und dem Erfahrungsaustausch sowie der Öffentlichkeitsarbeit widmet, allein 70 davon aus München und Umgebung. Die größte Veranstaltung ist in jedem Jahr die Verleihung des Friedrich-Glauser-Preises, die Jury, die sich ausschließlich aus Autoren zusammen setzt, liest hierfür alle rund 300 Neuerscheinungen im Jahr sowie nochmal ca. 100 Debütromane.

Sie durfte sich dann auch gleich als erste der unbestechlichen Eieruhr unterwerfen, die die Lesezeit der Autoren strikt auf 5 Minuten begrenzte. Sie las aus ihrer Kurzgeschichte „Der Wolf und die sieben Geißlein“, die in der wunderbaren Anthologie DIE MÄRCHENMÖRDER erschienen ist. Als nächstes war Sabine Kornbichler an der Reihe, die eine sehr spannende Stelle aus ihrem neuen Roman DIE TODESBOTSCHAFT las, gefolgt von Marc Ritter, der aus seinem im Oktober erschienenen Debütroman JOSEFIBICHL eine sehr witzige Stelle vortrug. Den Abschluß dieses Blocks bildete Werner Gerl, der ebenfalls aus seinem Debütroman EINE ART SERIENMÖRDER las, der so frisch auf dem Markt ist, dass die Druckerschwärze noch feucht war.

In der Pause spielten Schorsch & de Bagage wieder auf, bevor ein echter Glauser-Preisträger die kleine Bühne betrat: Andreas Föhr, der für sein Debüt DER PRINZESSINNENMÖRDER den begehrten Autorenpreis bekam, las aus seinem mittlerweile dritten Roman KARWOCHE. Ebenfalls preisgekrönt ist die nächste Autorin, Anna Schneider, die den Beginn ihrer Kurzgeschichte „Fleischeslust“, in der eine bisher biedere Hausfrau ihre dunkle Seite entdeckt und auslebt und in der Anthologie EINS erschienen ist, vortrug. Elmar, der männliche Teil des Autorenehepaars Iny Lorentz, stellte den unter dem Pseudonym Nicola Marni erschienenen Thriller TODESFAHRT vor. Inge Löhnig, bestens bekannt für ihre sehr erfolgreiche Serie um den Münchner Kommissar Konstantin Dühnfort, wählte eine Stelle aus ihrem Jugendthriller SCHERBENPARADIES, in dem eben jene Verteilstelle der Münchner Tafel in Neuperlach eine Nebenrolle spielt.

Nach einer weiteren Pause und einem letzten Set von Schorsch & de Bagage ging es mit Martin Arz, der als Verleger eine Chronik der Münchner Tafel herausgegeben hatte, und seinem neuen Roman PECHWINKEL in den letzten Block. Ingeborg Struckmeyer las aus ihrer Kurzgeschichtensammlung TODESSCHREIE, bevor die kurzfristig eingesprungene Gastautorin aus dem hohen Norden Christiane Franke mit dem überaus witzigen und sehr gut vorgetragenen Beginn ihrer Kurzgeschichte „Tante Hedi und der Weihnachtsmann“ Lust auf die Anthologie MARIA, MORD UND MANDELPLÄTZCHEN machte. Damit endeten leider die Lesungen. Die kurzen Appetithappen boten ein buntes Kaleidoskop des Schaffens der Münchner Krimiautoren und machten definitiv Lust auf mehr. Bei mir ist das ein oder andere Buch auf der Wunschliste gelandet. Am Ende dieser sehr gelungenen Veranstaltung wurden noch die Tombolagewinne verteilt und es bestand die Möglichkeit, noch mit den Autoren zu plaudern oder sich Bücher signieren zu lassen. Wer in Sachen Münchner Autoren auf dem laufenden bleiben möchte, kann sich aktuelle Informationen auf der Seite [ muenchenkrimi.de ] holen.

Foto von li nach re:
Ingeborg Struckmeyer, Inge Löhnig, Christiane Franke, Herr von Miller (Münchner Tafel), Elmar Lorentz, Martin Arz, Angela Eßer, Andreas Föhr, Werner Gerl, Marc Ritter, Anna Schneider, Sabine Kornbichler

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