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LIFE im Interview: „Die Politik hat Angst vor der Jugend“

Joscha Faralisch

Schreibt für MUCBOOK — am liebsten über Musik, Kunst, Essen und Politik.
Joscha Faralisch

Sie waren Vorband für Idles und Slaves, nun sind sie selbst auf Tour. Wir haben LIFE zum Interview getroffen und mit ihnen über Brexit, Punk und die Macht der Musik gesprochen. Gewinnt Tickets für ihr Konzert am 08.10. im Feierwerk.

Schlechte Zeiten sind gute Zeiten für Punk. Diesen Eindruck bekommt man zumindest, wenn man die Post-Brexit-Welle um Bands wie Idles oder Shame verfolgt hat. Auch LIFE aus dem englischen Hull sind Teil dieser Bewegung. Wir haben Sänger Mez gefragt, wie er die politische Situation in Großbritannien erlebt und welchen Einfluss Musik noch hat.

Euer erstes Album „Popular Music“ ist 2017 erschienen: dem Jahr nach dem der Brexit beschlossen und Trump gewählt wurde. In einem Interview habt ihr damals gesagt, dass die britische Regierung jungen Leuten keine Stimme gibt. Ich nehmen nicht an, dass sich das geändert hat, aber habt ihr das Gefühl, dass die Leute selbst wieder politischer werden?

Meiner Meinung nach sind junge Leute immer noch isoliert und abgespalten. Die politische Landschaft ist von Angst getrieben und die Leute in Machtpositionen haben Angst vor der Jugend, deshalb machen sie es jungen Leuten extrem schwer mitzureden, weil das bedeuten würde, dass die Regierung auseinander bricht. Man muss ja nur schauen, welche Einsparungen im Vereinigten Königreich im Bereich Jugendarbeit und Jugendförderung gemacht worden sind, um zu sehen, dass das der Fall ist.

Du warst ja selbst als Sozialarbeiter in der Jugendarbeit tätig. Ist Punk oder Indie-Rock eigentlich noch relevant für die jungen Menschen mit denen ihr gearbeitet habt?

Ich glaube, Musik als Ganzes gibt den jungen Leuten, mit denen ich gearbeitet habe, ein Ventil und eine Stimme. Sie gibt ihnen Raum, zu sein wer sie sind. Musik hilft dabei Individualität und Akzeptanz zu erlangen, also ist es eigentlich egal, welches Genre junge Leute hören, solange es ihnen einen Ausweg bietet.

„Punk ist eine Einstellung“

Trotzdem gab es in den letzten Jahren ja definitiv ein Revival von Punk, Post-Punk oder wie auch immer man es nennen möchte. Ihr wart mit Slaves und Idles auf Tour, Shame war letztes Jahr auch sehr erfolgreich. Seht ihr euch als Teil einer Bewegung?

Es ist auf jeden Fall großartig zu sehen, dass solche Bands und Künstler*innen für das akzeptiert werden, was sie sind und endlich ihren Raum in einer Branche bekommen, die Kreativität ja oft unterdrückt und aushungern lässt. Ich denke mit Musik können Künstler*innen sich abreagieren, deshalb siehst du in politisch dunklen Zeiten viel mehr ehrliche Stimmen in den kreativen Bereichen.

Du hast ohnehin einmal gesagt, Punk sei für dich eher eine Einstellung oder Herangehensweise als ein bestimmter Stil. Gibt es gerade irgendwelche Musiker*innen, die diese Attitüde teilen, auch wenn man sie erstmal nicht mit Punk in Verbindung bringen würde?

Ja, eine unserer besten Freundinnen, Nadine Shah, ist sehr mutig und ehrlich und hat die selben Grundsätze und die selbe Einstellung wie wir, aber musikalisch sind wir sehr unterschiedlich. 

„Die Musik wurde persönlicher“

Es lagen etwa zwei Jahre zwischen „Popular Music“ und „A Picture of Good Health“. Wie hat ihr die Zeit zwischen den beiden Alben erlebt und wie hat sich die Musik verändert?

Wir haben uns auf „A Picture of Good Health“ dazu entschieden, viel persönlicher zu werden. Anstatt der großen, weitreichenden Themen, kommen viel mehr persönliche Gedanken und Gefühle zum Tragen. Auch mit dem Sound wollten wir uns etwas trauen und aus uns herausgehen und ein Album machen, auf das wir stolz sein können – und das können wir!

Dass die Band auch live sehr aus sich herausgeht, könnt ihr am 08.10. selbst miterleben. Wir verlosen 2×2 Tickets. Schreibt uns einfach in die Kommentare.


In aller Kürze:

Wer: LIFE

Wo: Kranhalle (im Feierwerk), Hansastraße 39-41, 81373 München

Wann: 08. Oktober, Einlass: 19 Uhr, Beginn: 20 Uhr

1Comment
  • Lena
    Posted at 16:13h, 02 Oktober

    Tolle Musik und interessantes Interview

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