Aktuell, Leben

Leckt mich, Kellerkind und co., ich hassliebe euch!

Kevin Brandt

Münchner Kindl ohne ausgeprägte Ortskenntnis. Politisches Wesen. Sprache ist Macht. Printanhänger. Schon immer schreibend. Schon immer suchend.
Kevin Brandt

Entschuldigt die harten Worte. Ihr dürft sie nicht so ernst nehmen, sie entstanden im Affekt. Eigentlich mag ich euch ja. Euch gebührt großer Dank, weil ihr was Eigenes auf die Beine gestellt habt, an dem wir teilhaben. Danke, dass wir Sätze wie: „Wisst ihr noch, Sommer, Schall im Schilf, tanzen. War geil.“ sagen können. Danke für Tanz, Suff, Rausch, Lächeln.

 

 

Ein Open-Air in der äußersten Pampa. Wer kein*e TU-Student*in oder Heimspielgänger*in ist, weiß gar nicht, dass man so lange in München U-Bahn fahren kann – und dass wir eine Oberlandbahn haben. Im Nirgendwo entlassen, noch ein gutes Stück zu Fuß unterwegs: eine Pilger*innenreise zum Raven!

Wie es so ist in München, verunmöglicht sich vieles an guten Events irgendwann von selbst. Weil „die Anderen“ davon Wind bekommen. Die, die vordergründig keine Berechtigung zum Tanzen haben, weil sie keine richtigen Anhänger*innen der Geschehnisse sind. Die nur mal die Nase in den Wind halten wollen, um ein wenig coole Brise abzubekommen.

Eigentlich gehöre ich ja auch zu den Anderen. Ich habe so wenig Ahnung von elektronischer Musik, dass ich nicht mal die Genres vernünftig unterscheiden kann. House und Techno waren nicht die erste Liebe. Was will ich dort?

 

Schall im Schilf `14 (113 von 121)

 

Fuck, ich will einfach nur tanzen. Mit meinen Leuten eine gute Zeit haben. Ich will mich noch mal im Moment verlieren. Wenn sich die Spannung entlädt, das Bewusstsein kurz verabschiedet, ja Mann, die Mucke, fühlt ihr es auch? Geil, Alter. Um einen herum nur schemenhafte Gestalten und überall rieselt das Glück auf verschwitzte, lachende Gesichter.

Für viele ist das höchste der Gefühle mittlerweile, im Ticketshop den Namen eingeben zu dürfen – bevor man mit dem nächsten Klick vom Server geworfen wird, als wäre man wie Frau von Storch auf der Maus ausgerutscht. Punkt 19:00 Uhr sieht die Facebook-Veranstaltung dann aus wie ein Basar auf Drogen. Und die Hälfte der Meute bleibt sowieso daheim, weil sie keine Tickets bekommen hat.

Einige haben ihren persönlichen Höhepunkt darin gefunden, spaßeshalber auf Facebook abwegige Tauschgeschäfte vorzuschlagen. Wie kann man so ein Ego-Arschloch sein? Was ist falsch bei euch gelaufen? Wo ist die Liebe? Tut es nicht, Freunde, widersteht der Versuchung. Wir dürfen das Böse nicht gewinnen lassen. Spätestens am Eingang setzt eh das Arschflattern ein, darauf sitzen zu bleiben.

Außerdem vermisse ich die Zeiten, als noch spontan mittags der Freundeskreis wachgeklingelt wurde: „Los jetzt, heute Open-Air, komm‘ mal klar, mach‘ dich fertig!“ Heute braucht man schon fast jemanden, der den eigenen Terminkalender pflegt, um nicht die Zusagen von drei Monaten zuvor zu verballern. Ja, eine Karte im Voraus kaufen zu müssen, ist nicht so tragisch wie bspw. der geschlossene Vorhang im Kong. Nur muss man sich halt Sonntagabend den Stress im Ticketshop geben – wer gerne 30 Minuten mit F5-Klopfen verbringt, darf dann vielleicht mit ganz viel Glück:

 

 

tanzen.

 

 

Mitarbeit: Amiel Pauli und Velislav Velikov
Fotocredit: (1) Kevin Brandt (2) Schall im Schilf

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