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Die Kunst des Scheiterns -Melanie (22): „Scheitern macht dich nur stärker“

Annika Säuberlich

An Regentagen auf der Suche nach guten Filmen, an Sonnentagen auf der Suche nach Regentagen

Null Bock mehr auf utopisch anmutende Erfolgsgeschichten, in denen du dich nicht wiederfindest? Auf der Suche nach inspirierenden Persönlichkeiten, mit denen du dich wirklich identifizieren kannst? Lass uns der in unserer Leistungsgesellschaft propagierten Einzelkämpfer-Mentalität den Rücken kehren – MUCBOOK ist auf der Suche nach Menschlichkeit!

 

Von acht Leuten, die mir auf der Straße zugesagt hatten, an einem Interview für diese Kolumne teilzunehmen, hat genau eine Person auf die entsprechende Mail geantwortet. Uncool. Dafür hatte diese eine Person eine ungewöhnlich interessante Story, gefasst in ungewöhnlich poetische Worte zu bieten. Ich hatte mich schon gefragt, wann hier endlich mal dieses Thema aufkommt…

„Wenn ich an uns beide denke, habe ich einfach Angst – vielleicht nennt man das Liebe“, sagte die großartige Jeanne Moreau in ihrer Rolle in Louis Malles „Die Liebenden“ (Filmtipp für Fans der Nouvelle Vague). Ach ja, Liebe ist schon eine nebulöse Sache. Aber als wäre alles nicht schon kompliziert genug, hat sich Melanie* in einen Mann verliebt, der 23 Jahre älter ist als sie.

 

Melanie (22), Pädagogikstudentin an der LMU

„Wäre ich nicht gescheitert, wäre ich ein Mädchen, das keine Ahnung hat, wie es sich anfühlt zu lieben. Das war es wert“, erzählt mir Melanie gleich zu Beginn – und das klingt so romantisch, dass ich ganz hingerissen bin.

Melanie und ihr Ex hatten es nicht leicht. In einer ungewöhnlichen Beziehung wie der ihren hat man mit Vorurteilen zu kämpfen, die zu einer echten Belastungsprobe werden können. Er hatte Angst, mit seiner jungen Freundin gesehen zu werden und davor, was die Leute sagen würden. Ihre Freunde waren zwar eingeweiht, hatten jedoch kein Verständnis.

Von Kommentaren wie „Du hast doch was Besseres verdient“ bis hin zu Ratschlägen wie „Such dir doch jemand Jüngeres“, musste Melanie einiges über sich ergehen lassen. Bei den Reaktionen vieler Menschen fragt man sich, ob sie selbst eigentlich noch nie verliebt waren. An alle, die denken, Floskeln wie diese wären in einer solchen Situation auch nur ansatzweise hilfreich: sind sie nicht.

Left you because you came too close to me (Mando Diao)

Acht Monate hielt die Beziehung. Letztlich hatte Melanies Ex zu große Schwierigkeiten, sich auf einen anderen Menschen in seinem Leben einzustellen und entsprechende Kompromisse einzugehen.

„Er fand auch die Tatsache, dass ich die emotional stabilere Person von uns beiden war, merkwürdig. Er war immer der Meinung, als Älterer müsste er es sein, der mir hilft, der mich unterstützt, und nicht andersherum, was in einer Beziehung ja totaler Schwachsinn ist, da sie davon leben sollte, dass man sich gegenseitig Halt gibt.“

Es war also nicht nur die Voreingenommenheit der anderen, die die Liebe der beiden unter Druck setze, sondern auch ihre eigene Befangenheit.

Alle waren schlussendlich sehr erleichtert, als es „Gott sei Dank“ vorbei war. Doch Melanie war am Boden zerstört. Ich frage sie, was sie aus der ganzen Geschichte gelernt hat.

„In erster Linie, wie sehr es schmerzt, verletzt und enttäuscht zu werden. Ich finde es schon sehr beachtlich, wie sehr man emotional an einer Person hängen kann und wie schwer es einem fallen kann, diesen Jemand loszulassen.“

Von Werten und Prinzipien

Mir gefällt ihre Art, die Dinge zu sehen. Sie hat erkannt, dass der Sinn des Lernens nicht zwingend darin besteht, besser zu werden. Erfahren und Empfinden spielen für die Persönlichkeitsentwicklung eine gemeinhin völlig unterschätzte Rolle.

Der Sinn des Liebens liegt eben einfach darin, zu lieben. Cheesy, aber true.

Melanie ist immer noch verliebt und hat das Scheitern ihrer Beziehung nicht überwunden. Aber, was soll’s? „Ich bin mir sicher, dass ich eines Tages wieder glücklich sein werde“, sagt sie mit Zuversicht.

Für euer lovelife gibt sie euch also den einzig richtigen Rat:

„Man sollte immer so viel geben, wie man auch zurückhaben möchte, und dieses Prinzip auch dann nicht aufgeben, wenn jemand das anders sieht!“

 

Herzlichsten Dank und höchsten Respekt an die lieben Menschen, die bereit waren, so offen mit mir zu reden!

Möchtest du deine eigene Geschichte über das Scheitern bei MUCBOOK lesen und deine durch sie erlangten Lebensweisheiten mit unserer Community teilen? Schreib mir einfach!

 

*(Name geändert)

Beitragsbild: © Annika Säuberlich

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