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LOVE is always the answer – Paartherapeutin Sharon Brehm im Interview

Daria Anders

geht positiv durchs Leben, mit einem Hauch von Dramaturgie.
Daria Anders

All you need is Love, Love, Love – Love is all you need.

Du bist auf der Suche nach der großen Liebe? Oder du hast diese schon gefunden und brauchst Hilfe dabei, deine Beziehung wieder ins Gleichgewicht zu bringen? Dann sperr mal deine Lauscher auf:

Die 29-jährige Münchnerin Sharon Brehm (aufmerksamen Mucbook-Lesern ist der Name wohl ein Begriff, da sie auch als Autorin für uns tätig war) ist Paartherapeutin und Expertin im Love Coaching. Mit ihrem Unternehmen „Love Moves“ therapiert sie Paare, die frischen Wind in ihrer Beziehung benötigen. Oder sie unterstützt Singles dabei, ihre große Liebe zu finden.

Wir wollten mehr über die gebürtige Münchnerin und ihre Arbeit erfahren – und haben ihr ein paar Fragen gestellt.

Wie alt bist du und wo kommst du her?

Ich bin 29 Jahre alt und ein Münchner Kindl. Meine ersten zehn Lebensjahre bin ich in Sendling aufgewachsen.

Wie bist du dazu gekommen, Paartherapeutin zu werden?

Das Thema Liebe fand ich schon immer spannend. Weil sie uns alle betrifft und weil wir durch sie derartige Glücksexplosionen spüren können. Das ist nur in wenig anderen Bereich auch so möglich. Jetzt als Paartherapeutin und Love Coach zu arbeiten, fühlt sich so an, als würde ich zwei Stränge miteinander verbinden.

Parallel dazu war ich als systemische Beraterin und Coachin tätig. Mir gefällt an der Systemischen Therapie, dass nicht mehr eine Person an sich „krank“ ist, sondern dass das System, also der Kontext, in dem sich jemand befindet, analysiert wird. Die meisten kennen das Gefühl, dass sie sich bei ihren Eltern anders verhalten als im Studium oder in der Arbeit. Durch diese Philosophie entstehen meiner Meinung nach der sogenannte Aha-Effekt und positive Veränderung viel leichter.

Was hast du vor deiner Arbeit als Love Coach gemacht?

Ich habe meine Doktorarbeit über binationale Paare geschrieben. Eine Erkenntnis davon ist, dass Liebe nicht nur ein Gefühl ist, sondern eine Fähigkeit. Und Fähigkeiten kann man ja trainieren und verbessern. Nur leider lernt man weder in der Schule, noch in der Universität, was es überhaupt bedeutet, zu lieben.

Dass das ein Problem ist, zeigt sich daran, dass emotionale Entfremdung der häufigste Grund für Scheidungen ist. Deswegen habe ich beschlossen, Workshops anzubieten, bei denen es eben genau darum geht, Liebe als Fähigkeit greifbar zu machen. Frei nach dem Motto „Care is better than Cure“.

Wie sehen deine Workshops aus?

Die Idee hinter den Workshops ist es, zunächst praktische Tipps und Anregungen zu geben, damit es eben gar nicht erst zu dieser emotionalen Entfremdung kommt. Außerdem halte ich es für wichtig, dass der Workshop an sich Spaß macht und direkt in den Alltag integrierbar ist – eine Art Date für mutige, neugierige Paare. Er findet also abends unter der Woche statt, dauert zwischen drei bis vier Stunden und ist in spannenden Locations mit Charme (wie etwa dem neuen Mucbook Clubhaus).

Das Ziel ist, sich als Paar zu entdecken: Also probieren die Paare Kommunikationsrituale direkt aus um zu sehen, ob das etwas für sie ist. Oder sie reflektieren spielerisch, was ihre jeweiligen Werte sind. Denn am Anfang einer Beziehung reden wir viel über uns als Person. Wenn wir meinen, wir kennen die Person, mit der wir zusammen sind in- und auswendig, reden wir eher über das Abendessen. Doch natürlich verändern wir uns kontinuierlich.

Die Übungen sind so gestaltet, dass man sie zunächst mit seiner Partnerin oder seinem Partner umsetzt. In einem zweiten Schritt ist jeder eingeladen, in der Gruppe zu erzählen,  was gut funktioniert hat und was sich durch die Übung verändert hat. Dadurch hoffe ich, dass ein positiver Austausch stattfindet, die Paare gegenseitig voneinander lernen und sich inspirieren. Aber wie gesagt, das ist eine Einladung, so viel oder wenig von sich zu teilen, wie man mag. Für sehr persönliche Dinge empfehle ich sowieso eher eine Paartherapie – die findet in einem persönlicheren Rahmen statt und wir haben dann auch genügend Zeit und Raum, individuelle Lösungen zu entwickeln.

Welche Art von Kunden kann man sich bei deinem Beruf als Paartherapeutin vorstellen?

