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Long time no read: Jonathan Safran Foer im Literaturhaus München

Ayla Amschlinger

Liest am liebsten während des Frühstücks, nicht selten mit dem ärgerlichen Nebeneffekt, dass der Kaffee dabei kalt wird. Außer in Buchläden und Cafés trifft man sie in Kinos, auf Flohmärkten und in Zügen nach Irgendwo.
Ayla Amschlinger

Der Januar wird literarisch in München. Unmittelbar nach dem Großen Tag der jungen Münchner Literatur betritt nämlich bereits das nächste belletristische Highlight die Lesebühne der Stadt, um intellektuell das Wasserglas zu schwenken: Jonathan Safran Foer, der am 29. Januar im Literaturhaus München aus seinem neuen Roman “Hier bin ich” lesen wird.

Foer ist zurück. Lange hat es gedauert …

Gibt es ein großes literarisches Comeback zu feiern? Das fragt sich derzeit so ziemlich jeder Feuilletonartikel zu Jonathan Safran Foer. Der gerne als “Wunderkind der US-Amerikanischen Gegenwartsliteratur” betitelte Schriftsteller ist erwachsen geworden, das dauert schon mal eine Weile. Knapp 10 Jahre mussten wir auf einen neuen Roman Foers warten, der 2002 mit seinem Debüt “Alles ist erleuchtet“ erstmals für ein Aufhorchen sorgte. Mit seinem zweiten Roman “Extrem laut & unglaublich nah” traf Foer endgültig den Nerv der Zeit und wurde schnell zum Shooting-Star der hippen New Yorker Literaturszene. Es folgten zahlreiche Essays, kluge Interviews und 2009 als letzte größere Veröffentlichung der Sachbericht “Tiere essen”.

700 Seiten passen in keinen Jutebeutel

Dass “Hier bin ich” kein literarisches Fliegengewicht für die launige Lektüre zu Wartezimmern-Zwischenzeiten geworden ist, fällt nicht nur rein optisch schnell ins Auge. Ob in der U-Bahn oder abends am Sofa, unhandlich sind die knapp 700 Seiten allemal. Sprachgewaltig werden solche Super-Schmöker gerne genannt, Begriffe wie Familienepos oder Sittengemälde springen einem von Klappendeckel und Kurzbesprechung entgegen. Doch alle verstaubten Begrifflichkeiten hinter sich lassend, lesen sich die ersten Seiten erstaunlich unprätentiös, mal davon abgesehen, dass der erste Satz fast eine Seite lang ist.

Das Kleine im Großen erzählen

“Hier bin ich” berichtet von der jüdischen Identität in der modernen Welt, von spannungsgeladenen Familienbanden, scheiternden Ehen, kleinen und mittleren Alltagskatastrophen. Und nicht zuletzt davon, was eigentlich zählt: hier und für andere da zu sein. Warum man dafür ruhig mal etwas weiter ausholen und länger brauchen darf? Das muss sich schon jeder selbst erlesen. Oder die Hornbrille rauskramen und am kommenden Sonntag den schlauen Worten des Autors lauschen.


In aller Kürze:

Wann: Sonntag, 29. Januar 2017 ab 17 Uhr

Wo: Literaturhaus München (Saal im 3. OG)

Wie: Die Veranstaltung ist leider komplett ausverkauft.

Restkarten (15,-/10,- €) gibt es eventuell an der Abendkasse. Sein Glück kann man direkt vor Ort ab einer Stunde vor Veranstaltungsbeginn versuchen.


Beitragsbild: © Jeff Mermelstein

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