Rathausschau, Stadt

Kunst im Rathaus gegen Rechtsextremisten im Stadtrat

Maria Christoph
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Kunst ist der „Steigbügel der Intoleranz“, weiß Münchens Oberbürgermeister, Christian Ude.

Zu Beginn des neuen Jahres, eines eher merkwürdigen 100-jährigen Jubiläumsjahres, betont er die Wichtigkeit der Künstler und ihrer Initiative „Kunst, Kultur und Respekt“, als „exaktes Kontrastprogramm […] gegen jede Art des Ungeistes“. Dadurch, wie sich Kunst und Kultur heute mit ihren entsprechenden Wertevorstellungen engagieren, kann der „trügerischen Stille“ im rechten Lager entgegengewirkt werden. Die NPD, die sich noch immer auch im Stadtrat vertreten sieht, bilde eine „Vergiftung des städtischen Klimas“, verkündet er vor den Anwesenden. Ude mahnt, dass jener Rechtsgruppierung, die ihre anti-islamistische Haltung ganz offen darlegt, kein weiterer Zuspruch zukommen dürfe und „jede demokratische Stimme“, die bei der Wahl fehlt, „rechtspopulistischen Kräften zu Gute“ käme.

Umso mehr kann man sich freuen, die wunderbare Initiative der vielen Kulturinstitute als „historische Besonderheit“ zu begrüßen. 30 Münchner Theater, Orchester, Museen, Bildungseinrichtungen sowie Künstlerinnen und Künstler positionieren sich in einer Kooperation mit der städtischen Fachstelle gegen Rechtsextremismus, gegen rechten Wind aus unserer Mitte, der das winterliche Klima noch mehr abzukühlen scheint. An diesem Tag ist jedoch nichts von den kalten Außentemperaturen zu erkennen. Die Ratstrinkstube hat sich allmählich gefüllt und in beschaulicher Runde wird das Projekt voller Stolz vorgestellt.

Theater schafft Raum für mehr Kritik: „Realistische Kunst“ heißt das Zauberwort!

Nachdem unser Oberbürgermeister mit seiner Ansprache, das Wort an den Intendant des Residenztheaters abgibt, wirkt die Stimmung fast familiär. Martin Kušej erzählt von seiner Kindheit. Davon, wie er einst selbst unter verschärften politischen Umständen gelebt hat. Als Künstler und Theatermacher packt er jetzt selbst an, uns dafür zu sensibilisieren, was hinter rassistischen Tendenzen steckt. Durch Kunst und Theater könne man seine politische und weltanschauliche Haltung klar zum Ausdruck bringen, denn diese seien „Werkzeug“, das auf undemokratische Weise auf Rechtsextremismus reagieren kann. Schon Büchner habe das gewusst. Das Theater könne sich gerade über seine Distanz zur Realität definieren und politischen und ästhetischen Diskurs verknüpfen. Schwere Worte mit einfacher Botschaft: Die Kunst kann uns helfen, Kritik laut auszusprechen!

„Lassen Sie sich von Juden Ihren Spielplan diktieren?“

Ausgesprochen hat sich auch Johan Simons. Der Intendant der Münchner Kammerspiele, weiß wovon er spricht: Nationalsozialismus ist ein Thema, dass noch immer stark in unserer Mitte vertreten ist, nicht nur am rechten oder linken Rand. Simons weiß das, weil er es selbst am Theater erlebt habe. Er sei dort „umgeben von Leuten, die einen solchen Hintergrund haben“. Bei seinem Bericht von einem jungen Schauspieler seines Theaters, der trotz bayerischen Abiturs einen Sprachtest habe machen sollen, um die deutsche Staatsbürgerschaft zu bekommen, kommt auch der letzte in der Runde zum grübeln. Der Schauspieler habe damals einfach das Amt mit seinem „Ermessenstest“ hinter sich gelassen. Wir sollten aber nicht einfach nur gehen, sondern in auch eine bestimmte Richtung verfolgen. Das Ziel haben wir ja eigentlich bereits vor Augen: Für Toleranz kämpfen!