Man kann die Personen nur schwer über einen Kamm scheren. Liebeskummer und Beziehungsprobleme hat ja jeder schon einmal erlebt. Was all meine Klientinnen und Klienten mitbringen: Sie wollen wieder glücklich in ihrem Liebesleben sein und sie sind offen für Hilfe von außen. Ich unterstütze die Personen dann mithilfe systemischer Methoden, um die authentische, glückliche oder lebendige Beziehung zu kreieren, die sie sich wünschen.

Kommen nur Paare oder auch Singles zu dir? Was kommt dann häufiger vor?

Ob jemand als Single, mit seinem Herzensmenschen oder ohne kommt, hängt einfach vom Thema ab. Ich bespreche von Stunde zu Stunde, welche Konstellation Sinn macht. Wenn es zum Beispiel um eine aktuelle Verletzung geht oder darum, dass man sich auseinander gelebt hat, empfehle ich zusammen zu kommen. Man will sich ja auch gemeinsam entwickeln. Wenn es aber um Verletzungen aus früheren Beziehungen oder der Vergangenheit geht, ist es zielführender, erstmal alleine zu kommen, um sich mit sich selbst zu beschäftigen.

Was war dein lustigstes oder bewegendstes Erlebnis, das dir bei deiner Arbeit passiert ist?

Wenn man zu mir kommt, dann meistens, weil schon viel passiert ist –  und das berührt mich immer. Das ist einfach einer der Nachteile von Empathie. Gleichzeitig bin ich verblüffend optimistisch und der Meinung, dass ein wenig Humor – gerade, wenn es in der Partnerschaft so kriselt – auch gut tut.

Du berätst auch „binationale Beziehungen?“ – Worin liegen hier die Schwierigkeiten?

Aus meiner Erfahrung sind drei Aspekte für binationale oder kosmopolitische Paare besonders wichtig: Erstens sind Balance und Gleichgewicht Themen, mit denen sich binationale Paare oft auseinandersetzen müssen. Gerade, wenn ein Part wegen der Beziehung erst nach Deutschland gezogen ist, wird manchmal die Frage gestellt, ob man „zu viel aufgegeben“ hätte: Familie, Freunde, Job. Umgekehrt fühlt sich der oder die andere auch unter Druck gesetzt, als sei man nun verantwortlich für das Wohlbefinden des oder der Anderen. Das ist natürlich keine leichte Situation.

Zweitens kommt es auch oft zu einem sogenannten Kulturschock. Und auch das Vermissen der Heimat kann die Beziehung belasten. Der dritte Punkt wird relevant, sobald ein Paar Kinder kriegen möchte: In welcher Sprache erziehen wir unser Kind? Mit welcher Religion? Ist es vielleicht doch besser, in das andere Land zurückzuziehen, weil der andere Teil der Familie auch etwas von dem Kind haben soll oder auch bei der Erziehung unterstützen kann?

Doch bei all den Schwierigkeiten darf man nicht vergessen, dass binationale Paare viele wichtige Ressourcen mitbringen. Sie haben bereits eine Fernbeziehung und das rechtliche Prozedere eines Visa-Antrags überstanden. Und sie sind sehr offen, wollen gerne die Welt mit den Augen einer anderen Person sehen, sind an anderen Sprachen, Ländern und Sitten interessiert. Das ist eine gute Basis, um Konflikte zu lösen.

Wo finden deine Sitzungen statt? Bei den Paaren zu Hause oder in einem richtigen Therapieraum?

Ich hab einen Praxisraum drei Minuten vom Marienplatz entfernt, also recht zentral.

Wie sehen deine Sitzung grob aus? Was erwartet einen wenn man zu dir in Therapie kommt?

Ein Perspektivenwechsel. Wenn ich etwas garantieren kann, dann dass man danach einen anderen Blick auf sich und die Beziehung hat. Dafür muss man allerdings bereit sein und sich auch öffnen wollen. Ich arbeite lösungsorientiert und nutze dafür nicht nur theoretische Modelle aus den Wissenschaften, sondern vor allem auch systemische Methoden.

Dabei verwende ich etwa Seile und leite Aufstellungen mit den Paaren an – das ist zwar etwas ungewöhnlich, aber auch sehr effektiv, um einen neuen Blick auf die Dynamik einer Beziehung zu werfen. Und natürlich sprechen wir auch über Gefühle, damit man den eigenen Umgang mit ihnen und die Herkunft von ihnen verstehen kann. Und gut, beim Thema Liebe will und darf man ja vielleicht auch über Gefühle sprechen.

Sharon wird am 23. Juli ab 18:30 Uhr auch bei uns im neuen Clubhaus einen Workshop ihrer Art führen. Und am 8. Juli kannst du ab 18:30 Uhr in der Waldmeisterei in der Barerstraße 74 einen von Sharon’s Workshops besuchen.

Für weitere Infos zum Mucbook Clubhaus: hier entlang.


Fotos © unsplash.com, lovemoves.de

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