Das „Guide-Land“

Diesen „Kampf für Toleranz“ müssen wir gewinnen. Der niederländische Intendant des Münchner Volkstheaters, spricht gefährliche Tendenzen an. Auch wenn sein Heimatland ein anderes ist, weist Christian Stückl darauf hin, wie wichtig es ist, andere durch seinen eigenen Standpunkt darauf aufmerksam zu machen. Eine Stimme genüge, um für schlechte Stimmung zu sorgen.

Von Pain-Poetry und lebenden Büchern

Das vermeintlich Fremde, ist in München längst zum Eigenen geworden. Dr. Arne Ackermann, Direktor der Münchner Stadtbibliothek, leistet interkulturelle Flüchtlingsarbeit, indem er gemeinsam mit minderjährigen Migrantenkindern und Münchner Schülern in medienpädagogischen Projekten Filme dreht. Aber viel mehr noch: In einer „Lebenden Bibliothek“ lässt Ackermann von Sorgen geplagte über ihr Leid sprechen. Als lebender Beweis für die Diskriminierung, die ihnen wiederfahren ist, stehen sie vor seinen Besuchern und reden. Bislang gab es diese lebendigen Bücherausstellungen nur in Dänemark, Ackermann fand es sei jedoch auch für Deutschland an der Zeit von seinen Nachbarländern zu lernen. Seine Arbeit ist zukunftsweisend. Nicht zuletzt erkennt man das an dem Engagement, dass er zuletzt gemeinsam mit dem Feierwerk in München zum NSU-Prozess unter Beweis stellen konnte.

Mit Provokation und Witz gegen Schönfärberei – Die Stimme der Jugend

Kein Mucbook-Beitrag ohne eine Stimme aus unserer Mitte. Die einzige Jugendvertreterin in der Initiative war am Mittwoch durch Andrea Huber vertreten. Die Repräsentantin der „Färberei – Kreisjugendring München Stadt“, setzt auf Witz und wahre Worte. Zur Diskussion anregen, soll es endlich heißen, empfinden viele die Sprachlosigkeit die dieses Thema begleitet schon fast als beklemmend.

So unterschiedlich die persönliche Motivation der verschiedenen Initiatoren auch ist, im Grund wollen Sie alle dasselbe erreichen: Unserer aller Aufmerksamkeit auf die Wandlung rechtsgerichteter Propaganda im 21. Jahrhundert richten. Keiner Partei dieser Nation sollte das Recht zustehen, über das Schicksal von Einwanderern bestimmen zu dürfen, geschweige denn innerhalb der ewigen Debatte um Armutszuwanderung den Eindruck zu vermitteln, Deutschland werde bedroht vom so genannten „Sozialtourismus“.

„Kunst, Kultur und Respekt“ hat dafür jetzt schon meinen vollsten Respekt! „Nein“ sagen zu Rassismus, Rechtsextremismus und Rechtspopulismus, kann und muss eine Demokratie wie unsere mit allen Mitteln unterstützen. Als eines der reichsten Länder der Erde sollte ein Deutschland des 21. Jahrhunderts nicht nur damit rechnen, dass es vielerorts von Bedürftigen aufgesucht wird, sondern vielmehr auch seinen humanitären Verpflichtungen gegenüber der Europäischen Union nachgehen, Vielfalt und Toleranz als oberstes Gut nachhaltig zu schützen.

Unter www.kunstkulturrespekt.de könnt ihr euch das gesamte Programm der Initiative anschauen!

Los geht’s morgen nicht nur mit lauter Musik, sondern auch mit lauten Gedanken, im Harry Klein Club München: Um 20 Uhr beim „Kommentierten Auflegen mit den Münchner Theatermacher und DJ Bülent Kullukcu und dem Berliner Autor Imran Ayata“ – „Songs of Gastarbeiter“ – Karen Krüger nannte das Team einen „Schatz, vielleicht der größte, der seit langem in Deutschland gehoben wurde – musikalisch, da man bei den meisten Liedern sofort lostanzen will, aber auch, was die deutsche Einwanderungsgeschichte angeht“! Kommt mit auf eine ungewöhnliche Reise. Tanzen mit Kopf und Herz, mit wahrem Gefühl eben.

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